BMW M5 Competition – Eleganz und High-Performance in Perfektion

0

Der BMW M5 der Baureihe F90 ist seit 2017 die Krönung der 5er-Reihe. Die Gene der aktuellen Baureihe gehen auf das Jahr 1985 zurück. Damals kam die Motorsportabteilung von BMW – die M GmbH – auf die aberwitzige Idee den Motor des reinrassigen Sportwagen M1 in eine 5er Limousine zu implantieren. Das Ergebnis, eine alltagstaugliche Limousine, welche auf und neben einer Rennstrecke fasziniert. Diese Faszination ist seither ungebrochen. Unzählige Jugendzimmerwände zierten die verschiedenen Generationen der leistungsstärksten Version der BMW 5er-Reihe. Damals und heute beeindrucken die Leistungsdaten: 600 PS – in der Competition-Ausführung sogar 625 PS – und eine Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in 3,4 bzw. 3,3 Sekunden. Die mögliche Endgeschwindigkeit von 250 km/h bzw. optionale 305 km/h (bei beiden Versionen) ist im heutigen Straßenverkehr eher von theoretischer Natur.

Foto:L.E

Foto: privat

Die Möglichkeit einer mehrtägigen Testfahrt platzte in die Hochzeit des Corona-Shutdowns. An einem Freitagvormittag stand beim BMW Autohaus Fritze in Nordhausen ein schwarzer M5 mit Competition-Paket und schwarzer Lederausstattung bereit. Nach kurzer Einweisung wurde der Startknopf gedrückt, unmittelbar danach erwacht der zweifach aufgeladene 8-Zylinder mit einem löwenartigen Brüllen zum Leben. Neu sind bei der aktuellen M5-Generation die beiden roten M-Tasten am Lenkrad. Mit diesen lassen sich zwei Motor-/Fahrwerkskonfigurationen abspeichern. Die M1-Taste wurde vom Autohaus freundlicherweise mit einer umgänglichen Einstellung belegt. Die M2-Taste wurde lakonisch als die „Hardcore-Taste“ vorgestellt und mit dem freundlichen Tipp (… oder sollte das eine Warnung sein?) versehen: „Diese können Sie drücken, wenn Ihnen der Sinn nach Spaß steht.“ Okay, ist gespeichert.

Endlich kann es losgehen. Gang rein (d. h. Wählhebel auf D-Position stellen), M1 drücken und voooorsichtig das Gas betätigen. Der Wagen rollt an, dabei lässt der Motor keinen Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit. Kleinste Gasbewegungen werden mit einer Spontanität beantwortet, welche einer zwei Tonnen schweren Limousine eigentlich nicht zuzutrauen ist.

Foto:L.E.

Foto:privat

Im Vorfeld hatte sich der Fahrer überlegt, wo es hingegen soll. Eine Rennstecke gibt es in Nordthüringen leider nicht, so sollten wenigstens viele Kurven, etwas Landstraße und Autobahn dabei sein. Die erste Wahl: der Kyffhäuser! Der M5 gibt sich im Stadtverkehr lammfromm. Hinter Bielen gibt es die erste Gelegenheit einmal kräftiger aufs Gas zu treten. Das Ortsausgangsschild dient dabei als Startflagge. M2-Taste drücken, das Getriebe schaltet automatisch runter, die Gurte straffen sich von selbst, die Lenkung wird straffer, der Moter brüllt auf und der Fahrer wird mit einem kräftigen Ruck in den Sitz gedrückt. Schon liegt Tempo 100 an. Die nackten Zahlen: den Zwischensprint von 50 auf 100 km/h erledigt die Limousine in 1,8 Sekunden! Das Ergebnis ein kurzer aber heftiger Adrenalinstoß, schweißnasse Hände und die Erkenntnis, dass man vor diesem Motor niemals den Respekt verlieren darf.

Danach geht es auf die fast leere Autobahn in Richtung Leipzig. Schnell lernt man die Kehrseite einer High-Performance-Limousine kennen. Das Fahrwerk ist hart – besser gesagt – knallhart. Alles andere wäre nur eine schmeichelnde Umschreibung. Durch das optionale „Competition“-Ausstattung sogar noch ein wenig knallhärterchen als der Standard-M5. Interessant ist, dass BMW der 2020-Version Teile des Fahrwerks des aktuellen M8 spendiert hat, wodurch das Fahrwerk etwas nachsichtiger reagieren sollen.

Alles andere kann man als „lässig“ bezeichnen. Mühelos wird Tempo 180 erreicht, nochmals M2-Taste drücken. Das Monster unter der Haube brüllt und drückt den Fahrer wieder in den Sitz. Tempo 200, 220, 240, 260 km/h … nur der Fahrer kann entscheiden wann Schluss ist. Der Motor kennt keine Fahrwiderstände! Unglaublich! Dabei musst der Verfasser der Zeilen vor Fahrtantritt seiner Lieben zu Hause versprechen, „langsam“ zu fahren.

Foto:L.E.

Foto:privat

20 min später geht kommt die Biker Oase „Cafe`36“ am Fuß des Kyffhäusers in Sicht. Mehrerer Biker starten gerade die 36 Kurven zum Kyffhäuserdenkmal. Schnell die M2-Taste gedrückt und hinterher. Die Geschwindigkeitsbeschränkung ist rigoros und schnell ausgeschöpft. Die Biker sehen diese eher als freundliche Empfehlung an, denn als Muss. Aber die Biker können dem M5 kaum davonfahren. Speziell in den Kurven klebt das Fahrwerk den M5 auf den Asphalt. Seitenneigung, quasi null! Auf den kurzen Geraden reizt es ungemein den Gasfuß ein kleinwenig länger als es die Vernunft erlaubt gedrückt zu halten. Nimmt man das Gas dann weg, schaltet das Getriebe automatisch mit Zwischengasstößen runter. Gefühlt schreit der Moter jedes Mal „Feigling, Feigling“! Also Nerven behalten und Heil oben ankommen. Beim Abzweig zum Kyffhäuserdenkmal ist der Spaß der 36 Kurven vorbei. Was bleibt, ein Motor der ein wenig ins Schwitzen gekommen ist und ein Fahrer der das breite Grinsen nicht abstellen kann.
L. E.

Teilen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Bitte lesen Sie die Datenschutzbestimmungen und stimmen diesen zu

*