Die Einhornhöhle als Zeugnis über das Leben des Neandertalers

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Am Südharzrand, am Kast-Wanderweg kann man den Spuren der Geschichte nach dem Einhorn folgen und stößt dabei auf reale Forschung um das Leben des Neandertalers.
Über 30 Gäste hörten den Ausführungen von Dr. Ralf Nielbock über die Einhornhöhle zu. Ein Verein ist um die Höhe sehr engagiert, was sich unter anderem an den Besucherzahlen der Höhle und der fortwährenden und erfolgreichen Zusammenarbeit mit Instituten zeigt. Bis heute sind rund 700 m der Höhe zu begehen. Jedoch zeigt sich schon jetzt in den Maßnahmen für weitere zukünftige Forschungen, dass die Höhle um ein Vielfaches größer ist und sich hier noch mehr verborgene Zeugnisse der Vergangenheit vermuten lassen.
Das Interesse an der Höhle kommt nicht von ungefähr, denn schon vor über 90 Jahren, so auch unter der Leitung des Stadtbekannten Stolberg wurden die Höhle und ihre dort schlummernden Objekte in den Blick genommen. Die damaligen Forschungsmethoden waren noch nicht so professionell wie wir sie heute anwenden. Die Fundstücke wurden aus der Höhle genommen und ins Magazin verbracht, wo sie sich noch heute befinden. Auch die ersten Zeichnungen von ersten Fundstücken im 19. Jahrhundert, durch mündliche Überlieferung angefertigt, ließen ein unbekanntes Knochenwesen entstehen, das als Einhorn in die Höhlengeschichte einging. Auch der große Dichter und Denker Goethe nahm sich aus naturwissenschaftlichem Interesse der Höhle an und zeichnete sie um 1784. Über Jahrhunderte galt europaweit die Höhle als Knochenfundstelle für Knochensammler. Manche Knochen sind geschätzt über 150.000 Jahre alt. Um 1656 und 1752 hatten sich der Kieler Arzt Johann Horst und später auch Hallmann an die Arbeit gemacht und die Knochen bestimmt. Der Mythos vom Einhorn wich den wissenschaftlichen Erkenntnissen. William Buckland, Johann Fuhlrott und Rudolf Virchow suchten speziell nach Knochen, auch die des Neandertalers. Der bekannte Arzt Virchow und sein Sohn suchten nach frühmenschlichen Zeugnissen. Jedoch fanden sie Feuerstellen, die von Einhornsammlern des Mittelalters zurückgelassen wurden. Gräber aus der Eisenzeit und Objekte aus der Bronzezeit wurden entdeckt, aber keine Zeugnisse des Neandertalers. Nach dem die nicht genehmigten Grabungen der „Glücksritter“ behördlich untersagt wurden, forschte Karl Friesen offiziell über die Größe der Höhle und suchte vergebens nach dem Neandertaler. Nach ihm wurde ein Höhlengang bezeichnet, der in der Forschung in den 1984er Jahren zum ersten Erfolg führte. Dr. Nielbock nahm selbst 1984 die Forschung an der Höhle auf und engagierte sich für ihre Bekanntheit und weitere Erforschung sehr. In Folge von Wegebau wurden der Abraum und die wenigen Gänge erforscht. Bohrungen ergaben, dass die Höhle sehr tief sein musste. So hatte die sogenannte Weiße-Höhle eine Tiefe von 15 m. Jeder Meter Tiefe bedeute eine Geschichte von 200.000 Jahren. Tiefste Sedimente liegen bei etwa minus 120.000 Jahren und wurden der Wärmezeit zugeordnet. Man geht davon aus, dass der Neandertaler die Höhle etwa 100.000 bis 50.000 Jahre hat nutzen können. Eine lange Zeit, die ihre Spuren in der Höhle hinterließ und zu weiteren Forschungsprojekten anregt. Man nahm an, dass der Jacob-Friesen-Gang noch weiter geht und der Neandertaler einen anderen belichteten Eingang in die Höhle nahm, sodass er die Höhle als eine Art „Steinwerkstatt“ nutzte, was die gefundenen Objekte bestätigten. 1988 fanden letzte Grabungen statt. Die sichtbare Höhlendecke wurde fortwährend gepflegt und von Bäumen freigehalten, falls sich weitere Grabungen ergeben sollten. Diese wurden 2014 wieder aufgenommen und ergaben, dass der Frieden-Gang kein Gang, sondern eine Art Portal war. Eine Feuerstelle, gleich in der Nähe des Portals, mit verbrannten Knochen aus der Zeit der Neandertaler wurde entdeckt. Neben Tierknochen wurde auch eine Pflasterung eines Schlachtplatzes gefunden. Ein seltenes Fundstück für der „Neandertal Art“ ist ein geschnitzter Fingerknochen eines Riesenhirsches. Dieser Fund lässt die Vermutung zu, dass es im Leben einer Gruppe von Neandertalern nicht nur um existenzielle Dinge des Überlebens ging, sondern auch Kreativität und kulturell-rituelle Materien eine Rolle gespielt haben können.

Die „Untiefe“ vor über 2 Mio. Jahren, ohne Gips und Salz, ist eine spezielle geologische Situation, die sie bis heute noch zum Objekt der geologischen und archäologischen Forschung macht. Kernbohrungen und Radaraufnahmen zeigen, dass es vermutlich noch eine weitere Höhle gibt, die mindestens 30 m aufgefüllt ist, und die Einhornhöhle hier eigentlich weitergeht. Es liegt an der zukünftigen Forschung, die Geheimnisse der noch unangetasteten Höhlenbereiche zu bergen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dem geologischen Thema schließt sich der Vortag am 14. Juni 2022 über die „Geschichte des Gipses im Landkreis Nordhausen – Entstehung, Abbau und Verarbeitung“, gehalten von Dr. Hans-Jürgen Reinhardt aus Nordhausen, an. Wie gewohnt beginnt die Veranstaltung um 19:30 Uhr im Museum Tabakspeicher. Der Eintritt ist frei. Der Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein freut sich auf Ihr Kommen.

Für die Mitglieder des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins besteht die Möglichkeit, am 19. Mai 2022 an einer Führung durch das Theater in Nordhausen teilzunehmen und das „alte“ Theater vor seinem Umbau noch einmal zu sehen. Treffpunkt ist um 17.00 Uhr am Eisentor des Theaters. Ebenso ist eine Busexkursion am 18. September 2022 nach Kannawurf, Weißensee und Göllingen in Planung. Es entstehen für die Mitfahrenden ein Kostenbeitrag zwischen 20-30 Euro. Näheres wird noch bekannt gegeben.

Weitere Informationen sind auf der Internetseite www.ngav.de abrufbar.

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