Den Wald auf den Klimawandel vorbereiten! NABU Thüringen fordert zum Tag des Waldes am 21.03. eine verbesserte Waldstrategie.

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Jena – Zum Tag des Waldes am 21.03.2019 fordert der NABU ein Umdenken bei der Bewirtschaftungsstrategie des Waldes. „Wetterextreme, Borkenkäfer, hohe Schalenwildbestände und Fichtenmonokulturen verursachen enorme Schäden im Wald und das nicht nur in Thüringen“, sagt Dirk Hofmann, der stellvertretende Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Vor diesem Hintergrund ist ein Überdenken von bestehenden Strategien dringend erforderlich. Wir brauchen viel mehr standortheimische Laubwälder. Zudem muss die Holzernte schonender werden. Großmaschinen wie Harvester schädigen den Waldboden für sehr lange Zeit. Die Böden werden verdichtet, die biologische Aktivität beeinträchtigt und das Wachstum der Bäume eingeschränkt.“ Der Forstwissenschaftler weist zudem darauf hin, dass Uralt- und Totbäume auch im Wirtschaftswald eine wichtige Bedeutung für die Biologische Vielfalt haben und ihr Anteil im Wald dringend erhöht werden muss.

Die Schäden im Wald
In Thüringen, Hessen und Sachsen werden jeweils über eine halbe Million Festmeter an abgestorbenem Borkenkäferholz geschätzt – Tendenz steigend. Die Verbissschäden im Wald bleiben wegen der hohen Rot- und Rehwilddichte trotz aller Bemühungen auf den Landeswaldflächen ein Dauerproblem. In Brandenburg brannten 1500 Hektar Kiefernforst nieder. Auch andere Bundesländer sind betroffen. Pessimisten sprechen von bis zu 20 Millionen Festmeter „Schadholz“ bundesweit. Die Holzpreise sinken dramatisch. Weitere Jahre mit Wetterextremen als Folge der Klimaänderung werden die Situation verschärfen. „Für die Zukunft unserer Wälder ist deshalb eine Orientierung an kurzfristigen Erfolgsbilanzen der Forstbetriebe falsch und sichtbar schädlich für den Wald mit seinen Gemeinwohlfunktionen“, so Hofmann.

Umdenken ist notwendig
„Vor allem die Landesforstbetriebe die unseren Wald – den Wald der Bürgerinnen und Bürger bewirtschaften – sind jetzt gefordert. Die Wohlfahrtsfunktionen des Waldes müssen gleichrangig gegenüber ökonomischen Beweggründen berücksichtigt werden“, erklärt Dirk Hofmann. Zu den Wohlfahrtsfunktionen des Waldes zählen unter anderem die Reinhaltung der Luft und des Wasser, die Bewahrung der Artenvielfalt und der Ausgleich des Klimas. Auch die Waldgesetze selbst fordern diese Vorbildlichkeit der öffentlichen Betriebe und den Erhalt der Funktionsfähigkeit der Waldnatur.

Laut NABU müssten Forst- und Naturschutz von der Politik gemeinsam eine neue Waldstrategie einfordern, die nicht durch die Säge- und Holzindustrie und deren Ruf nach immer mehr Fichte bestimmt wird. „Sinnvoll ist es jetzt, die gesetzlichen Verpflichtungen zu erweitern um einen Mindeststandard der Guten Fachlichen Praxis festzulegen“, fordert Dirk Hofmann. „Darin werden eine größere Naturnähe der Wirtschaftswälder sowie eine Minimierung der für Boden und Biozönosen schädlichen großtechnischen Eingriffe eine Rolle spielen müssen, ebenso wie der Vorrang der Wohlfahrtswirkungen des öffentlichen Waldes für die Gesellschaft.“

Die Einführung von neuen „Wunderbaumarten“ wie es die Fichte vor 300 Jahren war, ist kontraproduktiv und kann unvorhersehbare Auswirkungen auf das Ökosystem haben. „In Zeiten des Klimawandels hat der Waldumbau, hin zu stabileren Mischwäldern aus standortheimischen Baumarten höchste Bedeutung. Auf den Sturm- und Borkenkäferflächen besteht jetzt die Chance, anstelle von teuren Pflanzprogrammen die natürliche Sukzession für einen artenreichen, stabileren Wald der Zukunft zu nutzen. Die positiven Erfahrungen aus der Entwicklung auf den vom Sturm Kyrill geschaffenen Flächen und aus dem Nationalpark Bayerischer Wald gilt es zu nutzen!

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