„Denen, die sich opferten“ – 90 Jahre Ehrenmal im Gehege (Teil 1)

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Vor genau 90 Jahren, am 22.November 1925, an einem Totensonntag, fand die Einweihung des Nordhäuser Ehrenmals im Gehege statt. Somit wollen wir heute mit Ihnen eine kleine Zeitreise machen. Eine Reise in das Jahr 1925.

„Ein Gang führte am Vorabend der Enthüllung noch einmal zum Denkmal. Novembertag war wesenlos in Dunkelheit geglitten… Der silbergraue Duft des Abendnebels machte alle Einzelheiten verschwimmen und ließ nur große Flächen sichtbar sein. Dunkel zog sich der Vorplatz nach oben, schwarz heben sich links und rechts Baumreihen ab und im Hintergrund löste sich in unendliche Zartheit das Birkenwäldchen…
Und dazwischen das Ehrenmal. Kompakt und doch gelöst. Scharf umrissen und doch geisterhaft verschwommen, nah und doch in die Weite sich verlierend, hinweg genommen aus beschränktem Raum, gehoben, vergrößert. Idee gewordener Stein.“

Kriegerdenkmal (8)

So beschrieb ein Nordhäuser Journalist, die Stimmung am Vorabend vor der Enthüllung. Weiter:

„Unheimlicher Schwadenfluß des Nebels… Sind nicht dort Gestalten, blasse Schemen? Formiert sich nicht dort ein Zug von bleichen Toten – Reihe an Reihe. Zug um Zug, Kompagnie um Kompagnie… über tausend an der Zahl…
Los reißen sich die verdämmernden Gedanken. Erhaben erneuert sich des Denkmals Wucht.Schwarz-gelbe Fahnen hängen schlaff, das Rednerpult ist errichtet, die Wege verbreitert und glatt, das Mögliche der Gartenanlagen geschafft: alles ist bereit…“

Kriegerdenkmal (6)

Der Totensonntag bahnte sich an und auch hier fand der Autor die passenden Worte um die Stimmung eindrucksvoll, bildlich darzustellen:

„Eine Feier großen Formats soll beginnen. Das Bild ist gewaltig.
Links und rechts vom noch verhüllten Denkmal halten Bannerträger, Fahne an Fahne, einziges buntes, farbiges Moment in diesem grauen, nordischen Tage.
Ringsum gruppieren sich die Menschenmassen. Überall dominiert schwarz, Bruder des Grau. In feierlichem Schweigen harren die Trauernden.
Unmittelbar am Denkmal, im Halbkreis, stehen die geladenen Gäste in großer Zahl – Zivilisten im Zylinder vorwiegend, dazwischen vereinzelt die wieder erlaubten Felduniformen der Offiziere.
Der Blick verliert sich über Denkmal und Menschenmauern in enge, graue Novembertagferne… Gewaltig nun hebt sich der Dom aus der silbrigen Wand, alles andere fließt ohne Umrisse im tiefen, regnerischen Himmel. Kahl, stumm, ragen brauner Busch und Baum. Totensonntag der Natur, Trauertag…“

Quelle: Nordhäuser Zeitung und General-Anzeiger, Nr.273 – 78. Jahrgang, Montag, 23.Nov. 1925
(Stadtarchiv Nordhausen)

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