Amerika: Auf historischen Gleisen ins Eisenbahnmuseum

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Erinnern sie sich noch an unseren Artikel „Von Thüringen nach Amerika“? Nun geht es weiter. Knut Mehler schildert in dem folgenden Reisebericht seine persönlichen Eindrücke , welche er auf einer besonderen Zugreise sammeln konnte.

„Eine Reise mit dem Zug entlang eines der größten Seen der Welt“

„Meine Arbeit auf dem Forschungsschiff ‘Lake Guardian’ brachte mich kürzlich nach Duluth, der viertgrößten Stadt im Bundesstaat Minnesota. Duluth liegt am westlichsten Punkt des Lake Superior und ist bekannt für ihren riesigen Hafen mit internationalem Schiffsverkehr, die berühmte Hubbrücke und die teilweise extreme steilen Straßen, die ein wenig an San Francisco erinnern.

Ein verlängertes Wochenende machte es mir und meinen Kollegen möglich, das Nordufer des Lake Superior mit der Bahn zu erkunden. Wir buchten unsere Tickets über die North Shore Scenic Railroad, die verschiedene Tagesausflüge in historischen und restaurierten Zügen anbietet. Unsere Fahrt führte uns über die historische Lake Front Bahnlinie von Duluth bis ins 40 km entfernte Two Harbor.

Unsere Reise startete gegen Mittag. Vom Railroad Museum Duluth ging es mit einer alten restaurierten Diesellok (EMD Great Northern # 192) und zwei Wagons aus dem Jahr 1951 entlang der Innenstadt von Duluth, sowie über die historischen Außenbezirke des Lake Superiors nach Two Harbors.

Diese Eisenbahnlinie war über 100 Jahre lange eine wichtige Verbindungsstrecke, besonders zu Zeiten der Stahlindustrie in Minnesota. Aber durch das immer stärkere Aufkommen des Automobilverkehrs in den 1960er Jahren und die sich ändernden Wirtschaftbedingungen in den 1980er Jahren wurden diese Linie eingestellt. Mitglieder des Lake Superior Railroad Museums erkannte jedoch den touristischen Wert der Strecke und kauften diese durch Spendengelder dem Bundesstaat Minnesota ab. In einer Zeremonie im Juni 1989 wurde die Strecke wiedereröffnet und erhielt ihren heutigen Namen. Nach ca. 2 Stunden Fahrt in Two Harbors angekommen, erwartete uns ein Besuch in der lokalen Brauerei, wo das Bier locker mit dem aus Deutschland mithalten kann. Zur Überraschung der viele Eisenbahnfans an Bord stand gleich neben der Brauerei eine Big Boy – eine der größten und leistungsstärksten Dampflokomotiven der Welt. Mit einer Leistung von über 6000 PS wurden diese Lokomotiven von 1941 bis 1957 hauptsächlich in den Rocky Mountains eingesetzt um Güterzüge über die steilen Bergpässe zu befördern. Während des 2. Weltkrieges wurden die Mallets besonders für die Zulieferung von Eisenerz zu den Stahlwerken eingesetzt, um Waffen sowie Stahl für die Bauindustrie zu produzieren.

Die hier ausgestellte #229 ist eine DM & IR Yellowstone Mallet und eine von nur 18 Lokomotiven ihrer Art. Fertiggestellt wurde sie im Winter 1943 im Baldwin Locomotive Werk in Pennsylvania. Die Yellowstone Mallet ist 40 m lang und wiegt voll beladen mit 26 Tonnen Kohle und 95,000 Liter Wasser 500 Tonnen. Die geplante Auslieferung nach Minnesota verzögerte sich, da die dortigen Erzminen während der langen Winter geschlossen sind. So wurde #229 an die Denver Rio Grande & Western Railroad geliefert, um schwere Frachtzüge über die Rocky Mountains zu transportieren. Im Frühjahr 1943 wurde sie direkt nach Two Harbors ausgeliefert wo sie nach Jahrzehnten harter Arbeit 2011 restauriert und für die Nachwelt ausgestellt wurde. Am Ende der Reise stand noch ein Besuch im Lake Superior Railroad Museum in Duluth an, wo alte Lokomotiven und Wagons aus dem späten 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Dieselok liebevoll restauriert und ausgestellt werden. Auf den nachfolgenden Bildern sind einige der Exponate zu sehen. Mehr Informationen über das Museum finden sie hier: https://www.lsrm.org

Lange Rede, kurzer Sinn- hier nun noch einige Impressionen

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