Gedanken eines Journalisten

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Als mich Donner aus dem Mittagsschlaf riss, dachte ich einen Moment, sind denn die Russen schon da . . .

Als im Juni 1953 der Arbeiteraufstand in Ost-Berlin und der DDR ausbrach und erschütternde Reportagen im Rundfunk übertragen wurden, konnten wir im Westen nur die Fäuste ballen . . .

Als die verzweifelte Stimme von Radio Budapest gegen Mitternacht abbrach, weil Sowjet-Panzer den ungarischen Volksaufstand 1956 zermalmten, konnte ich meine Tränen nicht verbergen . . .

Als der „Prager Frühling“ 1968 mit brutaler Gewalt der Roten Armee unterdrückt wurde, litt ich mit dem ganzen Volk, weil ich einige Zeit zuvor Prag besucht und schätzen gelernt hatte . . .

Als Sowjet-Streitkräfte 1964 Afghanistan überfielen, blieb es beim Olympia-Boykott. Die Kriegszüge des kleinen Gernegroß einer maroden Regionalmacht (Georgien, Tschetschenien u.a.) wurden ebenfalls hingenommen . . .

Stalin wollte Hitler im Käfig über den Roten Platz schleifen. Hoffentlich wird das russische Volk eines nicht zu fernen Tages dasselbe mit dem Größenwahnsinnigen im Kreml vollziehen !

PS.

Wer „Die Schlafwandler“ des australischen Historikers Christoper Clarke über den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Chronologie eines britischen Autors Tim Bouverie über das gescheiterte Appeasement („Mit Hitler reden“) gelesen hat, braucht sich über die jüngste Entwicklung nicht zu wundern.

Jeder Satz Putins enthält zwei Lügen. Kreml-Verstehern seien nur zwei eklatante Falschmeldungen vorgehalten:
Die USA haben den Irak-Krieg nicht vom Zaune gebrochen, sondern vorher hatte Sadam Hussein das Nachbarland Kuweit überfallen.
Luftabwehr-Systeme der Nato sind in Polen und Rumänien installiert worden, weil auf dem Höhepunkt der Iran-Krise die „Gotteskrieger“ mit Raketen gegen Westeuropa drohten.

Manfred Neuber

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