Ferrari F8 Tributo – High-Performance in Vollendung

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Ein Auto zu beschreiben bedeutet, sich von Vorurteilen freizumachen und sich diesem hinzugeben. Das ist wie zu Beginn einer Beziehung. Nur wer dies wagt, wird vielleicht der Faszination des anderen erliegen.

Gut, ein Ferrari F8 ist keine lebende Person, aber dennoch ein perfektes Beispiel dafür. Nüchtern betrachtet, ein Mittelmotor-Zweisitzer (für den es übriges keine Winterräder gibt), völlig übermotorisiert und für irgendwelche Transportzwecke weitgehend nutzlos. Betrachtet man den F8 aber als skulpturales Kunstwerk auf vier Rädern – mit dem man im übrigens einen Heidenspaß haben kann – kommt man der Faszination schon sehr nahe.

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Dies zu vermitteln, veranstaltete am vergangenen Samstag das Autohaus Thomas Sportwagen GmbH (bzw. die Thomas Exclusive Cars GmbH) aus Radebeul – seines Zeichen Ferrari-Vertragshändler in Sachsen – auf Schloss Proschwitz ein Event der Sonderklasse. Nur wenige Gäste hatte das Glück daran teilzunehmen. Der Höhepunkt, natürlich eine Ausfahrt in einem Ferrari. Zur Auswahl standen ein Roma, F8 Spyder und ein F8 Tributo. Wer – wie ich – ein Kind der 80er Jahre ist, muss beim Anblick eines Ferrari unweigerlich an die US-amerikanische Fernsehserie Magnum denken. Darin durfte sich der Privatdetektiv Thomas Magnum regelmäßig einen roten Ferrari 308 GTS – also die offene Version – von seinem Auftraggeber ausborgen. Für die Pedanten unter meinen Lesern: bis zur Episode 3.1 hatte er einen 308 GTS, danach ein GTSi (die Einspritzversion) und ab Episode 4.15 ein GTSi QV (die Version mit Vierventilzylinderkopf).
Als das Angebot bekam einen Ferrari zu fahren, entschied ich mich spontan für den Tributo – den geschlossene F8. Für mich die Urform eines Mittelmotorsportwagens im aktuellen Ferrari-Dress – leicht, schnell und unglaublich gutaussehend. (In Zeiten von MeToo lasse ich selbstverständlich irgendwelche sexuell-erotischen Anspielungen weg … mein Chefredakteur würde dies eh rausstreichen.)
Aber zurück zum Event. Am Nachmittag standen etwa zehn F8 auf dem Schlosshof. Mein Starttermin: 17.00 Uhr. Dies gibt mir die Gelegenheit, die perfekten Proportionen der Sportwagen mit den Augen zu erleben. Dabei schießt mir der Gedanke in den Kopf: „Autos mit solchen Formen können nur aus Italien kommen!“. Im selben Augenblick startet neben mir ein Fahrer einen Spyder. Der Achtzylinder brüllt auf, ähnlich eines unsanft geweckten Löwen. Meine Vorfreude schießt in den roten Bereich!

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Endlich 17.30 Uhr. Nach einem kurzen Briefing begleitet mich eine Instruktorin zu meinem Cockpit. Ich nehme auf dem Fahrersitz Platz und kann es eigentlich immer noch nicht fassen: „Ich darf endlich Ferrari fahren!“. Bei der Einweisung heißt es Konzentration. Die Bedienung ist ungewohnt. Einen Gang- oder Blinkerhebel gibt es nicht. Startknopf am Lenkrad. Aber alles ist vergeben und vergessen, wenn der Moment kommt, auf den ich so sehnsüchtig gewartet hatte. Das Starten des Motors. Im Kopf höre ich den Spruch eines Rennleiters früherer Tage: „Gentlemen, start your engines!“.
Startknopf drücken, der Motor hinter mir brüllt los. Unnachahmlich! Beim Starten meines BMW 540d sehe ich eigentlich nur an der Stellung des Drehzahlmessers, dass der Motor läuft. Der Klang und der Lastwechsel des 3,9-Liter-V8 übertragen sich in meinen Körper. Zum Gangeinlegen, Bremse kräftig (!) drücken am Lenkrad und das rechte Paddel ziehen. Im nächsten Moment rolle ich Richtung Landstraße. Endlich Asphalt unter den Rädern. Ein etwas kräftigerer Druck aufs Gas lässt die Wucht der 720 PS erahnen. Der Motor – nein – das Triebwerk, hängt derart am Gas, als ob es meine Gedanken erahnen kann. Dabei brüllt es und ich denke: „Sebastian, warum nur gehst du von Ferrari weg?“.
Ein automobiler Traum auf vier Räder. Nur entspannend ist ein Ferrari niemals. An einen unachtsamen Moment darf man nicht denken, das Zerstörungspotential ist enorm. Der F8 fordert mich in jeder Hinsicht. Das merke ich eigentlich erst, als ich nach der Ausfahrt aus dem Wagen steige. Einen kurzen Moment denke ich, Sportwagen hat wirklich etwas mit Sport zu tun.
Was bleibt ist eine Ausfahrt mit einem fast perfekten Auto. Warum fast? Na ja, da ist noch der Preis: mindestens 222.896 € (selbstverständlich zuzüglich Überführungskosten). Meiner geliebten Frau habe ich gleich nach der Fahrt einen entsprechenden Habenwunsch unterbreitet. Ihr Kommentar: „Vergiss es!“. … Ich denke, dass kann man als Zustimmung gelten lassen.
L. E.

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