Die historischen Personenwagen der IG-HSB

0

Da der kürzlich vorgestellte Salonwagen eher eine prunkvolle Ausnahme im Fahrzeugpark jeder Privatbahn ist, muss es natürlich auch Wagen für die „normalen“ Beförderungsfälle geben.
In unserem Falle stehen dafür die Wagen 900- 485 und 900-461 zur Verfügung.
Sie wurden in die Nummerierung des HSB-Traditionszuges als Wagen 9 und 10 eingereiht.

1926 wurde von der Nordhausen Wernigeroder Eisenbahn (NWE) im Rahmen eines Modernisierungsprogrammes für Reisezugwagen u.a. eine kleine Serie Personenwagen 2. und 3.Klasse beschafft. Die Fahrzeuge besaßen eine Länge von 12,73 m und hatten 44 Sitzplätze. Wie üblich, besaßen und besitzen sie einen Mittelgang und je Stirnseite zwei Plattformen sowie in Wagenmitte eine Toilette.

Sie wurden bei Wagonfabrik Gotha gebaut.
Wagen Nummer 3 erhielt bei der DR die Nummer 900-485. 1984bis 1985 wurden die Wagen dieser Serie in einen der damals und auch jetzt noch üblichen Großraumwagen in der Werkabteilung Perleberg „um“ rekonstruiert.
Infolge seines schlechten technischen Zustandes und den recht kleinen Sitzplatzangebots wurde er 1999 an die IG-HSB abgegeben .
Die IG-HSB konnte den Wagen übernehmen und ließ ihn in Blankenburg beim Verein Brücke wieder in Stand und in einem dem Original ähnlichen Zustand umbauen.
Die restlichen Wagen dieser Serie sind rekonstruiert auch heute noch im Einsatz.

Schon 1900, ein Jahr nach Betriebsaufnahme auf den NWE-Strecken, wurden bei der Hannoverschen Waggonfabrik(HAWA) Personenwagen nachbestellt, um der schnell steigenden Nachfrage Herr zu werden.
Die 10 Wagen umfassende Serie (NWE-Nummern 71und 72 sowie 81 bis 88) erhielt die 2. und 3.Klasse, die letzteren Wagen erhielten ein Oberlichtaufsatz auf dem Dach. Alle Fahrzeuge erhielten sogenannte Weyer-Drehgestelle. Die Länge über Puffer beträgt 12,2 m, das 2.Klasse-Abteil erhielt je 16 Sitzplätze, die 3.Klasse-Abteile 2×16 Sitzplätze .

Wie alle anderen Wagen auch waren sie mit Dampfheizung sowie der Saugluftbremse Bauart Körting, später Hardy ausgerüstet.

Unser Wagen NWE 88 wurde 1909 in eigener Werkstatt in den Salonwagen 100 umgebaut, nach 1945 etwa bestand kein Bedarf mehr an einem Salonwagen, er wurde 1948 in einen 3.Klasse-Wagen umgebaut und trug die DR-Nummer 900 461

Er gelangte dann zu den Harzer Kalk-und Zementwerken und diente als Unterstand eines Schießplatzes der damaligen Kampfgruppen des Betriebes.
Etwa 1999 wurden die Überreste bei Königshütte durch IG-Mitglieder entdeckt und die einzelnen Teile nach Blankenburg überführt und für einen Neuaufbau verwendet, der 2002 wieder in Betrieb ging.
Man sieht, nicht nur Lokomotiven und Strecken haben interessante Lebensläufe, die nicht nur über die „durchfahrene“ Zeit etwas aussagen können, sondern auch
teilweise die Betriebsgeschichte der Bahn widerspiegeln. Aber das ist eine Wissenschaft für sich, die viel Forschergeist von den Wagenspezialisten infolge schlechter Aktenlage erfordert!
Zu den Bildern der Innenansichten sei gesagt, so fuhr man bis 1956 in der 3.Klasse, die dann bei der Deutschen Reichsbahn in die 2.Klasse integriert wurde.
Und wer nun die Nase rümpft, das ist „Bahnfahren wie bei Oma “, die Sitzfläche der Gäste wird im Winterbetrieb durch den direkten Wärmezutritt der Dampfheizung optimal erwärmt und ganzjährig entfällt auch bei längeren Fahrten das „Kleben“ auf den Sitzbänken ! Und wem das immer noch nicht überzeugt, der sollte sich auf jeden Fall über die bis auf 85% der Fensteröffnung zu versenkenden Fenster freuen, was ja auf einer Ausflugsbahn kein unwesentlicher Faktor ist. Diese ökologische und nachhaltige Klimaanlage kann jeder bedienen, verbraucht keine Energie und man kann sie stufenweise “regeln“!

Quellen: Die Triebfahrzeuge und Wagen der IG-HSB, J. Steimecke und
K. D. Holzborn, 2015
Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen, Bethke, Finke, Schweers
Verlag Schweers +Wall 2003

Text und Foto : Winfried Schwarzbach

Share.

Leave A Reply

* Bitte lesen Sie die Datenschutzbestimmungen und stimmen diesen zu

*