Bibermanagement geht in die nächste Runde

0

NABU Thüringen führt Projekt zum Schutz des Bibers weiter

Jena – Das Bibermanagement des NABU Thüringen geht in die nächste Runde. Das aus Mitteln der Europäischen Union und durch den Freistaat Thüringen geförderte Projekt läuft bis 2018.

Ziel soll es sein, bei Konflikten mit dem Biber zu beraten und zu vermitteln sowie praktische Maßnahmen umzusetzen. „Mit dem aktuellen Projekt bauen wir auf unsere erfolgreichen Vorgängerprojekte auf und beraten zu Biberfragen“, sagt Marcus Orlamünder, der Projektkoordinator. Der gebürtige Thüringer studierte in Eberswalde Landschaftsnutzung und Naturschutz und leitete bereits die letzten Biberprojekte beim NABU. Mit Begeisterung erzählt er vom Biber und seinen großartigen Leistungen für das Ökosystem: „Biber sind richtige Ökosystem-Ingenieure. Wenn die großen Nager genügend Raum in der Aue und am Gewässer bekommen, gestalten sie Lebensräume, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten direkt profitieren. Amphibien und Fischarten nehmen sprunghaft zu und auch deren Dichte erhöht sich deutlich. Vom Fisch- und Amphibienreichtum der Biberseen profitieren Schwarz- und Weißstorch, Eisvogel, Ringelnatter sowie weitere Tierarten. Libellen, Fledermäuse und Spechte nutzen die Gehölzstrukturen, die sich durch die Biber im Gewässer und an den Ufern herausbilden.

„Unsere Auenlandschaften wurden über Millionen von Jahren von Bibern mitgeformt und geprägt, die Gewässerfauna und auch die typischen Gehölze am Gewässer sind perfekt an den Biber angepasst. Kehren die Biber jetzt an die heimischen Gewässer zurück, reagieren die Arten sofort und wir erhalten eine ungeheure Natürlichkeit und Artenfülle“, erklärt der Bibermanager. Deshalb werden im Rahmen des Projektes Konzepte entwickelt wie der Schutz des Bibers und seiner gestalteten Lebensräume praktisch realisiert und gemeinsam mit Landnutzern und Kommunen umgesetzt werden kann.

Biber leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Es gibt dazu Untersuchungen aus den USA, die belegen, dass sich Hochwasserereignisse durch Biberdämme in ihrer Häufigkeit deutlich verringern. „Das Wasser verweilt durch die Biberdämme einfach länger in der Landschaft. Dies kann dazu beitragen extreme Hochwasserereignisse abzumildern“, so Orlamünder.

Im Herbst und Winter werden durch das pelzige Tier Bäume gefällt und im gesamten Jahresverlauf baut er Dämme. Nach über 400 Jahren Abwesenheit des Bibers in Thüringen muss der Mensch erst wieder lernen, mit ihm zu leben. „Genau dort setzt unser Projekt auch an. Wir informieren vor Ort und können deshalb viele Konflikte mit dem Biber im Vorfeld verhindern beziehungsweise schaffen es diese abzumildern.“

Der NABU unterstützt beispielsweise bei Zäunungs-, Schutz-, und Abwehrmaßnahmen und bei deren Umsetzung. Weiterhin werden im Projektrahmen praktische Maßnahmen zur Nahrungs- und Habitatverbesserung für den Biber und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt. Auf Informationsveranstaltungen und Exkursionen lädt der NABU Interessierte und die lokale Bevölkerung ein, sich zum Biber, seiner Lebensweise und der möglichen Konfliktprävention zu informieren.

Zusatzinfo

Der Europäische Biber wandert auf natürliche Weise nach Thüringen ein und breitet sich hier langsam und stetig aus. Vor allem an Saale und Werra sowie deren Zuflüssen gibt es Biberreviere, einen weiteren Schwerpunkt bildet Südthüringen. „Wir gehen von 150 – 200 Bibern im Freistaat aus“, sagt Marcus Orlamünder.

Das vom Freistaat Thüringen geförderte Vorhaben wurde durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Nähre Information: www.NABU-Thueringen.de

Share.

Leave A Reply

*