Auswärtsfahrt ins Ungewisse

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Nach dem glücklich gewonnenen DHB-Pokalfight beim Zweitligisten VfL Waiblingen tritt der Thüringer HC bereits am Mittwoch zum nächsten Auswärtsspiel beim Deutschen Meister und EHF Champions League-Teilnehmer Borussia 09 Dortmund an. Der THC steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe, zumal das Pokalspiel gezeigt hat, dass die durch zahlreiche Coronaerkrankungen geschwächten Spielerinnen längst nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Am Samstag in dieser Woche folgt zudem das Auswärtsspiel bei der HSG Bensheim/Auerbach. Drei Auswärtsspiele in einer Woche sind unter diesen Umständen unverantwortlich. Die spielleitende Stelle der HBF hat darauf keine Rücksicht genommen.

Rückblick:
Es war ein zähes Ringen im Viertelfinale des DHB-Pokals, wo sich nach einem verwandelten Siebenmeter der THC geradeso in letzter Sekunde gegen den Zweitligisten VfL Waiblingen durchsetzte. Ende gut ist jedoch dieses Mal nicht alles gut! Josefine Huber hat sich schwer am Knie verletzt. Montag morgen wurde u. a. ein Kreuzbandriss diagnostiziert, damit fällt die Mannschaftskapitänin und Abwehrchefin für längere Zeit aus. Die Saison ist für sie beendet. Ein Pyrrhussieg, der besonders wehtut, wenn man bedenkt, dass dieses Wochenende bereits der 14. Bundesligaspieltag ansteht. Der Thüringer Bundesligist hat erst neun seiner Erstligaspiele absolviert. Am Mittwoch, 19:30 Uhr wird der verschobene 13. Spieltag in Dortmund nachgeholt. Herbert Müller hat mit den 14 Spielerinnen, die mit nach Waiblingen gereist waren, nach Möglichkeit durchgewechselt, aber einige wenige mussten fast die gesamte Zeit auf der Platte stehen, weil nicht alle den gleichen Genesungsstatus zu verzeichnen haben. Deutlich zu sehen war im Livestream, dass noch nicht alle ihre Normalform erreichten, andere wiederum blieben in ihrem Leistungsvermögen weit hinter ihren sonstigen Möglichkeiten zurück. Dieses krankheitsbedingte Defizit zeigte sich gerade im fehlenden Tempospiel und damit in einer desaströsen Angriffsleistung. Lagen dort schon zuletzt die Schwächen der diesjährigen Mannschaft, kamen diese unter den Coronabedingungen erst recht zum Tragen. Da wurden reihenweise freie Würfe gegen die bravourös haltende Torhüterin vergeben und auch sonst unkonzentriert beim Abschluss geworfen. Zum Glück stand die Deckung besser und arbeitete gut mit Laura Kuske zusammen. So kam das Team mit nicht nur einem blauen Auge davon.

Zum Spiel:
Die bevorstehende Aufgabe ist mit dem Pokalspiel nicht vergleichbar. Jetzt reist der THC zu einem Topteam, dass aktuell auch in der EHF Champions League eine gute Figur macht. Der BVB hat gegen gute internationale Konkurrenz sehr gute Leistungen abrufen können und in der Gruppenphase bisher mehr Punkte erzielen können als der THC oder andere deutsche Mannschaften zuvor. In der diesjährigen Saison ist die Tabellenspitze gut sortiert: die SG BBM Bietigheim ist turmhoch allen anderen Teams nach Etat und Kaderqualität überlegen und unterstreicht das mit gleich mehreren Durchmärschen in der Liga, im Pokal und in der Gruppenphase der EHF European League.Am Samstag war der BVB gegen Bietigheim im Viertelfinale des DHB-Pokals chancenlos. Chancenlos ist das richtige Stichwort, will man die Erwartungen unserer Mannschaft in Dortmund bewerten. Nach der SG BBM Bietigheim hat der Deutsche Meister auf Rang zwei ebenfalls eine Sonderstellung, an der nicht zu rütteln ist. Dort spielen die Hälfte der DHB-Auswahlspielerinnen und Weltstars wie Laura van der Heijden. Selbst ohne Coronageschwächte wären die Thüringerinnen aktuell hoffnungslos unterlegen. Für Herbert Müller geht es vor allem darum, seine Mannschaft nicht zu überfordern. Das Team wird sich tapfer wehren und aus dem Spiel gegen den übermächtigen Gegner lernen. Es wird eine Ochsentour: eine weite Auswärtsfahrt mit einer Mannschaft, die aufgrund der Coronanachwirkungen jenseits ihres Leistungsvermögens steht und um Prügel einzustecken. So macht Leistungssport im Allgemeinen und Handball im Besonderen wahrlich keinen Spaß.

Zum Kader:
Nach den Kaderveränderungen Ende Januar standen Herbert Müller noch 14 Spielerinnen zur Verfügung, davon über die Hälfte nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Mit Josefine Huber fällt nun eine Korsettstange der Mannschaft bis zum Saisonende und darüber hinaus aus. Das wird das Mannschaftsgefüge weiter erheblich schwächen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Deckung neu sortieren lässt. Auf Annika Meyer kommen lange Einsatzzeiten am Kreis zu. Dabei ist gerade die Kreisläuferposition für das THC-Spiel, das nicht gerade rückraumdominiert ist, sehr wichtig. Kim Braun sitzt zwar schon mit auf der Bank, hat bisher noch nicht die nötige Spielpraxis und Jennifer Rode ist noch auf dem Weg, um voll in das THC-Spiel integriert zu werden.

Bericht: HaJo Steinbach

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