Ein Ausflug zur „Wipperliese“

0

„Wipperliese“ ist die volkstümliche Bezeichnung für eine Eisenbahnstrecke, welche durch das untere Wippertal im südöstlichen Unterharz führt. Das rund 20 Kilometer lange Normalspur-Gleis verbindet Klostermansfeld im östlichen Harzvorland mit dem Kurort Wippra. Die Wipperliese durchquert zwischen diesen Orten eine malerische und noch größtenteils unberührte Landschaft. Dabei fährt die Bahn u.a. über ein rund 250 Meter langes Viadukt im Mansfelder Ortsteil Leimbach, durch einen 287 Meter langen und gekrümmten Tunnel unterhalb der Rammelburg sowie über diverse weitere Brücken.

Die Wipperliese wurde in den Jahren von 1913 bis 1920 erbaut. Erste konkrete Pläne für die Bahnlinie drangen um das Jahr 1903 an die Öffentlichkeit. Die Initiative zum Bau der Eisenbahn durch das Wippertal ging seinerzeit von der Mansfeldschen kupferschieferbauenden Gewerkschaft (der späteren Mansfeld AG) aus. Ausgangs- und Endpunkte der Bahnstrecke sollten die Städte Eisleben und Stolberg sein. Aus verschiedenen Gründen kamen die Abschnitte Eisleben-Klostermansfeld und Wippra-Stolberg nie über die Planungsphase hinaus.

Im Vorfeld der Bauarbeiten galt es, zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Nicht alle Anlieger und Eigentümer der benötigten Grundstücke zeigten sich dem Bahnbau gegenüber aufgeschlossen. Es wurden teilweise hohe Entschädigungen und Sonderrechte verlangt. Ein offensichtlich sehr einflußreicher Adliger verlangte außerdem den Bau eines Tunnels, damit er beim Blick von seinem Schloß die Bahn nicht zu sehen bekam. Bedenkenträger äußerten darüber hinaus ihre diversen Befürchtungen, welche Auswirkungen die zwangsläufigen Eingriffe in die Natur haben könnten. Aus diesen höchst aktuell wirkenden Gründen verzögerte sich der Baubeginn mehrfach und die Kosten stiegen in die Höhe.

Der erste Spatenstich an der Bahntrasse erfolgte im Juli des Jahres 1913. Verzögerungen beim Bahnbau entstanden nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Kriegsbedingt waren bestimmte Materialien nicht mehr ausreichend verfügbar. Dafür kamen zeitweilig Kriegsgefangene beim Bau der Wipperbahn zum Einsatz. Bis 1916 wurden u.a. das Hasselbachviadukt in Leimbach und der Rammelburgtunnel fertiggestellt. Danach ruhten die Arbeiten bis zum Jahre 1919.

Im Jahre 1911 veranschlagte man einen Betrag von 3.600.000 Mark für die Errichtung der Bahnstrecke durch das Wippertal. Bereits in der Vorkriegszeit war absehbar, daß diese Summe bei weitem nicht ausreichen würde. Die beginnende Inflationszeit verteuerte den nach Kriegsende wieder aufgenommenen Bahnbau erheblich. Dennoch konnte die „Wipperliese“ am 1. November 1920 offiziell eröffnet werden.

Von Beginn an lebte die Bahnstrecke wirtschaftlich hauptsächlich vom Güterverkehr und vom Tourismus. Sie stellt seither einen wichtigen Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur der von ihr berührten Harzorte dar.

Nach dem Ende der DDR sanken die Passagierzahlen der Wipperliese zunächst beträchtlich. Doch ab Mitte der 1990er Jahre gelang es der neuen Betreibergesellschaft sehr gut, die Bahn an die veränderten Bedingungen anzupassen und deren Attraktivität zu steigern.

Heute fahren auf der Eisenbahnstrecke moderne Triebwagen regelmäßig nach Fahrplan. Zu besonderen Anlässen kamen in der jüngeren Vergangenheit auch historische Züge mit Dampflok zum Einsatz. Auf Grund der sehr kurvenreichen Strecke beträgt die Geschwindigkeit der Wipperliese lediglich 60 km/h. Dadurch haben die Fahrgäste die Möglichkeit, die eindrucksvolle Gebirgslandschaft in Ruhe zu genießen.

weiterlesen…

(Quelle:Harzlife.de)

Teilen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*