„Der Blaue Heinrich“ Die Ausstellung zum Vortrag am 25. April im KH Neustadt.

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Wie schon angekündigt, wird Herr Prof. Dr. Werner Ebert im Krankenhaus Neustadt einen Vortrag über die „Tuberkulose und die Kunst“ halten. Millionen Menschen starben und sterben an dieser Krankheit, darunter viele Künstler.

Diesem Thema widmet sich der ehemalige Chefarzt der Thorax-Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg und zeigt in diversen Bildern berühmte Opfer aus allen Bereichen der Kunst. Begleitet wird der Vortrag mit einer kleinen Ausstellung, wo u.a. einige Exemplare des „Blauen Heinrichs“ gezeigt werden. Sie stammen aus der Sammlung von Dr. Kurz, der als Oberarzt in dieser Klinik tätig ist.

„Blauer Heinrich“ – unter diesem Begriff vermutet man als letztes einen „Taschenspucknapf“ und doch gehörte dieses strahlend blaue Glasfläschchen mit seiner klar gestalteten Silberfassung zur Aufnahme des Sputums und wurde eigens für diesen unappetitlichen Zweck erdacht. Unter dem Klappdeckel verbirgt sich ein silberner Trichter. Der Fuß ist abschraubbar, so dass sich das Fläschchen leicht mit Wasser oder einer Desinfektionslösung durchspülen und reinigen ließ. Die transparente Wandung erlaubte die Blickkontrolle des Füllungsgrads, wobei der unansehnliche Inhalt gleichzeitig durch die kräftige Färbung des Kobaltglases den Blicken Dritter entzogen wurde.

Das „Taschenfläschchen für Hustende“ wurde von dem der Arzt Peter Dettweiler (1837-1904) entwickelt. Hergestellt wurde es von der Firma Noelle & Co. in Lüdenscheid, die es für 1 Mark 50 vertrieb. Dettweiler betrachtete es als „heilige Pflicht […] jedem Hustenden […] den Gebrauch dieses einfachen, billigen Gerätes“ zur Auflage zu machen. Dr. Dettweiler erwarb sich auch Verdienst für die Etablierung der Liegekur. Entsprechende Liegehallen gehörten auch in Sülzhayn zu jeder Heilstätte.

Literarische Berühmtheit erlangte das Sputumfläschchen durch Thomas Manns Der Zauberberg. Schon auf der Fahrt vom Bahnhof zum Sanatorium Berghof, wo Hans Castorp seinen kranken Vetter Joachim besucht, darf er einen Blick auf die „flache, geschweifte Flasche aus blauem Glase mit einem Metallverschluß“ werfen. Joachim lässt sie jedoch gleich wieder in seine Manteltasche gleiten, mit den Worten: „Das haben die meisten von uns hier oben. […].

Es hat auch einen Namen bei uns, so einen Spitznamen, ganz fidel.“ Später erfährt Hans Castorp diesen Namen aus dem Mund der ungebildeten Frau Stöhr: „Ganz ohne Überwindung“, so Thomas Mann, „mit störrisch unwissender Miene, brachte sie die fratzenhafte Bezeichnung «Der Blaue Heinrich» über die Lippen.“

Wann: Vortrag am 25.4.2018 um 19 Uhr
Wo: im Atrium des Krankenhaus Neustadt
Entritt frei – um Spenden wird gebeten für das Hospiz Neustadt

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