Die Anwältin der Kinder

0

Die Nordhäuser Familienanwältin Andrea Scholz wurde am Nordhäuser Amtsgericht als Verfahrensbeistand bestellt
Wenn Eltern sich trennen, stehen die gemeinsamen Kinder oft zwischen den Stühlen. Damit bei  Sorgerechts- oder Umgangsrechtsstreitigkeiten die Bedürfnisse und Wünsche der minderjährigen Kinder nicht zu kurz kommen, kann das Gericht einen Verfahrensbeistand bestellen: Die Nordhäuser Familienanwältin Andrea Scholz wurde bereits mehrfach als solcher am Nordhäuser Amtsgericht bestellt. „Als Verfahrensbeiständin bin ich Interessenvertreterin des Kindes. Es geht darum herauszufinden, welche Vorstellungen es hat, wie und wo es nach der Trennung der Eltern leben möchte“, sagt die 37-jährige Anwältin.
Ihre Expertise ist nicht nur bei Sorgerechtsstreits gefragt, sondern häufig auch beim Umgangsrecht: Das Umgangsrecht regelt, wie und wann die Kinder ihre geschiedenen Eltern sehen und wo die Kinder nach der Trennung leben. Bei Umgangsregelungen ist der Kinderwille zu berücksichtigen – gleichwohl sollten die Eltern die Entscheidungen treffen und diese nicht dem Kind überlassen. Denn viele Kinder solidarisieren sich über ihre eigenen Bedürfnisse hinweg mit einem Elternteil: „Kinder verbünden sich meist mit dem Schwachen, dem Verlassenen, dem der am meisten trauert“, weiß Andrea Scholz, die in Nordhausen auch als Familienrechtsanwältin arbeitet, aus ihrer Berufserfahrung. Für Kinder sei es wichtig, so Scholz, eine Beziehung zu beiden Elternteilen aufrechterhalten zu können. Wie der Umgang gestaltet werde, sei deshalb entscheidend: Um sich ein Urteil zu bilden, studiert die Verfahrensbeiständin nicht nur die Akten zum Fall, sie sucht auch das Gespräch mit dem Kind und insbesondere mit den Eltern. „Ich gehe zu beiden Elternteilen nach Hause, schaue mir die Verhältnisse vor Ort an“, sagt die Anwältin.  Am Ende verfasst sie einen schriftlichen Bericht, der dem Richter vorgelegt wird. 
Lange war das Residenzmodell vorherrschend: Bei diesem hat das Kind seinen dauerhaften Aufenthalt bei einem der Elternteile. Doch mittlerweile entscheiden sich immer mehr Familien für das Wechselmodell. Das zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind annähernd gleich viel Zeit mit beiden Elternteilen verbringt. „In der Praxis lebt das Kind abwechselnd eine gewisse Zeit im Haushalt der Mutter und im Haushalt des Vaters. Meist erfolgt der Wechsel wöchentlich“, sagt Scholz.
Für die Nordhäuser Juristin ist ihre Fortbildung zur Verfahrensbeiständin nur ein weiterer Schritt hin zu einer friedlicheren Scheidungspraxis. Als Familienanwältin hat sie seit Jahresbeginn in Nordhausen ihre Kanzlei und setzt vor allem darauf, Familienkonflikte zu lösen und Regelungen zu finden, statt die Konflikte weiter zu befeuern. Sie handelt aus  Überzeugung, wie sie sagt, und stößt damit schon mal auf Unverständnis bei ihren Anwaltskollegen. „Viele Paare sind mit der Trennungssituation so überfordert, dass sie jemanden suchen, der sie an die Hand nimmt, die Dinge für sie regelt. Ich tue das“, sagt Scholz. Die zweifache Mutter ist selbst geschieden, lebt in einer Patchworkfamilie und weiß: „Wenn die Eltern auf der Erwachsenenebene miteinander Lösungen suchen, ist alles möglich.“

Foto
Familienanwältin Andrea Scholz in ihrem Kanzleibüro in der Nordhäuser Kranichstraße. Foto: Susanne Schedwill

Share.

Leave A Reply

*