Der Luchs und der Thüringer Wald

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Aktuelle Zahlen zum Luchs in Deutschland unverändert niedrig – der NABU
Thüringen freut sich über erneuten Luchsnachweis im Thüringer Wald

Jena – Der NABU Thüringen teilt die große Freude über einen erneuten
Luchsnachweis im Thüringer Wald. „Mit dem Luchsnachweis vom 11.02.2018 im
Thüringer Wald bei Oberschönau verdichten sich die Hinweise darauf, dass der
Luchs den Thüringer Wald nun häufiger frequentiert und auch als Lebensraum
nutzt“, sagt Silvester Tamás der Koordinator des NABU-Luchsprojektes.
„Bereits im Mai 2017 wurde ein Luchs zwischen Oberschönau und Zella-Mehlis
beim Überqueren der Schönauer Straße nahe der Gaststätte Waldhaus
dokumentiert. Die großen zusammenhängenden wildreichen Waldgebiete der
Thüringer Mittelgebirge bieten offenbar gute Lebensbedingungen für die
majestätische Wildkatze.“

Von großem Interesse für den NABU sind nun die Beantwortung der Fragen, wie
viele Luchse durch die Thüringer Wälder streifen, woher sie kommen und
welche Gebiete sie als Rückzugsräume nutzen. „Bei dem aktuellen Nachweis vom
11.02.2018 gehen wir davon aus, dass es sich um einen Luchskuder aus dem
Harz handeln könnte, der von dort abgewandert ist und den Thüringer Wald nun
als neuen Lebensraum für sich entdeckt hat“, erklärt Tamás. „Vielleicht ist
es ja sogar dasselbe Tier wie im Mai 2017. Damit wäre er der erste Luchs,
der wiederholt im Thüringer Wald über fast ein Jahr nachgewiesen wird. Auch
viele aktuelle Sichtmeldungen von aufmerksamen Naturfreunden deuten darauf
hin. Nunmehr wäre es zweckmäßig schnellstmöglich eine Gebietskulisse für das
betreffende Gebiet auszuweisen und darin ein belastbares Monitoring zur
Beobachtung auszubauen. Nur so können wir mehr über die Luchsvorkommen in
der Region erfahren“, so Tamás. Der NABU Thüringen unterstützt das
Monitoring des Freistaats vertraglich bereits seit 2016.

Luchse sind die größten Wildkatzen Europas. Ihre etablierten
Vorkommensgebiete in Deutschland sind bislang auf den Harz und den
Bayerischen Wald begrenzt. „Thüringen, das Grüne Herz Deutschlands, liegt
genau dazwischen, deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass wir besonders
hier auf die schönen Pinselohren achten, ihre Lebensräume schützen und
besser miteinander vernetzen“, sagt Tamas. Laut aktuellen Zahlen des
Bundesamtes für Naturschutz wurden im Monitoringjahr 2016/2017 genau 77
erwachsene Luchse und 37 Jungtiere in Deutschland gezählt. Das sind
unwesentlich mehr als in den Jahren zuvor. Der Bestand und die Ausbreitung
stagnieren. Obwohl unter anderem ein aktuell vom NABU unterstütztes
Wiederansiedlungsprojekt im Pfälzerwald seit 2016 ganz aktiv Luchse
ausgewildert. „Deutschland liegt zentral in Europa und stellt ein wichtiges
Bindeglied für die isolierten Luchspopulationen in ganz Europa dar. Deshalb
ist es dringend notwendig vielbefahrenen deutschen Straßen mit ausreichend
Querungshilfen und Grünbrücken nachzurüsten“, fordert der Koordinator des
NABU-Luchsprojektes. Noch immer sterben zu viele Luchse im Straßenverkehr
oder werden illegal mit jagdlichen Methoden getötet.

Der NABU Thüringen macht sich stark für das Pinselohr und möchte über die
seltene Wildkatze aufklären. Mit seinem Luchsprojekt „PLAN P wie Pinselohr –
Luchse in die Mitte bitte – dem Luchs gemeinsam auf die Sprünge helfen“,
sammeln die Naturschützer Daten und Hinweise, informieren mit Vorträgen und
Exkursionen und setzen sich nachhaltig für den Schutz und eine bessere
Vernetzung der Luchslebensräume ein.

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