„Abraham bekommt neue Arme“ – Restaurative Erhaltung von historischen Objekten in den Kirchen des Südharzes

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Zum letzten Vortrag des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins kamen ca. 35 Gäste, um sich über die „Restaurierungsarbeiten in den Kirchen des Südharzes“ von Antje Pohl zu informieren.

In ihren Ausführungen ließ sich die Restauratorin über die Schultern schauen und gewährte Einblicke in die Herausforderungen, die bei verschiedenen Phasen der Restauration von historischen Objekten auftreten können, die dann beispielsweise eine Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen erforderlich macht. Die etwa 1592 errichtete Kanzel in der Blasii-Kirche brachte so mancher Pfarrerin und manchem Pfarrer beim Besteigen ein mulmiges Gefühl. Nicht unbegründet sollte dies sein, denn bei der Öffnung der Kanzel kamen lockere Holzbalken, die nicht mehr mit der Wand verbunden waren, zum Vorschein. Mit Hilfe eines Stahlbalkens wurde die Kanzel wieder mit der Wand zusammengebracht und damit wurde auch gleich so manches Gewicht von dem Kanzelträger „Abraham“ genommen. Die Figur selbst wurde auch von Antje Pohl wieder in einen sehenswerten Zustand gebracht mit Nase, Armen und Gold und Farbe. Bei der Arbeit mit den Farben ging es besonders um die Rückführung in den Originalzustand, von dem sich die Kanzel durch vorangegangene Restaurationsarbeiten im frühen 19. Jhd. und um 1906 entfernt hat. Die Entfernung der Farbschichten brachte so manche Überraschung zum Vorschein, wie ein Schriftband, das intensive Quellenarbeit bedurfte. Bei der Restauration geht es u. a. auch um die Frage, welchen Zustand man erreichen möchte und man erreichen kann. Dies stand bei den verschiedenen Phasen der Restaurierung von dem klassizistischen Altar in Auleben und der Kirchendecke in Großbodungen im Raum. Dabei konnte so mancher Wunsch von der jeweiligen Kirchengemeinde berücksichtigt werden. So wünschte sich die Bielener Gemeinde für den Scheindeckel über der restaurierten Kanzel mit neuer Treppe eine Taube als zentrales Motiv des Deckels. Ebenso wurden die Arbeiten in den Kirchen in Sülzhayn und in Großbodungen vorgestellt. Bei allen Beispielen wurde deutlich, dass es bei einer Restauration von historischen Objekten aus einer Kirche nicht nur um den Erhalt geht, sondern auch um die Identifikation der Menschen vor Ort mit der Geschichte, die im neuen Glanz erscheint. Aus den Fragen und Impulsen von den Gästen wurde deutlich, dass es noch viele interessante und wichtige Objekte im Südharz gibt, die für eine Restauration in Betracht kommen würden und man die Hoffnung hat, Antje Pohl bei der Restauration eines Objekts im eigenen Ort dann auch über die Schultern sehen zu können.
Für den Vortrag danken die Geschichtsfreunde der Referenten recht herzlich.

Dr. Marie-Luis Zahradnik

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