Freie Fahrt für Telemedizin

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Jetzt auch Fachärzte an AOK-Projekt beteiligt

Gute Nachricht für viele Patienten: Niedergelassene Ärzte dürfen Erkrankte vorerst unbegrenzt per Videosprechstunde behandeln. Das haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband beschlossen, um persönliche Arzt-Patienten-Kontakte während der Coronazeit möglichst auf Notfälle zu beschränken. Bisher wurde die Anzahl der Behandlungsfälle und der Umfang der Leistungen auf jeweils 20 Prozent beschränkt. Diese Limitierung ist zunächst bis zum 30. Juni 2020 aufgehoben.

Versicherte nehmen die Videosprechstunden verstärkt in Anspruch. Im 1. Quartal 2020 stieg die Zahl der Vertragsärzte in Thüringen, die eine Behandlung per Videosprechstunde abgerechnet haben, auf rund 250, die der behandelten Patienten auf fast 3.000.

„Durch die Coronakrise werden diese Zahlen weiter wachsen“, ist Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, überzeugt. „Eine solche Ausnahmesituation bietet auch die Chance, darüber nachzudenken, ob Videosprechstunden künftig unbegrenzt angeboten werden können. Das wäre ein unerwartet schneller Schub für ein modernes Behandlungsangebot.“

AOK-Projekt jetzt auch für Fachärzte offen
Die AOK PLUS setzt schon seit Jahren auf Videosprechstunden. So initiierte sie in Thüringen als erste Krankenkasse gemeinsam mit der KV Thüringen 2018 das Projekt TeleDoc PLUS. Insbesondere nicht mobile oder chronisch kranke Patienten werden zu Hause von einer Nicht-ärztlichen Praxisassistentin (NäPa) aufgesucht. Diese sind speziell geschult und mit Tablet und weiteren digitalen Medizinprodukten für die Videosprechstunde ausgerüstet. Sie helfen damit, die Versorgung von chronischen Patienten, gerade im ländlichen Raum, zu verbessern. Ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt ist dadurch unnötig. Der Arzt wird entlastet und der Patient kann sich den mitunter mühsamen Weg in die Praxis sparen.

Insgesamt 39 Hausärzte bieten diese spezielle Behandlungsform aktuell an. Seit April können sich auch Fachärzte, die eine NäPa angestellt haben, an dem Projekt beteiligen. Derzeit sind das 23 Fachärzte, die meisten davon Urologen. Aber auch Hautärzte, Neurologen und weitere Fachgruppen nutzen diese Möglichkeit.

Einfache Handhabung
Videosprechstunden haben viele Vorteile. Derzeit steht natürlich die Verringerung des Ansteckungsrisikos ganz oben. Aber auch bei langen Anfahrtswegen, nach Operationen oder für nicht mobile Patienten sind sie eine gute Lösung. Die Ärzte können mit den Patienten die weitere Behandlung oder die Einnahme von Medikamenten besprechen, aber auch den Heilungsprozess von Wunden begutachten.

Möchte der Patient eine Videosprechstunde nutzen, ruft er in der Praxis an und bittet um einen Videotermin bei seinem behandelnden Arzt. War er noch nie in der Praxis, hält er seine elektronische Gesundheitskarte in die Kamera, damit das Praxispersonal die Identität prüfen und die notwendigen Daten erheben kann.

Der Patient erhält für seinen Videotermin einen Zugangscode per SMS oder Email und klickt dann nur noch auf den Link. Ihm entstehen keine gesonderten Kosten, denn die Videosprechstunde erfolgt über die Weboberfläche. Er benötigt nur ein videofähiges Endgerät mit einer Kamera (Laptop, Tablet, PC, Smartphone) sowie eine Internetverbindung. Für eine gute Sprachqualität ist zudem ein Headset empfehlenswert.

Datensicherheit gewährleistet
Die vermehrte Nutzung digitaler Behandlungsangebote und Kommunikationskanäle erfordert natürlich eine sichere Übertragung der medizinischen Daten. Diese ist über das KVSafeNet bzw. die Telematik-Infrastruktur möglich. Hier können die Ärzte untereinander behandlungsrelevante Unterlagen austauschen. Neu ist, dass die Ärzte jetzt auch auf Therapieberichte von Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten zugreifen können.

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