Die Zahl der Erkrankten steigt

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Patientenakademie thematisiert die rheumatische Erkrankung Gicht

Stechende Schmerzen in den Gelenken, Schwellungen und Fieber. Ein Gichtanfall versetzt Betroffene oft in Angst. Doch was verbirgt sich hinter diesem Krankheitsbild? Welche Ursachen stecken hinter der Erkrankung und wie wird sie behandelt? Dipl.-Med. Anke Graß, Oberärztin für Orthopädie, Rheumatologie und Osteologin, spricht am Dienstag, den 6. November um 18 Uhr, in der HELIOS Klinik Bleicherode über die Gicht. Vorab erklärt sie im Interview, was man unter dem Krankheitsbild versteht.

Frau Graß, was genau versteckt sich hinter dem Krankheitsbild „Gicht“?

Gicht ist die wichtigste Stoffwechselerkrankung, die mit rheumatischen Beschwerden einhergeht. Auslöser der Gicht ist eine Erhöhung des Harnsäurespiegels. Die Harnsäure entsteht im menschlichen Körper als Endprodukt des Abbaus von Purinen, welche entweder im normalen Zellstoffwechsel anfallen oder mit der Nahrung aufgenommen werden.

Welche Menschen sind am ehesten gefährdet, an Gicht zu erkranken?

Die Hyperurikämie, also der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut, kommt in der Bevölkerung bei Männern bis zu 30%, bei Frauen bis zu 3 % vor. Die tatsächliche Gichterkrankung ist etwas geringer. An Gicht zu erkranken, ist stark altersabhängig, mit zunehmendem Alter steigt die Erkrankungshäufigkeit. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird die Erkrankung immer häufiger.

Welche Symptome machen auf Gicht aufmerksam?

Bei Gichtsymptomen muss zwischen dem akuten Gichtanfall und der chronischen Gicht unterschieden werden. Der akute Gichtanfall, bei dem sehr häufig das Großzehengrundgelenk, aber auch das obere Sprunggelenk oder das Kniegelenk befallen werden können, geht mit starken Schmerzen, Rötung und Schwellung des betroffenen Gelenkes sowie eventuell Fieber einher und setzt innerhalb weniger Stunden ein. Der akute Anfall geht zwar auch ohne Behandlung in der Regel wieder vorbei, allerdings kann dies bis zu zwei Wochen dauern. Treten wiederholt Gichtanfälle auf, können bleibende Gelenkschäden die Folge sein. Außerdem ist es sinnvoll bei einer akuten Gelenkentzündung andere Ursachen auszuschließen, wie z.B. eine eitrige Gelenkentzündung. Von daher ist es bei den entsprechenden Symptomen sinnvoll, seinen Arzt kurzfristig aufzusuchen.

Darüber hinaus können auch andere Organe betroffen sein, z.B. die Niere. Ist dies der Fall, kann es zur Entstehung von Nierensteinen durch die Harnsäureablagerung kommen. Auch diese Steine können massive Beschwerden verursachen!

Wie wird die Diagnose für eine Gichterkrankung gesichert?

Neben den typischen Symptomen mit dem klassischen Erscheinungsbild im Bereich der Gelenke, gehört die Bestimmung des Harnsäurespiegels unbedingt zur Diagnostik dazu. Allerdings ist bei einem akuten Gichtanfall bei ca. 1/3 der Betroffenen der Harnsäurespiegel im Blut normal. Der Harnsäurespiegel im Blut muss daher mehrfach im symptomfreien Intervall kontrolliert werden. Wenn nie eine Erhöhung des Harnsäurespiegels vorliegt, kann man eine Gicht ausschließen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Gichtpatienten. Ist die Erkrankung heilbar?

Es gibt verschiedene Medikamente die eingesetzt werden. Im akuten Gichtanfall helfen z.B. schmerz- und entzündungshemmende Medikamente oder colchicinhaltige Präparate, die der behandelnde Arzt verschreibt. Zudem ist der Einsatz von Kortisonpräparaten möglich. Welches Medikament in welcher Dosis zum Einsatz kommt, richtet sich unter anderem danach, ob die Nierenfunktion in Ordnung ist. Langfristig werden Medikamente eingesetzt, die den Harnsäurespiegel senken, also entweder die Entstehung der Harnsäure verhindern oder die Ausscheidung über die Niere verbessern.

In erster Linie gehört jedoch dazu, seinen Lebensstil anzupassen – viel trinken, aber keinen Alkohol, purinarme Kost, also Fleisch, insbesondere Innereien und Schalentiere in der Nahrung zu reduzieren. Auf Softdrinks sollte ebenfalls verzichtet werden, weil die darin enthaltene Fruktose ungünstig ist.

Heilbar ist die Erkrankung nicht, da der häufigste Auslöser des erhöhten Harnsäurespiegels eine erbliche Stoffwechselstörung ist. Bei 99% der Patienten ist die Ausscheidungsfunktion der Nieren für Harnsäure eingeschränkt. Dies setzt daher eine disziplinierte Einhaltung der Therapie voraus.

Die Patientenakademie in der HELIOS Klinik Bleicherode beginnt um 18 Uhr im Hörsaal. Der Eintritt ist frei.

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