Eine kleine Reise in die Vergangenheit mit einer Aussicht auf eine Zukunft.

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30 Jahre ist es nun her, dass ich die Region Bitterfeld/Wolfen verlassen habe. Mein Lebensmittelpunkt liegt jetzt in Sondershausen. Nur noch gelegentlich zu Besuchen der Familie oder Freunden fuhr ich nach Sandersdorf, dem Ort in dem ich aufgewachsen bin. Jetzt stehe ich hier in Bitterfeld und ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung: Noch einmal in den Kulturpalast Bitterfeld zu gehen und durch die Räume zu streifen. Warum, nun hier habe ich in meiner Jugend Theatervorstellungen und Konzerte erlebt. Meine Jugendweihe fand in diesem Gebäude statt. Ab 1982 war ich dort im Zirkel „Schreibender Arbeiter“. Der Bitterfelder Weg mit seinem Ausspruch „Kumpel greif zur Feder“ mag manch Älteren noch bekannt sein. Die meisten werden aber nicht wissen worum es hier ging. Der Kulturpalast Bitterfeld wurde von 1952-1954 erbaut. Er ist eins von 3 Gebäuden (Kulturpalast Schkopau und das Kulturhaus in Zinnowitz gehören auch dazu) die in der „neoklassizistischen Monumentalarchitektur aus der DDR-Zeit“ erbaut wurden. Die beiden anderen Häuser sind leider schon so verfallen, dass eine Nutzung nicht mehr möglich ist. Eröffnet wurde das Haus am 13. Oktober 1954 und erhielt dabei den Namen Wilhelm Pieck. Hier traten Künstler wie Udo Jürgens auf, das Fernsehen der DDR zeichnete Unterhaltungsshows auf und Theaterstücke wurden aufgeführt. Bekannt wurde der KUPA, wie das Gebäude auch liebevoll in der Bevölkerung genannt wurde, durch die Bitterfelder Konferenzen 1959 und 1964. Hier proklamierte Walter Ulbricht den Bitterfelder Weg.

Lange war unklar, was mit dem Gebäude passieren soll. Für Veranstaltungen war es einfach zu groß und ein richtiges Konzept gab es lange nicht. Nach Jahren der Nichtnutzung und eindringendem Grundwasser in die Kellerräume stand schon der Abriss bevor. Das wollten aber einige Menschen nicht akzeptieren und hier stehe ich jetzt mit Matthias Goßler. Er will dem Haus neues Leben einhauchen. Wenn man eintritt hat man das Gefühl, erst gestern wurde hier noch Kultur gemacht. Es liegt zwar etwas Staub, aber die Einrichtung ist noch gut erhalten. Auch dank einer funktionstüchtigen Alarmanlage und regelmäßiger Bestreifung durch einen Wachschutz. Matthias Goßler ist Inhaber der „Splitter“ Manufaktur für Veranstaltungen. Dies alles erfuhr ich durch etwas Glück und fragte nun bei Ihm an, ob ich denn noch einmal durch das Haus laufen, Bilder machen und mit Ihm reden könnte, da in der nächsten Zeit einige Umbauarbeiten anstehen. Meine erste Frage an Ihn: „Wie kommt man dazu, in solchen Zeiten so ein Objekt zu übernehmen?“ Hier wurde es dann richtig interessant. Das ganze Projekt kam natürlich nicht in den letzten Monaten ins Rollen. Seit ungefähr 3 Jahren wird an einem tragfähigen Konzept gearbeitet. Die „Splitter“ Manufaktur für Veranstaltungen, bietet Industrieevents und Messebau an und möchte hier Ihren Firmensitz einrichten. Man arbeitet Deutschlandweit und es besteht eine immer größere Nachfrage, gerade auch nach Räumen in dieser Größenordnung. Diese sind gerade in Bitterfeld/Wolfen gar nicht mehr vorhanden, aber gerade von der ansässigen Industrie heiß begehrt. Für Veranstaltungen müsse man nach Leipzig oder sogar bis Berlin ausweichen. Warum also nicht hier? Konzerte und ähnliches sind nicht geplant, es soll keine Konkurrenz zum Kulturhaus in Wolfen entstehen. Die letzten Jahre, als der Kulturpalast noch in Betrieb war, haben gezeigt, dass sich dies nicht rechnet. Das Haus soll auch so weit wie möglich seinen alten Charme behalten. Lediglich im großen Zuschauerraum sollen die Sitze ausgebaut werden und eine ebene Fläche entstehen. Außerdem müssen die Kellerräume zum großen Teil mit Beton verfüllt werden bis auf ein paar Technikräume, die dann gegen das Grundwasser geschützt sind. Ein Teil der Einrichtung wird für eine Ausstellung aufgearbeitet. Matthias Goßler hofft auch, die 10 m im Durchmesser große Drehbühne erhalten zu können. Das Konzept hat mich persönlich echt überzeugt und ich würde mich freuen, nach dem Umbau hier noch einmal die Räume zu besichtigen zu können.

Übrigens ist für den 29.05.2021 noch einmal ein Tag der offenen Tür geplant. Hier sollen Interessierte noch einmal die Möglichkeit haben die Räumlichkeiten zu besichtigen. Natürlich im Rahmen eine Führung. Ob es das neue Infektionsschutzgesetz an diesem Tag auch zulässt bleibt zu hoffen.

Um mehr über die Splitter Manufaktur zu erfahren folgt man einfach diesem Link.

http://splitter-promotion.de/

 

 
Text und Foto:Holger Schurack

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