Glen Grant Destillerie – ein erstklassiger, reinrassiger Speysider

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Etwa 10 Meilen südöstlich von Elgin liegt Rothes. Das beschauliche Städtchen mit gerade einmal etwa 1.300 Einwohnern ist neben Dufftown eines der bekanntesten Whisky-Hotspots Schottlands. Am Ort befinden sich neben Glen Grant, noch die Speyburn, Glenrothes und Glen Spey Destillerie. Bis 2002 gab es noch eine fünfte Destillerie vor Ort – Caperdonich. Ursprünglich als Glen Grant No. 2 errichtet, wurde sie 2010 abgerissen.
1840 wurde Glen Grant Destillerie von den Brüdern John und James Grant gegründet. Sie stammten aus Shenval im Glenlivet. John Grant (*1797; †1864) war offiziell Getreidehändler. Es war aber allgemein bekannt, dass von ihm jedoch nur wenig Getreide zu bekommen war, denn sein Geld verdiente er als Schwarzbrenner und -schmuggler. Den größten Teil des Whiskys bekam er dafür von seinem Freund George Smith, Inhaber der Glenlivet Destillerie. Als geschickter Verkaufsstratege verkaufte er bald 200 Gallonen Whisky pro Woche. So dauerte es nicht lange, bis er überlegte, ob auch er Whisky herstellen sollte.
Sein Bruder, James Grant (†1872), wurde hingegen in Edinburgh als Jurist ausgebildet. Ab etwa 1834 übernahmen sie neben anderen Geschäften auch die Pacht der Aberlour Destillerie. 1840 lief dessen Pachtvertrag aus. Die Brüder beschlossen eine eigene Destillerie zu errichten. Soweit überliefert bat John seinen Freund George Smith ihn bei der technischen Ausstattung zu helfen. Der Legende nach setzten sich beide unter einen Haselnussstrauch am Ufer des Back Burn, bzw. der Burn of Rothes, und entwarf Pläne für Grants Brennerei.
1840 wurde die Destillerie vermutlich unter der alleinigen Leitung von John eröffnet. James blieb zunächst als stiller Teilhaber im Hintergrund, stieß aber bald in die Geschäftsleitung hinzu. Nach kurzer Zeit produzierte die neue Destillerie unter dem Namen „Glengrant Glenlivet Whisky“ etwa 1.500 Gallonen Whisky pro Woche. Ein Großteil wurde an ein eigenes Lager in London versandt, von wo aus der Whisky vertrieben wurde.
James Grant war auf vielen Gebieten aktiv. Er wurde Provost of Elgin und einer der größten Eisenbahnförderer im Speyside, um die regionale Whiskyindustrie anzukurbeln. John und James wurden Hauptaktionäre der Morayshire Railway Company, wobei James deren Vorsitzender wurde. Zu seinen Ehren wurde eine Dampflokomotive „Glen Grant“ getauft. Auch über ihn wurden verschiedene Geschichten erzählt, u. a. die, dass er bei einer Geschäftsreise in London von zwei Gaunern überfallen und ausgeraubt wurde. Anstatt die Polizei zu verständigen, nahm er selbst die Verfolgung auf und stellte sie. Die alarmierte Polizei konnte die beiden in Gewahrsam nehmen und James erhielt seine Sachen zurück.
Die Grant-Brüder standen auch für Innovationen. An 1861 wurde Strom zur Produktion und zur Beleuchtung verwendet. Der Whisky-Journalist Alfred Barnard berichtete nach seinem Besuch 1886 auch von der Elektrifizierung der Destillerie: „Diese Art der Beleuchtung trafen wir dort zum ersten Mal in einem Betrieb in Nordschottland an.“.
Nach dem Tod von James Grant, den letzten der Brüder, übernahm 1872 sein gleichnamiger Sohn, James „Major“ Grant (*1847; †1931), die Leitung. Dieser war gerade einmal 25 Jahren alt, zeichnete sich aber durch Innovationsgeist, Geschäftssinn und einen extravaganten Lebensstil aus. Später ließ er in der Nähe zur Destillerie einen herrlichen Landschaftsgarten mit exotischen Pflanzen anlegen, der noch heute zu bewundern ist. An verschiedenen Stellen wurden „Whiskysafes“ eingebaut. So konnte er bei einem Sparziergang seinen Gästen im Garten einen Whisky anbieten.
Auch unternahm er große Safarireisen. 1898 brachte er neben Wildtiertrophäen auch ein etwa 10-jähriges Waisenkind aus dem Stamm der Matabele – namens Biawa Makalaga – mit. Der Major sorgte für ihn und ließ ihn in Rothes zur Schule gehen. Der rothestypische Akzent wurde seine „Muttersprache“. Über ihn werden verschiedene Geschichten erzählt. Jim Murray berichtet davon, dass ein Schotte ihn auf fließend Suaheli ansprach und dieser im breiten Highlandakzent antwortete, er habe kein Wort verstanden. Biawa Makalaga war zeitlebens mit der Familie Grant verbunden. Er starb am 4. Januar 1972 im Alter von 84 oder 85 Jahren, denn noch nicht einmal er selbst wusste, wann er geboren wurde. Bereits 1931 starb James „Major“ Grant, der letzte der direkten Nachfahren der Grants. In seinem Testament bestimmte er, dass jeder Erbe des Glen Grant House, Biawa als Diener unterhalten muss: „solange er gehorsam, respektvoll und nüchtern und bereit ist, zu bleiben.“. Nach seinem Tod übernahm Major Grants Enkel, Douglas MacKessack, die Leistung des Unternehmens. 2001 übernahm Pernod Ricard die Destillerie. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wurde sie am 15. März 2006 für etwa 80 Millionen GBP an Campari verkauft.
Durch den jahrzehntelangen stabilen Betrieb kann Glen Grant heute auf einen umfassenden Lagerbestand zurückgreifen. Auch Gordon & MacPhail konnte sich lange Zeit einen entsprechenden Anteil sichern. So beeindruckt der Abfüller immer wieder mit sehr alten Abfüllungen. Im Januar 2019 stellt Gordon & MacPhail eine 70 Jahre alte Abfüllung aus dem Jahr 1948 vor, den ältesten je abgefüllten Whisky von Glen Grant. Diese Abfüllung hat einen Alkoholgehalt von 48,6 % vol., was nach einer so langen Reifung beachtlich ist. Nur 210 Exemplare gab es davon, zu einem Preis von jeweils 17.500 GBP. Beachtlich ist auch, dass die aktuelle 18-jährige Abfüllung Jim Murray nachhaltig beeindruckte. In seiner Whisky Bible kürte er diese 2017 auf Platz 2 der Kategorie „Bester Whisky der Welt“. 2018 und 2019 schaffte es die Abfüllung jeweils auf den 3. Platz. Ab etwa 90 € (plus) ist diese im Handel bzw. Onlinehandel erhältlich. Ein erstklassiger, reinrassiger Speysider!
L. E.

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