Alternativen zu russischem Gas verfügbar machen

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München, 6. April 2022

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat sich dafür ausgesprochen, Alternativen zu russischem Gas aufzubauen. „Wir brauchen Parallelstrukturen, um Gasimporte aus Russland in künftigen Krisen falls notwendig schnell und zu tragbaren Kosten unterbrechen zu können“, schreibt er in einem Aufsatz für den ifo Schnelldienst. Dies sei aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen einem vollständigen Ausstieg aus russischem Gas vorzuziehen, unabhängig davon, ob die Importe während des Krieges unterbrochen werden. „Falls es überhaupt sinnvoll ist, Gasimporte aus Russland einzustellen, dann sofort“, schreibt Fuest weiter. „Ob wir 2024 diese Importe beenden wollen, wie die Bundesregierung jetzt plant, erscheint heute sehr zweifelhaft.

Nach dem Ende des Ukraine-Krieges erscheint es sowohl im Hinblick auf Kosten der Energieversorgung als auch strategisch klüger, weiter Gas aus Russland zu importieren, aber gleichzeitig Parallelstrukturen zur Verfügung zu haben, unter anderem Häfen für Flüssiggas und andere neue Bezugsquellen, damit man bei Bedarf schnell auf russisches Gas verzichten kann. Dies sollte EU-weit koordiniert werden und führt letztlich zu einer Gasversorgung, die teurer ist als bisher, aber eben auch deutlich sicherer.“ Damit würde aus der heutigen beidseitigen Abhängigkeit zwischen EU und Russland eine Abhängigkeit Russlands von der EU und damit eine unter strategischen Aspekten bessere Situation für die EU. Ein dauerhafter Abbruch der Gasimporte beende zwar die Abhängigkeit der EU von den Importen, es entfalle aber auch die Möglichkeit, auf Russland Druck auszuüben. Ob Russland bereit wäre, sich in diese einseitige Abhängigkeit zu begeben, sei eine offene Frage.

Aufsatz: „Der russische Überfall auf die Ukraine: Folgen für die Konjunktur und wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf“, von Clemens Fuest, in: ifo Sonderschnelldienst April 22

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