Die ‚1001 Nacht‘ hat ein glückliches Ende …

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em>Claudia Ott in einem faszinierenden Erzählkonzert in Ellrich

Fast jeder kennt die vertraute und doch entsetzliche Geschichte. Der Herrscher Schahriyar wird von seiner Frau betrogen, und weil es seinem Bruder nicht besser ergeht, glaubt der Monarch nun, dass alle Frauen gleich, nämlich untreu seien. Wie um zu beweisen, dass deshalb jede Ehe zum Scheitern verurteilt sei, nimmt er nun Tag für Tag ein Mädchen seines Landes zu sich ins Bett, um es am nächsten Morgen hinrichten zu lassen. Das Morden geht so lange, bis Schahrasad, die mutige Tochter des Großwesirs freiwillig zum Herrscher geht und ihm in der ersten Nacht, die eigentlich ihre einzige sein sollte, den Anfang einer derart spannenden Geschichte erzählt, dass der Sultan ihre Hinrichtung noch etwas aufschiebt, damit sie in der nächsten Nacht weitererzählen kann. Doch – der Frauenfeind wird umerzogen: In einer bisher vernachlässigten Handschrift erhält die Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“ einen sensationellen neuen Schluss. Die bekannte Orientalistin Claudia Ott übersetzte ein uraltes Manuskript, das in einer kleinen Bibliothek in Zentralanatolien, die vor 250 Jahren ein Sammler alter Handschriften erbaute, lag – versteckt in einem falsch beschrifteten Schuber – das Ende von „Tausendundeiner Nacht“… Wenn bislang verschiedene Veranstaltungen unter dem Motto „Ellrich wird bunter“ zu erleben waren, so zog am 8. November im wahrsten Sinn des Wortes die Welt des Orients in die neue „Südharz-Halle“ in Ellrich ein. Nicht nur die humorvollen, witzigen und teilweise drastischen Passagen, die von Frau Ott vorgetragen wurden, nahmen die Besucher mit auf diese Reise in die ferne Welt dieser Erzählungen, die in ihren Anfängen fast 2000 Jahre alt sind und um 500 vom Indischen ins Persische übertragen wurden. Auch die begleitenden oder Solodarbietungen des persischen Perkussionisten Hadi Alizadeh und des türkischen Lautenspielers Yusuf Colak begeisterten. Wer kannte denn schon die Nay, eine aus dem Rohr des Pfahlrohres gefertigte Rohrflöte oder die Tonbak, eine aus festem Maulbeer- oder Walnussholz geschnitzte und mit Ziegenfell überzogene Trommel? Parallel wurden von Frau Ott auch die Erzählungen „101 Nacht“, die betörende ‚kleine Schwester‘ von 1001 Nacht vorgestellt, ein Werk, das mehr im maurisch besetzten Spanien bekannt war und das von edlen Rittern und listigen Bösewichten, Beduinen und Großwesiren, Lindwürmern und Jungfrauen ‚bevölkert‘ wird.
Nicht unerwähnt bleiben soll der Stand des „Buchhauses Rose“ aus Nordhausen, den auch ein Hauch Orient umströmte, denn nicht nur die vielen arabischen oder persischen Schriftzeichen auch die Titel der Bücher beeindruckten, sondern vor allem die Ausgabe von „101 Nacht“, die beim „Innovationspreis der deutschen Druckindustrie“ mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und „Print Star 2013“ betitelt wurde.
Besonderer Dank auch den fleißigen Helfern der Ellricher Schule, die die Besucher auch kulinarisch umsorgten. Bleibt der Wunsch, dass die veranstaltende Kreissparkasse auch in den kommenden Jahren Ellrich in die „SPARKASSEN KULTURTAGE“ als Veranstaltungsort einbeziehen möge.

Dres. Hannelore und Wolfgang R. Pientka

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