Harzer Falken gewinnen ersten Teil des Doppelvergleiches mit Berlin

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675 Zuschauer im heimischen Wurmbergstadion sahen ein abwechslungsreiches Spiel mit spannenden aber auch dramatischen Szenen, sowie einem insgesamt verdienten Sieger. Denn so richtig bedrohlich in Bedrängnis sollten die Harzer Falken beim 4:2 (1:0; 2:0; 1:2)-Sieg nicht geraten, auch wenn Berlin im letzten Drittel noch einmal alle Register zog.

Dramatisch war es vor allem aufgrund der zwei schweren Verletzungen, die beide unglücklich entstanden sind. So rutschte der Berliner Eddy Rinke-Leitans nach einem Konter auf das Harzer Tor derart unglücklich gegen die Bande hinter dem Tor, dass er sich einen offenen Armbruch zuzog. Und Ende des 2. Drittels erwischte es Linienrichter Florian Holst. Bei einer Prügelei zwischen Tim Lucca Krüger und Hannes Ulitschka erwischte Letzterer im Fallen den Schiedsrichter mit der Schlittschuhkufe am Unterarm. Mit einer tiefen, langen Schnittwunde musste auch Holst im Krankenhaus versorgt werden. So war das bis dahin fehlerfreie Schiedsrichtergespann für die letzten knapp 24 Minuten auf das Duo Volker Westhaus und Marco Busse reduziert, die weiterhin alles im Griff hatten und eine souveräne Leistung darboten.

Doch es wurde natürlich auch Eishockey gespielt. Und im 1. Drittel sah man beiden Mannschaften an, dass doch einiges auf dem Spiel stand. Denn der Verlierer würde deutlich an Boden zur Tabellenmitte verlieren. So gab es zwar auf beiden Seiten einige gute Möglichkeiten, doch so richtig zwingend wurde es bis zur 9. Minute nicht. In 5:3-Überzahl war es dann Florian Kraus mit seinem ersten Saisontor, der ein Zuspiel von Zach Josepher entlang der blauen Linie direkt nahm und unhaltbar für den Berliner Schlussmann Erik Reukauf ins lange obere Eck hämmerte. Eine Führung, die Artjom Kostyrev und Tim Lucca Krüger noch vor der Drittelpause hätten ausbauen können, doch Kostyrev verfehlte das Tor nach einem schönen Zuspiel von Louis Trattner nur knapp und der sehr auffällige und manschaftsdienliche Krüger zielte zwar etwas besser, traf dabei aber nur die Latte.

Und so sollte es zunächst auch im Mitteldrittel weitergehen. Gulda, Dzemla und Pipp scheiterten an Reukauf, wohingegen Leon Hungerecker in Harzer Unterzahl zwei Mal stark parierte. Doch in der 29. Minute hatten die Harzer Fans endlich wieder etwas zu jubeln, als Gregor Kubail eine tolle Kombination über Kostyrev und Trattner mit seinem ersten Saisontor veredelte. Ein Treffer, der den Harzern sichtlich Sicherheit gab. Denn bis zur Spielunterbrechung in der 37. Minute parierte Reukauf in Harzer Überzahl zwei Mal ganz stark bei Chancen von Krüger und Pipp. Aufgrund der Verletzung des Linienrichters ging es dann aber erstmal in die vorgezogene Drittelpause, in der Hauptschiedsrichter Westhaus einiges an Überzeugungsarbeit leisten musste, da Gästetrainer Uli Egen aufgrund der Schiedsrichterkonstellation einen Spielabbruch abwog. Doch es ging weiter. Und wie. In Harzer Unterzahl blockte der erneut starke Richard Zerbst 47 Sekunden nach Wiederanpfiff einen Blueliner und ließ Reukauf bei seinem Alleingang keine Chance.

Doch wer nun gedacht hatte, dieses Spiel sei gelaufen, hatte die Rechnung ohne den Berliner Stürmerstar Kyle Piwowarczyk gemacht. Nachdem die Harzer im letzten Drittel durchaus hätten drauflegen können, aber Kostyrev, Josepher und Kraus an dem in dieser Phase ganz starken Erik Reukauf im Berliner Tor scheiterten und die Berliner einen Konter mit zwei Spielern ohne Harzer Verteidiger nicht erfolgreich abschließen konnten, weil die Harzer zum einen ein ganz starkes Bachchekcing fuhren und zum anderen eben auch noch ein Hungerecker im Tor stand, nutzte Piwowarczyk in der 50. Minute einen feinen Querpass von Jakub Rumpel nach einer Unachtsamkeit der Falkendefensive und verkürzte auf 3:1. Ein Treffer, dem die Falken nur 50 Sekunden später mit dem ersten Saisontor von Dennis Gulda nach tollem Zuspiel von Krüger postwendend das 4:1 folgen ließen. Doch was folgte war eine dieser Undiszipliniertheiten, die Trainer Arno Lörsch immer wieder auf die Palme bringt. Vor den Augen des Schiedsrichters haut Erik Pipp dem Gegenspieler außerhalb des Spielgeschehens den Schläger in die Kniekehlen und kassiert folgerichtig eine 2-Minuten-Strafe. Was die Berliner zum Anlass nahmen, bereits neun Minuten vor Schluss den Torwart zu Gunsten eines sechsten Feldspielers rauszunehmen und nach einer Minute tatsächlich den 4:2-Anschlusstreffer erneut durch Piwowarczyk erzielten. Und wer weiß, was noch passiert wäre, wenn Leon Hungerecker in der 57. Minute nicht glänzend im Liegen den Puck mit der Fanghand rausgefischt hätte, als Ogorzelek quer auf den freistehenden Rumpel spielte und dieser mit dieser Großchance scheiterte. So waren es die Falken, die mit Chancen von Bödefeld und Krüger die letzten Aktionen des Spieles fuhren.

Insgesamt sicherlich ein verdienter Sieg gegen einen stark dezimierten Gegner, der nicht nur im Rückspiel an diesem Freitag nun auch noch auf Neuzugang Eddy Rinke Leitans verzichten muss. Doch die Harzer sind gewarnt. Denn leicht haben es ihnen die Berliner nicht gemacht und immer wieder gezeigt, welches Potenzial und welche individuelle Klasse in diesem Team steckt, wo eine gelungene Aktion schonmal den Spielverlauf grundlegend beeinflussen kann. Und auch Trainer Arno Lörsch gab sich nach dem Spiel zwar glücklich angesichts der drei Punkte, doch war auch, abgesehen von dem großen Kampf, dem er seinem Team attestierte, mit einigen Szenen überhaupt nicht einverstanden. Entsprechend wird in Berlin die Marschroute sehr wahrscheinlich eine andere sein. Denn mit drei weiteren Punkten, egal wie schön oder dreckig man sie erzielt, würde man den Abstand auf den letzten Tabellenplatz auf deutliche neun Punkte vergrößern und auch wieder auf Schlagdistanz zum 11. Platz gelangen. (Hei)

Foto:Harzr Falken

Tordebütanten Gregor Kubail (links) und Florian Kraus (rechts)

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