Fehlzeiten in der Pandemie

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Beschäftigte in Sachsen und Thüringen fielen länger wegen psychischer Erkrankungen aus

Jahrelang stieg die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in Sachsen und Thüringen. 2020 wurde nun erstmals wieder ein Rückgang verzeichnet. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Dauer der Erkrankungen.

Die aktuellen Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) verzeichnen vom 1. Januar 2020 bis zum 31. August 2020 im Durchschnitt 11,1 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 AOK-Mitglieder wegen psychischer Erkrankungen. In Sachsen waren es 12,2 und in Thüringen 12,8 Fälle je 100 AOK-Mitglieder. Damit ging die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück (Sachsen 12,8; Thüringen 13,5).

Parallel zur Abnahme der Fallzahlen erhöhte sich aber die Länge der Krankschreibungen. So stieg beispielsweise die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als drei Tage. Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen fort. „Möglicherweise haben Patienten mit psychischen Erkrankungen verstärkt auf die coronabedingten Belastungen reagiert“, sagt Hannelore Strobel, Pressesprecherin der AOK PLUS.

Starke Unterschiede zu Vorjahren
Die AU-Statistik des Jahres 2020 unterscheidet sich stark von den Vorjahren. Zu Pandemiebeginn im März und April stiegen die Zahlen zunächst stark an. Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung bei Atemwegserkrankungen dürfte hier auch eine Rolle gespielt haben, obwohl Daten belegen, dass sowohl Beschäftigte als auch Ärzte sehr verantwortungsvoll mit dieser temporären Regelung umgegangen sind.

Von Mai bis August lagen die Krankenstände dagegen unter denen der jeweiligen Vorjahresmonate. „Vielleicht sind viele Erkrankte aus Angst vor Ansteckungen nicht zum Arzt gegangen“, vermutet Strobel. „Außerdem haben die eingeschränkten Sozialkontakte sicher ebenso dazu beigetragen. Mehr Arbeiten im Homeoffice und damit auch weniger Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs beispielsweise.“

Krankschreibungen wegen Corona
Die Auswertung der Krankschreibungen zeigt, dass bis Ende August 2020 bundesweit mehr als 58.000 AOK-Mitglieder wegen einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben waren. Das waren 451 Erkrankte je 100.000 Beschäftigte. In Sachsen erkrankten insgesamt 2.834 AOK-PLUS-Mitglieder an Covid-19 (264 pro 100.000 Beschäftigte), in Thüringen 1.760 (359 pro 100.000 Beschäftigte).

Am stärksten von Covid-19-Infektionen waren Beschäftigte in Gesundheitsberufen betroffen – sowohl bundesweit als auch in Sachsen und Thüringen.

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