Dem schönen Sensenmann eins aufgespielt

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Das Motiv „dem Tod eins aufspielen“ – ob mit Geige oder Dudelsack – kennt man aus den Märchen der Gebrüder Grimm, aber auch aus slawischen Märchen und Sagen. Dabei kommen Henker, Schreiber und Schergen nicht dazu, den zum Tode Verurteilten zu binden, sondern wurden von der Musik zum Tanzen gezwungen, bis sie nicht mehr konnten und den Todgeweihten freilassen mussten. An dieses Bild von der Macht der Musik – auch im Anblick des Todes und darüber hinaus – konnte man denken als am Donnerstag vergangener Woche Christoph Ehrenfellner, Composer in Residence (Geige) und Henning Ehlert, 1. Kapellmeister des TN LOS! (Cembalo) die vielen Werke der derzeitigen Ausstellung, vor allem aber die benachbarte Skulptur von Erik Seidel zum Schwingen brachten.

Sie taten dies mit einer Spielfreude, die sich auf die Besucher übertrug, und wirkten dabei, als hätten sie seit ihren frühen Kindertagen gemeinsam musiziert. Jedes der vorgetragenen Stücke und Instrumente wurde erläutert – von den angeblich knarrenden Darmsaiten der Geige bis hin zum Hinweis, dass die Violinsonate von Händel wegen des Fehlens des virtuosen Elements oder wegen mangelnder »Dankbarkeit« für den Ausübenden eigentlich der Hausmusik zugedacht war. Bach erweiterte in der Violinsonate teilweise den Bau der einzelnen Sätze zu solch kühnen Dimensionen, dass er mit ihnen fast über ein Jahrhundert hinüber neben die voll ausgebildeten Formen der Beethovenschen Sonate tritt.

Diese Anmerkungen bezogen sich auf die zwei der bedeutendsten Komponisten des Barock, deren Musik gerade durch die Erläuterungen, vor allem aber durch den virtuosen Vortrag gepaart mit einer auf die Besucher wirkenden Harmonie zu einem Musik- und Kunsterlebnis wurde. Christoph Ehrenfellner wies mit ausladenden Handbewegungen auf die Richtung, auf den Ursprung der Komponisten und deren Kompositionen hin. Wenn man bedenkt, dass auch die berühmtesten Geiger die Violinsonate von Tartini fürchteten, weil es ihnen technisch und musikalisch alles abverlangte, besonders der vierte Satz mit seinen Doppelgriffen und Trillern, dann zollte das Publikum Respekt und Applaus, wie die beiden die Teufeleien Tartinis bewältigten als wären sie ein Kinderspiel. Corelli, der vierte in diesem Quartett der Komponisten des Barock, fasst mit diesen Trio- und Violinsonaten eine lange Entwicklung der Violinmusik im 17. Jahrhundert gleichsam zusammen.

Die Violinsonate d-Moll auch bekannt als „La Folia“ hat ihren Ursprung in einem spanischen, besser kanarischen Tanz, der als Satzmodell die Grundlage für viele Variationenzyklen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert geblieben ist. Im Anschluss an die mit rhythmischen Applaus „geforderte“ Zugabe überreichte Wolfgang R. Pientka als Vorsitzender des KUNSTHAUS MEYENBURG Fördervereins Wein verbunden mit einem Hintergedanken. Mit Hinweis auf die auf den Etiketten abgebildeten Noten wurde die Bitte ausgesprochen, möglichst bald wieder die Räume des Kunsthauses erklingen zu lassen, vielleicht mit einer Eigenkomposition auf der Grundlage des Notenmotivs. Wäre dies für einen Wien beheimateten „Composer in residence“ vielleicht bei einem Glas „Wiener Heurigen“ nicht machbar?

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