„Der Platz braucht ein Gesicht“

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Über die Zukunft des August-Bebel-Platzes wird derzeit viel diskutiert. Die SWG möchte dort ein Parkhaus bauen, Bürger der Stadt Nordhausen wehren sich dagegen. Auch eine Initiative gegen den Bau hat sich schon gegründet. Uns erreichte heute ein Leserbrief.

Foto:M.Caspari

„Der Platz braucht ein Gesicht“

Auf ihrer Homepage wirbt die SWG im folgenden Wortlaut für den Bau eines Parkhauses:
„Mit der aktuellen Parkhausdiskussion bietet sich die Chance, dem Bebelplatz einer konzentrierten Nutzung zuzuführen und ihm ein neues Gesicht zu verleihen.“
Mir, als Leser, möchte der Eindruck entstehen, dass dieses Parkhaus tatsächlich ein Gewinn für die Stadt Nordhausen sein könnte. Aber hält dieser Eindruck einer sachlichen Prüfung der Tatsachen stand?
Für den August-Bebel-Platz (ABP) gibt es kein Gesamtkonzept. Das Areal des geplanten Parkhauses von etwa 1/3 der Gesamtfläche soll aus dem bestehenden ABP herausgelöst werden. Dazu soll eine eigene Zufahrt geschaffen werden. Die verbleibenden 2/3 bleiben unberührt und ohne durchdachtes Nutzungskonzept. Also weiter als Parkmöglichkeit und Veranstaltungsort im desolaten Zustand.
Da es sich nach bisherigen Aussagen der SWG um ein reines Anwohnerparkhaus handeln soll, welches eine öffentliche Nutzung für Pendler, Gäste der Stadt oder Besucher des Theaters usw. ausschließt, wird der öffentliche Parkraum auf den verbleibenden hinteren Bereich des ABP konzentriert. Das hat zur Folge, dass dieser Bereich sehr viel höher frequentiert sein wird als bisher. Als Ergebnis würde das eine Verschärfung der Parksituation und einer weiteren Verschlechterung der Oberflächenbeschaffenheit des Platzes bedeuten.
Die Schadstellen auf der Schotteroberfläche des Bebelplatzes werden im Durchschnitt alle zwei Monate mit schwerem Gerät ausgebessert. Schottern und Planieren gehören leider schon fast zum Alltagsbild. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf die umliegende Altbausubstanz. Risse in den Fassaden und in den Innenbereichen der Häuser müssen von Mietern und Eigentümern zähneknirschend ertragen werden.
Schafft das geplante Anwohnerparkhaus der SWG in der Nordhäuser Innenstadt eine Lockerung der Parksituation oder trägt es zur Verschärfung dieser bei? Gewinnt die Stadt, der Bürger und natürlich der unmittelbare Anwohner an Wohn- und Lebensqualität oder droht eine Einschränkung dieser?
Mit der Auflösung des Platzes in seinen historischen Strukturen durch das Bauvorhaben der SWG verliert die Stadt unwiderruflich eines ihrer größten Potentiale.
Eine Neugestaltung als Gesamtkonzept, eine Art Schönheitskur würde ich dem Bebelplatz wünschen und tatsächlich glaube ich, dass er unserer Stadt ein neues Gesicht verleihen kann, aber nur dann, wenn diese Maßnahmen nicht nur dem Interesse der SWG untergeordnet sind, sondern durch Bürgerbeteiligung an Farbe und Vielfalt gewinnen.

Niels Weißenborn
Bürgerinitiative August

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