Check24 muss nachbessern

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Vorwurf: Unlauterer Wett­bewerb

Der BVK, der rund 40 000 Versicherungs­vermittler vertritt, hatte dem Unternehmen Check24 Vergleichs­portal GmbH unlauteren Wett­bewerb vorgeworfen: Verbraucher werden in die Irre geführt, weil das Portal als neutraler Dienst­leister auftrete und sich als Verbraucherportal darstelle. Der Kunde sieht erst auf den zweiten Blick, dass es sich um ein provisions­pflichtiges Geschäft handelt. Die Information, dass Check24 als Online-Makler tätig ist und wie ein Versicherungs­vertreter Provisionen kassiert, können Nutzer nur dann finden, wenn sie aktiv auf der Website suchen. Auf der Internetseite erfahren Verbraucher in der unteren Fußzeile unter dem Button „Erst­information“, dass Check24 ein Versicherungs­makler ist. Die Platzierung verstößt nach Auffassung des Gerichts gegen die gesetzliche Mitteilungs­pflicht.

strong>Kunden müssen wissen, mit wem sie Geschäfte machen

Die sogenannte Erst­information muss dem Kunden so präsentiert werden, dass er nicht erst danach suchen muss. Auf der ersten Seite muss trans­parent und sicht­bar sein, was für einen Status ein Vergleichs­portal hat. Im Gesetz ist vorgeschrieben, dass Gewer­betreibende eine Versicherungs­vermitt­lertätig­keit einem Kunden beim ersten Geschäfts­kontakt klar und verständlich in Text­form mitteilen (Paragraf 11 Versicherungs­vermitt­lungs­ver­ordnung). „Dass Check24 den Verbraucher beim Aufrufen der Internetseite deutlich über seine Maklerfunk­tion informieren muss, ist ein wichtiges Signal für den Verbraucher­schutz in Deutsch­land“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz nach der Urteils­verkündung.

Kundenbedarf genauer abfragen

Außerdem muss Check24 die Fragemasken zur privaten Haft­pflicht- und Hausrat­versicherung über­arbeiten. Das Gericht stellte fest, dass Check24 in einigen Punkten der gesetzlich vorgeschriebenen Beratungs­pflicht (Paragraf 61 Versicherungs­vertrags­gesetz) nicht ausreichend nach­kommt. Hintergrund: Wer Versicherungen vermittelt, muss den individuellen Kunden­wunsch und -bedarf genau erfragen. Im Internet müssen deshalb die Fragen an den Versicherungs­interes­senten genau ausgewählt und das Angebot von Tarifen nach den Antworten auf diese Fragen ausgerichtet werden. Online-Makler arbeiten in der Regel mit Fragemasken und bieten Kunden Auswahl­möglich­keiten an. „Aus unserer Sicht reicht diese Online-Abfrage nicht aus, um der gesetzlichen Beratungs­pflicht nach­zukommen“, sagt Michael H. Heinz gegen­über test.de: „Eine intensive Beratung, die Kunden nach ihren Wünschen und Bedürf­nissen fragt, sieht in einem persönlichen Beratungs­gespräch ganz anders aus“.

Ehren­amt in der Privathaft­pflicht­versicherung mitversichern

Check24 bietet zum Beispiel bei der Suche nach einer privaten Haft­pflicht­versicherung in der Fragemaske Kunden nicht explizit die Auswahl­option „Ehren­amtliche Tätig­keit“ an. In vielen Privathaft­pflicht-Tarifen sind Ehren­amtliche geschützt, wenn sie bei Ausübung des Ehren­amtes eine andere Person aus Versehen verletzen oder Sachen beschädigen. Das Gericht stellte fest, dass ehren­amtliche Tätig­keiten in zahlreichen Bereichen zum gesell­schaftlichen Alltag gehören, daher bedarf diese Frage der Abklärung. Die Muster-Versicherungs­bedingungen des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft e.V. sehen die Einbeziehung der ehren­amtlichen Tätig­keit in den Privathaft­pflicht­schutz vor.

BVK – Verband über­legt, weiter zu klagen

Das Urteil des Land­gerichts ist noch nicht rechts­kräftig. Bis etwa Mitte August haben beide Parteien Zeit, Berufung einzulegen. Check24-Sprecher Daniel Friedheim gegen­über test.de: „Wir sind mit dem Urteil zufrieden. Sollten wir keine Rechts­mittel einlegen, wird es unser Auftrag sein, die Erst­information besser sicht­bar zu machen und zwei Fragemasken zu über­arbeiten. Insgesamt bestätigt das Urteil unser Geschäfts­modell“.

Der BVK-Verband über­legt, gegen das Urteil vorzugehen. Präsident Heinz dazu: „Wir möchten den Verbraucher­schutz stärken und würden gerne ein Grund­satz­urteil anstreben. Im Zeit­alter des digitalen Wandels darf die Beratungs­qualität nicht einge­schränkt werden“.

Kein Portal ist wirk­lich gratis

Kunden, die über das Internet Versicherungs­tarife vergleichen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass Online-Portale keine Produkte verkaufen, sondern gegen Provision Verträge zwischen Kunden und Anbieter vermitteln. Ein Versicherungs-Vergleichs­portal, das wie Check24 gleich­zeitig Makler ist, verdient Geld über die Provisionen, die ihm ein Versicherer bei erfolg­reichem Abschluss zahlt. Andere Portale bekommen Geld, wenn Nutzer Links auf bestimmte Seiten folgen. Am Ende zahlt der Nutzer das vordergründig kostenlose Portal.

Stiftung Warentest bietet Vergleiche ohne Provisions­zahlungen

Auch die Stiftung Warentest bietet Versicherungs­vergleiche an, etwa die Analyse Autoversicherung. Anders als andere Vergleichs­portale kassiert sie allerdings keine Provisionen von Versicherern. Vielmehr zahlt der Kunde selbst ein geringes Entgelt, für die Analyse Auto­versicherung etwa werden 7,50 Euro fällig. Die Stiftung Warentest schließt auch keine Anbieter aus und vergleicht fast alle aktuellen Tarife am Markt. „Gratis­vergleiche“ hingegen sind teils lückenhaft, zum Beispiel weil der Versicherer nicht bereit ist, eine Provision zu zahlen. Mitunter fehlen selbst große und preisgüns­tige Versicherer.

Stiftung Warentest

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