Glenkinchie Destillerie – der „Edinburgh Malt“

0

Zwölf Meilen westlich von Edinburgh liegt das Örtchen Pencaitland. Bis auf das pittoreske Aussehen hat dieser Ort nur wenige Attraktionen bieten. Eine davon ist die Glenkinchie Destillerie. Jahrein, jahraus lockt diese große Besucherströme an. Durch die Nähe zu Schottlands Hauptstadt Edinburgh ist dessen Whiskys auch als „Edinburgh Malt“ bekannt.
Die Destillerie selbst liegt außerhalb der Ortslage in einer hügligen, landwirtschaftlich geprägten Umgebung. Dem Besucher kommt unwillkürlich der Gedanke, dass der britische Schriftsteller und Philologe J. R. R. Tolkien genau eine solche Landschaft vor Augen hatte, als er Mitte der 1950er Jahre für seinen Roman „Der Herr der Ringe“ bzw. für dessen Hobbits „The Shire“ (in deutscher Bezeichnung „das Auenland“) erfand.
Glenkinchie wurde 1837 von den Brüder George und John Rate gegründet. Als Namengeber diente der unmittelbar südlich am Objekt vorbeifließende Kinchie Burn. Vermutlich wurde die Destillerie von den Brüdern nicht erbaut, sondern in den bereits vorhandenen Gebäuden der vormals am Ort betriebenen Milton Destillerie etabliert. Denn nach 1837 ist deren Existenz nicht mehr belegt.
Fest steht, dass 1840 James Gray (Leechman & Grey) die Leitung der Destillerie von John Rate übernahm, wobei Rate Inhaber blieb. 1853 musste sich dieser seiner prekären finanziellen Situation stellen und Bankrott anmelden. Danach wurde die Anlage an einen lokalen Farmer namens Christie verkauft, welcher das Objekt kurzerhand zu ein Sägewerk umbauen ließ. 1880 übernahm die Glen Kinchie Distillery Company – eine Vereinigung von Brennern und Weinhändlern – die Destillerie. Ab etwa 1881 wurde bei Glenkinchie wieder Whisky hergestellt.
1914 gründete Glenkinchie mit vier weiteren Lowland-Destillerien – dies waren Rosebank, Clydesdale, St. Magdalene und Grange – die Scottish Malt Distillers Limited (SMD). Sie hofften die düsteren Jahre des Ersten Weltkriegs so wirtschaftlich besser zu überstehen. Das gelang nur bedingt. 1917 musste Glenkinchie die Produktion einstellen, was der Lebensmittelknappheit der Kriegszeit geschuldet war. Drei Jahre später konnte die Produktion wieder aufgenommen werden.
1925 übernahm die Distillers Company Ltd. (DCL) die Scottish Malt Distillers Limited (SMD). Ab diesem Zeitpunkt führte John Haig & Co. (vgl. Beitrag „Cameronbridge“) die Geschäfte der Destillerie.
Eine Besonderheit von Glenkinchie ist das angeschlossene Destilleriemuseum. Als Whiskypapst Jim Murray dieses besuchte, beeindruckten ihn am meisten die „Dogs“. Dabei handelt es sich um Kupfergefäße, welche früher die Arbeiter der Destillerie nutzten, um heimlich in den Hosenbeinen Whisky nach Hause zu schmuggeln.
Nach einer Übernahmeschlacht im Jahr 1987 schluckte Guinness die Distillers Company Limited (DCL). Guinness gliederte die Tochtergesellschaft United Distillers (UD) aus, welche u. a. für die Geschäfte von Glenkinchie verantwortlich war. Guinness fusionierte 1997 mit Grand Metropolitan, woraus der Getränkeriese Diageo hervorging, in dessen Besitz die Destillerie noch heute ist.
Die Gebäude der Glenkinchie Destillerie liegen an einem Südhang. Von Pencaitland kommend ducken sich diese so geschickt in die Umgebung, dass die teilweise vierstöckigen Gebäude von der Zufahrtsstraße aus kaum zu sehen sind. Erst nachdem der Besucher direkt vor dem Haupteingang steht, beeindruckt die Größe der Anlage. Links neben dem Haupteingang befinden sich giebelständig zwei viergeschossige Gebäude. Im rechten Winkel dazu steht ein weiteres – ebenfalls giebelständig, jedoch ohne erkennbares Dach. Zur Zeit liegt dazwischen der Zugang zum Besucherzentrum.
Das Innere der Destillerie ist deutlich attraktiver. Am beeindruckendsten sind der Wash Still mit einem Volumen von 30.963 l und der Spirit Still mit 20.998 l. Genauso verblüfft die schiere Größe des gusseisernen, rechteckigen Worm Tubs außerhalb des Gebäudes, welche zur Kondensation des Rohbrands genutzt wird.
Für die Zukunft plant Glenkinchie den umfassenden Um- und Ausbau des Besucherzentrums. Dazu wurde im Dezember 2018 eine Baugenehmigung erteilt. Die veröffentlichten Grafiken zeigen den fertigen Zustand. Geplant ist, dass der Haupteingang auf der Längsseite des westlichsten, viergeschossigen Gebäudes angeordnet. Dies hat zur Folge, dass die dort vorhandenen Gebäude abgerissen und die vorgelagerten Bereiche gärtnerisch angelegt werden müssen. Über dem Haupteingang soll die Fassade großflächig für ein Panoramafenster geöffnet werden. Es ist anzunehmen, dass dieses einen phantastischen Ausblick auf genau die Umgebung zulassen wird, welche für das Hauptprodukt des Glenkinchie Whiskys verantwortlich ist – nämlich die Gerste.
Bereits 1987 läutete United Distillers (UD) durch die Veröffentlichung der „Classic Malts“-Reihe die Renaissance des schottischen Single Malts ein. In ihr wurde die 10-jährige Glenkinchie-Abfüllung symbolisch als Vertreter vom schottischen Lowland aufgenommen. Die Whiskys von Glenkinchie werden allgemein als Einsteigerwhiskys bezeichnet. Lässt man diese jedoch auf sich wirken, entpuppt sich die Abfüllungen als durchweg elegant und als Vertreter leichter und fruchtiger Noten.
L. E.

Share.

Leave A Reply

*