Abgasmanipulation bei VW: US-Kanzlei startet deutsche Sammelklage

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Auch europäische Besitzer von Autos mit Betrugs­software aus dem VW-Konzern haben eine Chance auf Schaden­ersatz. Auf der Seite my-right.de können sich Interes­senten registrieren. Hinter der Sammelklage steckt US-Star­anwalt Michael D. Haus­feld. test.de hat sich das Angebot angeschaut und sagt, ob es fair ist.*

Anwalts­legende will für deutsche Fahrer kämpfen

In den USA ist Anwalt Michael D. Haus­feld eine Legende. Er hat etliche Milliarden Dollar Schaden­ersatz für Opfer von Diskriminierung, Umwelt­verschmut­zung und Menschen­rechts­verletzungen erkämpft. Auch bei den Klagen von amerikanischen Opfern der VW-Manipulationen mischt er mit. Bei solchen „class actions“, bei denen einzelne Musterkläger stell­vertretend für alle anderen Opfer vor Gericht ziehen, können Unternehmen zu milliarden­schwerem Strafschaden­ersatz verurteilt werden. Alle übrigen Opfer werden anschließend entsprechend der im Muster­prozess ausgehandelten Regeln entschädigt.

Samm­lung von Forderungen

Solche Sammelklagen wie in den USA gibt es in Deutsch­land nicht. Auch zu Strafschaden­ersatz können Unternehmen hier­zulande nicht heran­gezogen werden. Zivilrecht­licher Schaden­ersatz steht Besitzern von Autos mit Betrugs­software aber auch in Deutsch­land zu, erklärt Christopher Rother, Hausfelds Partner in Deutschland und Leiter der Nieder­lassung der US-Kanzlei in Berlin. Durch Abtretung solcher Forderungen an einen Kläger können die Rechte vieler Opfer auch in Deutsch­land gesammelt geltend gemacht werden.

Tipp: In unserem großen FAQ zur Abgasmanipulation bei Volks­wagen und Audi finden sie noch viele weitere Antworten auf Ihre Fragen.

Anwalt rechnen mit mindestens 1 000 bis 1 500 Euro pro Auto

Auf durch­schnitt­lich 1 000 bis 1 500 Euro Minderwert pro Auto schätzt Christoph Rother den Schaden von Opfern des VW-Skandals aktuell. Was genau VW zu zahlen hat, hängt vor allem davon ab, wie gut oder schlecht die Nach­rüstung der betroffenen Autos mit korrekter Motorsteuerung gelingt und was die Autos anschließend wert sind. Einzel­klagen haben praktisch keine Aussicht auf Erfolg. Um die Wert­minderung der Autos zu ermitteln, werden aufwändige Gutachten nötig sein. Die Honorare der Gutachter werden den maximal möglichen Schaden­ersatz im Einzel­fall bei weitem über­steigen und Kläger müssen sie erst­mal vorstre­cken. Auch fähige Rechts­anwälte verlangen in der Regel einen Vorschuss auf ihr Honorar.

Registrierung ist ange­laufen

Bei der Samm­lung von Forderungen durch my-right.de kann mitmachen, wer ein Auto aus dem VW-Konzern mit betrügerischer Motorsteuerung vor Bekannt­werden des Skandals im September 2015 gekauft hat. Er benötigt Kopien oder Scan-Dateien von

Fahr­zeug­schein,
Zulassungs­bescheinigung (Teil 2),
Kauf- oder Leasing­vertrag und
gegebenenfalls Kredit­vertrag.

Die Unterlagen muss er entweder bei Registrierung auf my-right.de hoch­laden oder später per Post schi­cken. test.de hat es ausprobiert: Die Registrierung mit Hoch­laden der erforderlichen Unterlagen verläuft problemlos. Die Bedienung klappt auf Anhieb.

Inkasso beim VW-Konzern

Hinter dem Dienst my-right.de steht die Financial­right GmbH aus Hamburg. Das Unternehmen hat eine so genannte Inkasso-Zulassung. Es zieht Forderungen von Verbrauchern gegen Unternehmen wie die Volks­wagen AG ein. Wenn Verbraucher sich über my-right.de registriert haben, schickt das Inkassounternehmen ihnen per E-Mail das Formular für eine „Treuhänderische Abtretung“ aller Schaden­ersatz­forderungen gegen VW. Wenn Verbraucher es ausdrucken, unterzeichnen und an das Unternehmen schi­cken, gehen deren Rechte auf das Inkassounternehmen über.

Vorgehen gegen VW – ohne Kostenrisiko für Auto­besitzer

Financial­right verpflichtet sich, die von den Kunden abge­tretenen Rechte gegen VW durch­zusetzen und Schaden­ersatz zu fordern. Bietet VW außerge­richt­lich eine aus Sicht des Unter­nehmens ausreichend hohe Zahlung an, wird Financial­right einen Vergleich mit dem Auto­hersteller schließen. Darin wird fest­gelegt, wie viel Geld Besitzern von Skandal­autos der unterschiedlichen Typen zusteht. Wenn der Auto­konzern gar nicht oder nicht genug zahlt, geht es vor Gericht. Dann kommen die Haus­feld-Anwälte zum Zuge, allen voran Christopher Rother. Wenn VW am Ende zahlt, behält das Unternehmen 35 Prozent des Geldes. 65 Prozent des auf sie entfallenden Schaden­ersatzes erhalten die Auto­besitzer. Wer den Vergleich am Ende für unzu­reichend hält, kann aussteigen und auf eigene Faust mehr fordern. Er schuldet Financial­right dann allerdings das Honorar, also 35 Prozent der angebotenen Entschädigung.

Geschäfts­bedingungen auf dem Prüf­stand

In den Geschäfts­bedingungen von my-right.de fanden die Gutachter der Stiftung Warentest nur winzige Schwächen. So bleibt unklar, wie lange Interes­senten an ihr – mit Online-Registrierung – abge­gebenes Angebot gebunden sind, das Unternehmen zu beauftragen. Der Vertrag kommt nämlich erst zustande, wenn das Unternehmen das Angebot der Kunden ausdrück­lich annimmt. Eine Frist dafür findet sich in den Geschäfts­bedingungen nicht. Praktisch ist das kein Problem: my-right.de-Kunden können ihr Angebot ohnehin jeder­zeit bis zwei Wochen nach Vertrags­schluss widerrufen. Noch ein kleiner Mangel: In der Widerrufs­belehrung steht zwar richtig: Auch per Fax ist der Widerruf möglich. Es fehlt allerdings die Faxnummer dafür.

Schwer verständliche Daten­schutz­bestimmungen

Geringe, aber ärgerliche Mängel haben auch die Daten­schutz­bestimmungen. Sie sollen zwar offensicht­lich den bei seriösen Online-Shops üblichen Umgang mit Daten beschreiben und es ist wohl auch keine Weitergabe von Daten jenseits gesetzlicher Rechte und Pflichten beabsichtigt. Für Verbraucher ist das aber kaum verständlich erklärt. Auch nicht schön: My-right.de setzt das Analyse-Tool Google Analytics ein. Das heißt: Google erfährt von jedem Besucher auf der Seite und kann die Daten mit denen von den Besuchen anderer Webseiten verknüpfen und sie dem Profil eines Internetnutzers zuordnen. Ihm kann Google dann noch zielgenauer auf seine Interessen abge­stimmte Werbung auf den Schirm schi­cken. So etwas ist leider ebenfalls üblich – aber ärgerlich.

Das Fazit: Interes­santer Deal für viele VW-Kunden

my-right.de ist eine bequeme Möglich­keit, Schaden­ersatz­ansprüche gegen VW durch­zusetzen. Wenn es nicht klappt, zahlen Kunden gar nichts. Wenn es klappt, geht gut ein Drittel des Schaden­ersatzes ans Unternehmen. Für viele Fahr­zeug­besitzer dürfte das ein guter Deal sein. Denn die Ansprüche gegen VW selbst geltend zu machen, ist annähernd aussichts­los. Wer eine Rechts­schutz­versicherung hat, kann natürlich ohne Kostenrisiko selbst einen Rechts­anwalt beauftragen – muss ihn aber selbst mit allen erforderlichen Informationen und Unterlagen versorgen. Oft kann die Rechts­schutz­versicherung den Vertrag kündigen, wenn Versicherte einen Schaden melden.

Übrigens: my-right.de ist nicht konkurrenzlos. Die nieder­ländische „Stichting Car Claim“ bietet auf der Grund­lage spezieller nieder­ländischer Verbraucher­schutz­regeln ebenfalls die Chance auf Schaden­ersatz ohne Risiko an. Wie das genau funk­tioniert, sehen wir uns noch genauer an und berichten.

Vor dem Auftrag: Das müssen Sie wissen

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