Gesichter der Stadt (39)

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Thomas Müller – Journalist,Historiker und Leiter der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei

Seit über 500 Jahren ist Nordhausen ohne Doppelkorn undenkbar. Jeder Einheimische kennt ihn von Kindesbeinen an, die Älteren unter uns sogar aus DDR-Zeiten. Damals wurde der Doppelkorn in geselliger Runde meist von Eltern oder Großeltern in teils bedenklichem Ausmaß und atemberaubender Geschwindigkeit genossen. Für uns Jüngere war der Korn nur durch Vita-Cola gut verdünnt genießbar. In dieser Zeit diente der Doppelkorn oft auch als Türöffner und Zahlungsmittel bei „besonderen Gelegenheiten“.
All das ist längst vorbei. Anfang der 90er Jahren wagte die Nordbrand Nordhausen GmbH den erfolgreichen Schritt den Doppelkorn als zeitgemäßes Genussmittel am Markt zu platzieren. Die Fernsehwerbung mit dem pickenden Huhn – namens Henriette – ist jedem noch in guter Erinnerung. Gleichzeitig steht das Unternehmen mit der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei für die Bewahrung der Unternehmensgeschichte.

Redaktion: Warum haben Sie sich gerade für die Nordbrand Nordhausen GmbH entschieden?
Thomas Müller: Neben meiner Frau habe ich in meinem Leben zwei weitere Leidenschaften – Journalismus und Geschichte. Nach meinem Journalistikstudium führte mich der Weg zur Thüringer Allgemeine. Dort lernte ich alle positiven und negativen Aspekte der Branche kennen. Mitte der 2018 Jahre bot sich mir die Leitung der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei an. Für mich war das die Gelegenheit meine journalistischen Erfahrungen in ein Unternehmen einzubringen, welches wie kein anderes für die Bewahrung einer mehr als 500-jährigen Tradition steht.

Redaktion: Welche Aufgaben begleiten Sie tagtäglich?
Thomas Müller: Der Leiter der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei muss sehr flexibel sein. Im Mittelpunkt steht die Organisation von Veranstaltungen, Führungen und Events. Außerdem wird in der Traditionsbrennerei nach wie vor gebrannt. Gerade wurde eine neue Brennblase installiert, welche jeder Besucher vom Shop und Hof aus besichtigen kann. Daneben habe ich die Aufgabe dem Marketing neue Impulse zu verleihen. Ein Ergebnis daraus ist unser „Meisterstück“, ein Doppelkorn mit 25-jähriger Reifung.

Redaktion: Das „Meisterstück“ ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Mal abgesehen vom Preis, wie vermitteln Sie Ihren Kunden, dass sie sich für den Genuss Zeit nehmen sollten?
Thomas Müller: Grundsätzlich sollten unsere Produkte nicht im „Sturztrinken“ genossen werden. Erst der bewusste Genuss lässt alle Facetten erleben. Besonders die Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei steht für Klasse statt für Masse.

Redaktion: Welches Produkt Ihres Unternehmens ist Ihr persönlicher Favorit?
Thomas Müller: Neben der traditionellen Doppelkornherstellung rückten in den letzten Jahren der Gin und die Liköre in den Vordergrund. Neben dem exquisiten „Meisterstück“ sind der klassische „Kümmel“ und der „Orangenlikör“ meine Favoriten.

Redaktion: Planen Sie bzw. Ihr Unternehmen weitere „Meisterstücke“ oder vielleicht ein „Gesellenstück“?
Thomas Müller: Das „Meisterstück“ ist der Auftakt zu einer Reihe von besonders gereiften Destillaten. Fest steht, dass es einen 25-jährigen Doppelkorn in den kommenden Jahren nicht wieder geben wird. Aber lassen Sie sich überraschen, wir haben noch ein paar sensationelle „Gesellenstücke“ inpetto.

Redaktion: Der Nordhäuser Doppelkorn ist in den letzten Jahrzehnten etwas auch dem Fokus der Genießer gerückt. Whisky, Gin und andere Destillate sind auf dem Vormarsch. Welche Zukunft sehen Sie für den Nordhäuser Doppelkorn?
Thomas Müller: Deutscher Korn ist ein schlafender Riese. Auch wenn es sich etwas pathetisch anhört: Ich prophezeie dem Deutschen Korn eine große Zukunft.

Redaktion: Herzlichen Dank für das Gespräch!
L. E.

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