Gesichter der Stadt (35)

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Der Professor Zwanziger von der Rolandgruppe

Ich blinzelte am 24. August ninzenhunnrteinundfuffzich zum erschten Male in das elektrische Licht dieser Welt. Das passierte in Solze. Dunnemols war nämlich Nordhusen noch nich an Solze anjegliedert worden. Hiete heißt’s jo fälschlich Nordhausen-Salza. Eijentlich wäre das jo annerschtrim richtich.

In Solze erlernte ich ah unse wunderschaene unnachahmlich ästetische, klangvolle Schprache.

Da mie in dr DDR mät dr Ehe nich worteten, bäs de Frauen jederziet mät’n Beginn dr Menopause rechne mutten, heiratete ich Ninzenhunnerteinundsiebzich minne ehemalige Verlobte, die jo dabie minne liebe Ehefrau wurde.

Nach Schule und Berufsusbildung wutte ich gliech schtudiere, awwer do hatte so än Verein, die de Muttis alle de sellewen Klamotten aanjetreckt hatten, was dagäjen. Sellewer nannte sich besachter Verein NVA. Die wutten nune gerne, dass ich än bäschen länger do diene, und dochten so an de drei Johre. Das hät mich doch gliech jezeijet, dass die Liete dort äwwer ne sehre mangelhafte Menschenkenntnis verfüchten, denn sonst hätten die sich doch nich freiwillich mät mich belastet.

Se wutten bi dr Musterung natierlich nich zugäwe, dass se sich jeirrt hatten und versuchten immer wädder, diese funktionierende Armee därch minne längere Anwesenheit zu deschtabilisiere. Um die verkrampfte Situation än bäschen uffzelockere, dochte ich so bi mich, dass jetzt än guter Moment fär än kleines Schpäßchen wäre. Also machte ich dn Värschlagk, drei Johre ze diene, awwer nur hallewe Tare.

Ich wills mol värsichtich uusdrücke; so richtich veele Humor hatten die Herrschaften bi dr Musterung nich. Bi dem Wortführer dr Veranschtaltung war an der Schtelle, wo kurz värher noch dr Mund prangete, nur Gaumensegel mät Zäppchen ze sehe. He versicherte mich mät 150 Dezibel, dass me mich bäs sechsundzwanzich inziehe täte und se hielten fast Wort. Und was soll ich sah, unse Töchterchen war än hallewes Johr und ich durfte inrücke. Die Zeit dort war sehr interessant, denn me durfte sich dort als Erwachsener richtich schaene dreckich mache und äs hät kinne Mutti jeschimpt.

Minne Entlassung ussem aktiven Wehrdienst, wurde in dr gesamten NVA usjelooßen jefiert. De Familie wurde um unsen Sohn bereichert und ich schtärtzte ich mich in än Fernschtudium, was finnef Johre duerte und am Enge war ich Inschenschör fär Automatisierungstechnik.

Ninzenhunnertdreiundachtzich las ich in dr Zietung, im Vollek, dass Herbert Wackes us jesundheitlichen Gründen, sinne Rolle als Professor Zwanziger in dr Rolandgruppe obgäwe muss. Da ich mät mich sellewer das vertauliche „DU“ fläje, dochte ich so bi mch, das äs doch was fär dich.

Ich meldete mich dododruffhän bi dr Kulturabteilung bim Rat der Schtadt. Do fand dann ah das erschte Treffen mät dr Rolandgruppe schtatt. Ich bän do hänreteriert und do traf ich dann uff Irmgard Nicolai (Text), Marion Nicolai später Probst (Brockenhexe), Peter Schwarz (Roland) und Jochen Napiralla (Olle Ebersberg). Nachdem mie uns beschnuppert hatten, schtellte Jochen Napiralla fest, dass ich bescheuert jenunk bän, um in den Verein ze passe.

Siet der Ziet bän ich nune dabie und hah mät der Meute ah in ungerschiedlichen Besetzungen schunt veele Schpass jehatt. Das ging awwer ah nur, weil min Frauchen das alles mätjemacht hät. Und glauwet mich, das wor nich immer infach fär es.

Ninzehnhunnerteinundninzich gings mät dr IFA bergab und ich schtärzte mich in Selbstständichkiet, denn räwwermache wutte ich nich. Do hatte ich dann fär Firmen im ganzen Lanne arweite därfe. Zweitousendundsäbben klappte es dann bi Eaton in Nordhusen mät dr Festanschtellung und ha do bäs zur Rente 2017 jearweitet. Und scheene wars ah noch.

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