„Denen, die sich opferten“ – 90 Jahre Ehrenmal im Gehege (Teil 2)

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Vor genau 90 Jahren, am 22.November 1925, an einem Totensonntag, fand die Einweihung des Nordhäuser Ehrenmals im Gehege statt. Hier der zweite Teil…
Um 11.30Uhr begann der Festakt. Syndikus Dr. Schmidt betrat als erster das Rednerpult um die erste Ansprache zu halten:

„Hochgeehrte Festversammlung!
Wenn auch an und für sich ein Tag wie der Totensonntag nicht geeignet ist, freudige Gefühle auszulösen, so kann man trotzdem wohl sagen, dass uns alle, insbesondere uns vom Bürgerausschuss für die Kriegerehrung und seinen Unterausschüssen, heute ein herzliches Gefühl der Freude und Genugtuung beseelt, denn das Werk der Ehrung unserer im Weltkriege gefallenen Nordhäuser Brüder steht fertig vor uns und harrt der Enthüllung und Einweihung…“

Kriegerdenkmal (1)

Weiter schildert er die Geschichte von der Idee bis hin zum fertigen Denkmal. Im Anschluß dieser Rede fallen die Hüllen:

Ergreifender Augenblick… Gedämpft spielt die Musik das Lied vom sterbenden, guten Kameraden. Lautlos fallen die Hüllen. Darbieten sich in langen, langen Reihen in Ton eingebrannte Namen, Namen, endlose Kette. Das Kreuz dahinter und der Tag des Todes. Eine Zahl sagt nicht alles. Aber dieses korrekte, nach dem Alphabet geordnete Verzeichnis öffnet die Augen, hämmert, lässt erst erkennen, was es heißt: Eintausend und fünfunddreißig mussten dahin.
Der Enthüllung folgten die Weihereden der Geistlichen. Die Gefallenen waren einst Angehörige aller Konfessionen – von jedem Glaubensbekenntnis spricht deshalb an ihrem Ehrenmal ein Vertreter.
Feierlich und mächtig schließt sich den Weihereden der Chorgesang der Vereinigten Männergesangvereine Nordhausens: „Den Gefallenen zum Gedächtnis“ an. Dann zerreißen drei Ehrensalven die Luft… und verklingen im Grau.

Die Übergabe des Denkmals an die Stadt und die Übernahme folgen in hergebrachter Form. Syndikus Dr. Schmidt vollzieht sie mit folgenden Worten:
„Das Denkmal ist enthüllt und geweiht. Im Auftrage des Großen Bürgerausschusses übergebe ich es nunmehr der Stadt Nordhausen mit dem Wunsche und der Bitte, es in ihre Obhut zu nehmen und es als kostbares Kleinod und zugleich schönen Schmuck unserer herrlichen Anlagen zu hegen und zu pflegen. Möge die Stadt Nordhausen sich stets bewusst sein, dass sie sich selber ehrt, wenn sie ihre im Kampfe um Vaterland und Heimat gefallenen Söhne ehrt.“

Kriegerdenkmal (2)

Im Anschluß an all die Festreden folgen die Kranzniederlegungen.
Nun folgt Kranz auf Kranz, vom Überbringer mit Sinnsprüchen, eigenen Worten oder knappem Satz begleitet.
Da überbrachten Kränze: Der Kreiskriegerverband, („ …für das Vaterland durch deutschen Geist“), die Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Verbände („Kameraden, wir wollen nie vergessen, dass sie gefallen sind für Kaiser und Reich, für König und Vaterland, für Schwarz-Weiß-Rot“), Stahlhelm-Bau, Offiziersverein Nordhausen, Verein der Veteranen von 64 und 66, 70-71. („Wer mutig für das Vaterland gefallen, der baut sich selbst ein ewig Monument“), Königin Luise-Bund, Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene, Wehrwolf, Frauengruppe des Deutschen Offiziersvereins, Stahlhelm, Ortsgruppe Nordhausen, Scharnhorst, Jungdeutscher Orden („Seid einig, treudeutsch allewege“), Schützenkompagnie, Wehrwolf-Bau, Rheinländer-Vereinigung („Treue um Treue“).
Auch das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ist zur Stelle mit 300 Mann.

Quellen:
– Nordhäuser Zeitung und General-Anzeiger, Nr.273 – 78. Jahrgang, Montag, 23.Nov. 1925 (Stadtarchiv Nordhausen)
– Das tausendjährige Nordhausen (zweiter Band) von 1927 S.272, S.347-370

(weiterlesen bei Teil 3)
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