Gedenken zum Volkstrauertag auf dem Hauptfriedhof

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Nordhausen (psv) Anlässlich des Volkstrauertages gedachten Bürgermeisterin Jutta Krauth sowie weitere Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft am Sonntag den Opfern der Kriege und Gewaltherrschaft auf dem Hauptfriedhof mit einer Kranzniederlegung.

Hier die Rede der Bürgermeisterin im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Volkstrauertag geht zurück auf einen Vorschlag des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, um an die unzähligen Opfer des Ersten Weltkrieges zu erinnern.

Anfang der 1920er Jahre sollte der Gedenktag der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die Erinnerung an den Schrecken und all das Leid des 1. Weltkrieges eine Mahnung sei, die den Frieden sichern könne.

Der Volkstrauertag sollte sich damit abheben, vom Heldengedenken des Kaiserreichs, bei dem eher viel Pomp, Revanchegedanken und Revisionsgelüsten im Mittelpunkt standen.

Seit der Widerbelebung des Volkstrauertags zu Beginn der 1950er Jahre herrschen Trauer und Friedensliebe vor.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, mir fallen dazu die Worte Kurt Tucholskys ein: „Jeder Krieg ist eine Niederlage. Denn Krieg vernichtet Leben.“

Wir gedenken heute den Opfern dem Ersten Weltkrieges und des Zweiten Weltkrieges, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Wir erinnern an die ungeheuren Zerstörungskraft industriell geführter Kriege.

Wir erinnern an die Blindheit, mit dem Hass und der Gewalt, die aus nationaler Hybris und ideologischer Verblendung erwuchsen.

Als Nordhäuserinnen und Nordhäuser erinnern wir auch an Massenmorde, den millionenfachen Tod von Kriegsgefangenen durch unmenschliche Behandlung, Hunger und Seuchen.

Wir erinnern an die Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen aus ihrer Heimat und an neue Grenzziehungen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, gemeinsam mit einer hochrangigen Nordhäuser Delegation nahm ich am letzten Wochenende an den Feierlichkeiten zum 100 Jahrestags der Unabhängigkeit Polens in unserer Partnerstadt Ostrów Wielkopolski teil.

Am 11. November 1918 hat Polen die Unabhängigkeit – auch wenn nur für 20 Jahre – nach 123-jähriger Fremdherrschaft zurückgewonnen.

Der Tag ist damit Bezugspunkt für Generationen von Polen: Das Ende der Teilungszeit mit all ihren Demütigungen und gescheiterten Aufständen, die Wiedergeburt eines eigenen Staates, eines Nationalstaates

Wir Deutsche wissen, Polen hat in seiner Geschichte und unter seinen Nachbarn – insbesondere vonseiten uns Deutscher – furchtbar gelitten.

Der Bürgermeister unserer französischen Partnerstadt Charleville-Mézieres hat den französischen Staatspräsidenten empfangen, weil in der Nähe liegenden Stadt Sédan der letzte französische Soldat des 1. Weltkrieges ums Leben kam.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben in den letzten Tagen viele Bilder zum Erinnern an das Ende des 1. Weltkrieges gesehen.

Wir haben ergreifende Reden gehört.

Ein Zitat Albert-Schweitzers über Soldatenfriedhöfe hat sich bei mir tief eingeprägt: Soldatenfriedhöfe sind die großen Prediger des Friedens“.

Mehr Worte bedarf es nicht!

Im Gedenken an die Toten und Opfer von Krieg und Gewalt legen wir diesen Kranz nieder.

In diesem Sinne gedenken wir mit einer Schweigeminute den Opfern der Zerstörung.“

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