Dailuaine Destillerie – ein stiller Riese im Schatten der schottischen Whiskyindustrie

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Etwa 2 Meilen südwestlich von Charlestown of Aberlour liegt die Dailuaine Destillerie. Sie war und ist eine der Destillerien die im Hintergrund der schottischen Whiskyindustrie ihren Malts herstellen. Vielen der bekannten Blend enthalten Whisky von Dailuaine sind, allen voran Johnnie Walker.
Dailuaine wurde wahrscheinlich 1851 – Walter Schobert spricht in seinem Whiskylexikon von 1854 – von William Mackenzie einem Bauer aus dem Dorf Carron gegründet. Nach dessen Tod im Jahr 1865 verpachtete seine Witwe die Destillerie an James Fleming, einen Banker aus Aberlour. Dieser gründete 1879 zusammen mit William Mackenzie`s Sohn Thomas Mackenzie, die Firma Mackenzie & Company, wobei Thomas Mackenzie die operative Leitung übernahm.
1886 besuchte der Whiskyjournalist Alfred Barnard die Dal-Uaine Destillerie (wie sie zu dieser Zeit noch geschrieben wurde) und traf den Mitinhaber Mr. (vermutlich Thomas) Mackenzie – den Sohn des Gründers.
Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch drei Jahre nach Barnards Besuch sollten die Malzdarren der Destillerie umgebaut und erweitert werden. Die Inhaber suchten nach einer Lösung, den Trocknungsvorgang zur Beendigung des Mälzens zu verbessern und damit die Effizienz der Destillerie zu steigern. Sie entschlossen sich, den damals noch wenig bekannten Charles C. Doig aus Elgin zu beauftragen eine Lösung zu suchen. Dieser beschloss die Entlüftungsöffnungen der Darren zu verändern. Bei seinen Überlegungen fand er heraus, dass dies mit einer nach außen und gleichzeitig nach oben geschwungener Abdeckung am besten gelang. Zudem – und das weit weniger bekannt – reduzierte er die Anzahl der horizontalen Lüftungsblenden am Ansatz der Dachöffnung und ordnete gleichzeitig die Haube vertikal höher an. So konnte er den Luftwiderstand der Konstruktion reduzieren und die Wirkungsweise gleichzeitig verbessern. Damit war die Doig-Pagode erfunden. Sie bot nicht nur funktionale Vorteile, sondern machte die Destillerien auch optisch unverwechselbar. Noch heute wird in aller Welt dieses architektonische Element verwendet, um auf Hinweisschildern Destillerien grafisch darzustellen.
Nach und nach wollten immer mehr Inhaber von Destillerien dieses Dach auf ihren Destillerien sehen. Doig wurde überregional bekannt. Heute werden Doigs Schaffen etwa 56 Destillerien zugeschrieben.
1891 wurde Dailuaine-Glenlivet Distillery Ltd. gegründet und sieben Jahre später mit der Talisker Distillery Ltd. zur Dailuaine-Talisker Distilleries Ltd. vereint. Somit wurde die enge Verbindung zu den Blends von Johnnie Walker hergestellt. 1916, ein Jahr nach dem Tod des Sohns des Gründers Thomas Mackenzie wurde Dailuaine von John Dewar & Sons, John Walker & Sons und James Buchanan & Co. gekauft.
1917 zerstörte ein Brand die Destillerie. Diesem fielen auch die ersten Pagodendächer von Charles C. Doig zum Opfer. Danach stand die Produktion still. Erst 1920 wurde Dailuaine wiedereröffnet. Im Jahr 1925 wurde die Destillerie schließlich von der Distillers Company Limited (DCL) übernommen. Über die Fusionen im Jahr 1986 kam sie zu United Distillers (UD) und schließlich 1997 zu Diageo.
98 Prozent des Whiskys von Dailuaine wird für Blends genutzt. Zur Reifung werden Ex-Bourbonfässer verwendet, nur für ihre Single Malt-Abfüllungen verwendet Dailuaine Ex-Sherryfässer. Ganz wenige Fässer wurden seit 1991 für die 16-jährige Abfüllung aus der Flora & Fauna-Reihe verwendet. Seit 1997 wurden von Dailuaine zudem auch immer wieder fassstakte Abfüllung aus dieser Reihe lanciert. Letztere sind gesuchte Einzelstücke und werden für Preisen von bis zu 625 GBP gehandelt. Die preisliche Obergrenze bildet mit etwa 1.400 GBP (plus) der „Dailuaine 1962 – 27 Years“ aus der Dumpy Bottle-Serie des unabhängigen Abfüllers Cadenhead’s. Gefolgt vom „Dailuaine 1962 – 18 Years“ für bis zu 975 GBP und dem „Dailuaine 1962 – 22 Years“ für bis zu 640 GBP.
L. E.

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