Cragganmore Destillerie – „Big John`s“-Vermächtnis für erstklassigen Whisky

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Weniger als eine halbe Meile südöstlich des Spey liegt eines der auffallendsten Schlösser der schottischen Highlands, das Castle Ballindalloch. Westlich des Schlosses befindet sich am Fuß des Craggan More Hills, aus Sicht von Whiskyenthusiasten, das Highlight der Gegend – die Cragganmore Destillerie. Sie wurde 1869 von John „Big John“ Smith (*1833, †1886) gegründet. Der ehemalige Manager von The Macallan, Glenlivet und Wishaw sowie Pächter von Glenfarclas konnte den Grundbesitzer Sir George Macpherson-Grant davon überzeugen, ihm den heutigen Standort der Destillerie zu verpachten. Smith der bereits umfangreiche Erfahrungen in der Branche gesammelt hatte, suchte genau einen solchen Platz. Hier gab es Wasser in ausreichender Menge und außergewöhnlicher Qualität. Zudem befand sich der Standort in Nähe zur Strathspey Railway, mit dem die Rohstoffe zur und der Whisky von der Destillerie transportiert werden konnten. Smith hatte früh erkannt, dass Ende des 19. Jahrhundert im schottischen Highland bzw. im Speyside der Transport von Gütern und Waren nur mit der Eisenbahn effektiv sein konnte. Später wurde sogar ein eigener Gleisanschluss zu Cragganmore geführt.
Smith war ein außergewöhnlicher Mensch. Sein Spitzname „Big John“ kam nicht von ungefähr, er hatte eine enorme Körperfülle. Manche Quellen berichten davon, dass er mehr als 140 kg gewogen haben soll und, dass er auf Zugreisen nicht im Personen- sondern Gepäckabteil reiste – vielleicht sollte man sagen: transportiert werden musste. Wie dem auch sein, bei der Whiskyherstellung und -logistik machte ihm niemand etwas vor. Vom Start weg hatte er solch enormen Erfolg mit seinem Whisky, dass die schottischen Blender ihm teilweise seine kompletten Bestände abkauften.
Als Big John 1886 im Alter von nur 53 Jahren starb, übernahm ein Anverwandter, George Smith, treuhänderisch die Geschäfte für Johns Sohn Gordan Smith (*1882, †1912). Dieser war mit 14 Jahren noch zu jung dafür. George Smith schickte 1887 den ersten „Whisky-Special-Zug” auf die Reise von der Bahnstation Ballindalloch nach Aberdeen. Dieser bestand aus insgesamt 25 Waggons in denen sich etwa 300 Fässer Whisky von Cragganmore befanden.
Manche Quellen besagen, dass Gordan zunächst eine Ausbildung in Südafrika erhielt und danach erst die Leitung von Cragganmore übernahm. Wie sein Vater trieb dieser die Entwicklung voran. Ende der 1890er Jahre beauftragte er Charles C. Doig, bekannt durch die Pagodendächer der Dailuaine Destillerie, umfangreiche Erweiterungs-, Umbau- und Modernisierungsarbeiten an der Destillerie auszuführen. Die Arbeiten wurden 1901 abgeschlossen. Die Pattison-Pleite im Jahr 1898 machte auch Cragganmore zu schaffen. Guten Kontakte zu den Blendern halfen aber dabei dieser Zeit zu überstehen.
Nach dem frühen Tod von Gordon übernimmt seine Witwe Mary Jane Smith die Leitung. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde es auch für Cragganmore schwierig an Rohstoffe zu bekommen. 1917 musste schließlich die Produktion eingestellt werden. Bereits 1919 konnte Cragganmore der Betrieb wieder aufnehmen. 1923, vermutlich aber erst 1924, verkauft Mary Jane Cragganmore an White Horse Distillers Ltd., welches Peter Mackie – einem der Whiskybarone jener Zeit – gegründet worden war. 1927 wurde White Horse Distillers Ltd. von der Distillers Company Ltd. übernommen.
Durch Verknappung der Rohstoffe während des Zweiten Weltkrieges war 1941 wieder Schluss, die Produktion musste stillgelegt werden. Erst fünf Jahre später wurde diese wieder hochfahren. Die Distillers Company Ltd. führten die Geschäfte bis 1987 bis sie nach einer heftigen Bieterschlacht vom Tochterunternehmen von Guinness, United Distillers (UD), übernommen wurde. Durch die Fusion zwischen Guinness und Grand Metropolitan im Jahr 1997 führte Cragganmore`s Weg zu Diageo.
Der 12-jährige Cragganmore ist das Flaggschiff der Destillerie und gehört nicht grundlos zur Classic Malts Selection. Der Whisky ist von goldener, leicht dunkler Farbe. Ihm wird zu Recht nachgesagt, einer der komplexesten Single Malts in der Region zu sein. Leichte, süße und blumige Noten vermischen sich mit einem kräftigen Körper und enden in einem langen Abgang. Für etwa 35 € stellt der 12-jährige einen perfekten Einstieg in die Welt von Cragganmore dar.
L. E.

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