Barrierefreie Mobilität im Landkreis

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Über die Chancen und Herausforderungen der barrierefreien Mobilität im öffentlichen Nahverkehr haben jetzt Bürgermeister, Vertreter von Kommunen, Stadt- und Gemeinderäten sowie dem Kreistag diskutiert. Landrat Matthias Jendricke, der zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen hatte, verwies auf die wachsende Bedeutung des Themas. „Es nützt wenig, wenn wir immer mehr barrierefreie Fahrzeuge einsetzen, aber die Haltestellen nicht barrierefrei gestaltet sind“, so Jendricke. Auch der barrierefreie Ausbau von Schulen erreiche erst dann seine volle Wirkung, wenn Schüler mit Beeinträchtigungen gemeinsam mit ihren Mitschülern mit dem regulären Busverkehr zur Schule fahren können. Dafür fehle es vielerorts noch an den entsprechenden Voraussetzungen, so der Landrat. Hier sind die Kommunen am Zug, die für die Haltestellen zuständig sind. Und die Zeit drängt, denn der Bund hat als Zielsetzung festgelegt, dass bis Ende 2021 eine „vollständige Barrierefreiheit“ im ÖPNV erreicht werden soll. Diesem Ziel folgt auch der neue Nahverkehrsplan von Stadt und Landkreis Nordhausen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage vieler Städte und Gemeinden stellt das jedoch eine besondere Herausforderung dar.

Bis zum Jahr 2035 wird etwa jeder dritte Einwohner des Landkreises Nordhausen 65 Jahre und älter sein. Doch nicht nur für ältere Menschen spiele die Barrierefreiheit im ÖPNV eine wichtige Rolle, unterstrich der Behindertenbeauftragte des Landkreises Michael Reinhold, sondern auch für Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wie Geh- oder Sehbehinderungen, damit sie ohne fremde Hilfe Bus und Bahn nutzen können. Dafür wird die Flotte der Verkehrsbetriebe in den nächsten zweieinhalb Jahren schrittweise auf barrierefreie Fahrzeuge umgestellt, so Thorsten Schwarz, Prokurist der Verkehrsbetriebe. Im Busverkehr innerhalb der Stadt Nordhausen werden bereits ausschließlich Niederflurfahrzeuge eingesetzt. Handlungsbedarf gibt es dagegen insbesondere noch bei den Haltestellen. „In den Gemeinden ist in den letzten Jahren zu wenig passiert, hier wollen wir Hilfestellung geben“, erläutert Marcel Hardrath, ÖPNV-Koordinator im Landratsamt.

Insgesamt gibt es im Landkreis Nordhausen rund 500 Haltestellen bzw. Bussteige, die die Verkehrsbetriebe bis Ende des Jahres umfassend untersuchen, beispielsweise die Nutzungsfrequenz und die Verkehrssituation vor Ort. Dies wird dann in einer Datenbank erfasst und der Umbaubedarf priorisiert. Die Verkehrsbetriebe unterstützen Kommunen auch dabei, den Stand der Barrierefreiheit der Haltestellen nach einer Checkliste der Hochschule Erfurt zu beurteilen. Sollte ein Umbau erforderlich sein, berät das Landratsamt zu Fördermöglichkeiten. Die Kommunen sind bis Ende August aufgerufen, ihren Investitionsbedarf beim Landkreis anzuzeigen. Das Land Thüringen fördert Baumaßnahmen an Haltestellen mit bis zu 80%. Dafür stehen jährlich 3 bis 3,5 Mio. Euro bereit. Einige Haltestellen wie die neugestaltete Bushaltestelle am HSB-Bahnhof in Niedersachswerfen sind aus der Perspektive der Barrierefreiheit bereits sehr gut aufgestellt, andere wie die stark frequentierte Haltestelle am Löwentor in Bleicherode stehen ganz oben auf der Prioritätenliste der erforderlichen Umbaumaßnahmen.

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