Der Buchtipp : Jörg Scheller: „Metalmorphosen – Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal“

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Es gab Zeiten da wurden Hard Rock und besonders Heavy Metal in der gängigen Presse entweder gar nicht beachtet oder gar verteufelt und nur abfällig bewertet.
Fans und Musiker galten als saufende „drogenabhängige Raufbolde“, „langhaarige Bombenleger“, wurden als nicht gesellschaftsfähig, asozial, aussätzig oder gar gefährlich abgestempelt.
Anhänger dieser Musik wurden ausgegrenzt und von der Allgemeinheit geächtet.

Aber dank Festivals wie unter anderem dem Wacken – WOA, das alljährlich in Schleswig Holstein stattfindet, rückten Hard Rock und Heavy Metal immer mehr aus dem Schattendasein heraus in den Mittelpunkt der Gesellschaft.
Sicher haben auch Auftritte von Lordi beim ESC , Hits von Metallica wie „Nothing Else Matters“ Ozzy Osbourne „Dreamer“ oder diverse Songs im Radio von KISS, Van Halen, Withesnake, AC/DC, ZZ Top usw. dazu beigetragen das dieser Sound mittlerweile Akzeptanz findet oder wie es so schön neudeutsch heißt im „Mainstream“ angekommen oder allgemein „gesellschaftsfähig“ ist.

Was noch vor wenigen Jahren schon fast aufständische Treffen von eingefleischten Szenegängern waren, ist heute Massenunterhaltung für sämtliche Alters – und Berufsschichten.
So ist das Publikum vom u. a. Studenten, dem einfachen Bauarbeiter über Banker, bis zum Anwalt oder gar Politiker, mittlerweile breit gefächert.
Heavy Metal und viele seiner Spielarten gelten nicht mehr als böse, verachtenswert oder gar vom Teufel persönlich erdacht und gesandt.
Ganz im Gegenteil: Diese Musik bzw. einige Spielarten von ihr finden mittlerweile wie selbstverständlich im gängigen öffentlichen Radio und in TV Shows statt.
Musiker und Festivals sind im Kultur TV zu sehen und es gibt sogar Metal-Kreuzfahrten.
Aber auch die Werbung hat diese Musik für sich entdeckt, um das ein oder andere Produkt (mit dem „anrüchigem“ und auch „wertigem“ Image des Metal) an die Frau oder an den Mann zu bringen.

Die aktuelle Buchveröffentlichung “Metalmorphosen- Die unwahrscheinlichen Wandlungen des Heavy Metal” befasst sich mit genau diesem Thema.
Geschrieben hat es Jörg Scheller – er ist Journalist, aber auch Professor für Kunstgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste.
Gastdozenturen führten ihn unter anderem an die Kunstuniversität Poznan und die Taipei National University of the Arts.
Er schreibt regelmäßig Beiträge für die Neue Zürcher Zeitung, DIE ZEIT, frieze magazine und ist Kolumnist der Stuttgarter Zeitung und stand er selbst mit einer Metalband auf der Bühne. Außerdem besuchte er nicht nur für das Buch viele Festivals, Musiker und Kenner der Szene.

Auf rund 270 Seiten geht er nun in seinem neusten Werk (das im Franz Steiner Verlag erschienen ist) vielen Fragen rund um Heavy Metal nach. Wie ist diese Musik entstanden? Worin besteht die Faszination?
Warum ist die Apokalypse im Heavy Metal allgegenwärtig?
Was verbindet Heavy Metal mit Freiheit? Was hat Heavy Metal mit der Kunst zu tun usw.

In „Metalmorphosen“ beschreibt Jörg Scheller die überraschend verzweigte Geschichte des Heavy Metal – als Echo eines Jahrhunderts der Extreme, als nervösen Blues der Großstadt als Schutzraum der Außenseiter.
Die Kapitel beschäftigen sich – nicht ganz überraschend – mit Heavy Metal und Religion bzw. Heavy Metal als (Anti)Religion, Heavy Metal und Politik und schließlich mit Heavy Metal und Feminismus.

Dabei erklärt er locker, teils sachlich, teils leicht ironisch, aber immer interessant, den Erfolg dieser Musik die keiner starren Denkweise folgt, sondern vom Wechselspiel des Sounds im Wandel der Zeit, aber auch von der Beständigkeit und vor allem von der Glaubwürdigkeit und dem Ideenreichtum der Bands lebt.

Deren Texte sich nicht nur, wie mancher vielleicht glauben mag ständig um Aufruhr, Historie, Mythen, Sex, Horror und Gewalt drehen.
Nein oft sind Freiheit, Anprangerung von Missständen, klare und auch verdeckte politische Aussagen, aber und wer hätte das denn gedacht, oft sind auch Emotionen und sogar Liebe das Thema, mal in harten, lauten krachenden, aber auch in gefühlvollen und leisen Songs.

So klärt das Buch auf, schaut mit musiktheoretischen Analysen von Dennis Bäsecke-. Beltrametti (Komponist & Musiktheoretiker) und Interviews mit Sabina Classen (Holy Moses), Cronos (Venom), Ben Weinman (The Dillinger Escape Plan), MillePetrozza (Kreator), Freddy Lim (Chthonic) und Prika Amaral (Nervosa) hinter die Kulissen und überrascht mit so manch wissenswertem auch teils überraschendem den geneigten Leser.

Fazit: Wer Spaß daran hat auch mal hinter die Kulissen der “Teufelsmusik” Heavy Metal zu schauen, erfahren möchte wie sich vieles entwickelt hat oder was es für vielschichtige Spielarten gibt, der ist bei diesem Buch das nicht nur interessant ist, sondern das auch Spaß macht zu lesen und hier und da auch recht augenzwinkernd rüberkommt, mit der ein oder anderen Geschichte und Anekdote aufwartet, genau richtig.

Stefan Peter Foto: Stefan Peter

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