Aus dem Leben eines Journalisten – Teil 7

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Das Girl von Ipanema aus dem Bossa-Nova-Supersong ist mir nicht begegnet. Aber bei Besuchen in Rio de Janeiro saß ich mit einem Kollegen vor Ort oft in der Strandbar, wo Carlos António Jobim diesen Welt-Hit komponierte. Der Alemao Martin Gester hatte es in Jahren geschafft, in ein Volleyball-Team berufen zu werden. Das war die Taufe als echter Carioca. Bei einem Staatsbesuch mit Bundespräsident Carstens residierten wir zu Phantasie-Preisen in einem Luxushotel an der Copacabana.

Mit dem deutschen „Radsport-Papst“ Helmer Boelsen und zwei Frankfurter Reportern nahm ich an den letzten drei Etappen einer Tour de France teil. Nach dem Finale auf den Champs Elysees starteten wir aus Paris zur Heimfahrt. Ich zog das Los für den Abschnitt von der Grenze zum Main. Bei aufgehender Sonne blinzelte ich mehrmals im Sekundenschlaf auf der fast leeren Autobahn. Zu unser aller Glück griff mein Beifahrer ins Lenkrad, als vor uns eine Sperre eine Umleitung anzeigte. Der Schock saß lange in meinen Gliedern.

Das bittere Ende Muhammad Alis mit anzusehen, blieb mir auf den Bahamas erspart. Dort hatte ich nach einem Interview mit dem Premier Jamaikas vor dessen Deutschland-Besuch einen Zwischenstop eingelegt. Im Hotel liefen die Vorbereitungen für den Fight des „Größten“ gegen den Kanadier Trevor Berwick am 11.Dezember 1981. Bei seinem dritten Comeback-Versuch wurde das einstige Box-Idol regelrecht verprügelt. Das „Drama on Bahama“ sollte der letzte Kampf des früheren Cassius Clay bleiben, der schon an Parkinson litt.

Der Verleger setzte sich an die Setzmaschine, sein „Schriftleiter“ besorgte den Umbruch, und der Volontär fertigte die Austrägerinnen ab. So brachten wir Notausgaben des „Bad Lauterberger Tageblatts“ heraus, als das graphische Gewerbe in Niedersachsen in den fünfziger Jahren streikte. Mir fiel eine schwere Aufgabe zu! Ich musste auf einer alten NSU 125 die fristlose Kündigung allen Mitarbeitern des Verlages Kohlmann überbringen. Das haben Buchbinder, Metteure und Setzer mir persönlich aber nicht übel genommen.

Der Flug kostete nichts – mit einem Privatjet der Telekom zum Start der Tour de France 1998 nach Dublin zum Zeitfahren. Spitzen-Manager Ron Sommer nahm seinen Sohn mit, um ihm das As im Telekom-Team, Jan Ulrich, vorzustellen. Das geschah, bevor der Doping-Skandal aufflog. Für mich war es ein teurer Fluch. Wie viele Millionen von Kleinaktionären war ich auf die flotten Werbesprüche Manfred Krugs, der darunter bis zu seinem Tode litt, vor der dritten Trance hereingefallen und verlor ein hübsches Sümmchen. Die Traumstrände von Acapulco sah ich nur aus der Luft. Bei einem Besuch in Mexiko zur Amtseinführung eines neuen Präsidenten hatte ich mich in einem alten Kloster einquartiert, das als einfaches Hotel neben den Mammut-Häusern internationaler Ketten umfunktioniert worden war. Als einzigen Luxus boten die kargen Zellen eine Dusche. Zu früher Mönchsstunde wurde ich zum Flugplatz abgeholt. Die Sonne ging neben dem Popocatepetel auf, als der Arbeitsdirektor des Staatskonzern Pemex mit mir zu einem Kongress an die Westküste flog.

Die Antarktis ist ein weißer Fleck im Korrespondenten-Netz der Medien. Indem ich Info-Quellen aus den Staaten, die einen Claim auf dem Sechsten Kontinent abgesteckt haben, ausschöpfte, konnte ich im NDR mehrmals über den Schutz und die Erforschung dieser eisigen Welt berichten. Ein Nordhäuser war für die Antarktis im Bundesforschungsministerium zuständig. Ministerialrat Dr. Jürgen Arnold vertrat Bonn auf Antarktis-Konferenzen. Sein Vater hatte früher eine Fabrik für Schulkreide in Ellrich und wurde nach 1945 enteignet.

Vom Tellerwäscher zum Millionär kommt heute nur noch selten vor. In unserer Nachbarschaft gelang es. Ein Telekom-Techniker erfand ein weltweit verkauftes Patent, das Ferngespräche aus dem Ausland abbricht, wenn der Teilnehmer nicht liquide ist. Der Mann der SPD-Ortsvorsitzenden in Bad Honnef verkaufte das von ihm geschaffene Internet-Portal „Meine Stadt“ für 50 Millionen € an den Springer-Verlag – und baute ein Luxusvilla am Rande des Naturschutzgebiets im Siebengebirge.

Wer nicht geimpft war, bekam im heißen Sommer 1945 in Nordhausen wegen der Seuchengefahr nach den verheerenden Luftangriffen nach Ostern kurz vor Kriegsende keine Lebensmittel-Marken. Die verschiedenen Impfungen folgten in kürzeren Abständen als heute. In der Gaststätte „Reichshof“ nahe dem Bahnhof füllte Äther-Geruch den engen Raum. Dazu noch eine monströse Spritze, und ich bekam ein Trauma. Noch Jahre danach konnte ich keine Impf-Szene im Fernsehen anschauen.

Manfred Neuber

(Fortsetzung folgt)

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