500 Wirbelsäulen-OP’s in den letzten 3 Jahren

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Mit zehn spannenden Vorträgen und rund 500 Besuchern neigt sich das Programm der diesjährigen Patientenakademie in der Helios Klinik Bleicherode dem Ende entgegen. Michael Huttasch, Oberarzt und Leiter des neurochirurgischen Wirbelsäulenzentrums der Bleicheröder Fachklinik für Orthopädie schließt am Dienstag, den 4. Dezember um 18 Uhr das Jahresprogramm ab und spricht über die Erkrankung des verengten Wirbelkanals. Wie entsteht dieses Krankheitsbild? Kann man den Schmerzen vorbeugen? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Der Spezialist für Wirbelsäulenerkrankungen spricht im Interview über Therapiemöglichkeiten und den Bedarf des Wirbelsäulenzentrums in Thüringen.

Herr Huttasch, was versteht man unter eine Spinalkanalstenose?

Im Spinalkanal der Wirbelsäule verläuft das empfindliche Rückenmark. Eine Verengung dieses Nervenkanals verursacht – je nach Ausprägung – einen Druck auf das Rückenmark. Dies wiederum führt zu Schmerzen beim Gehen und starke Rückenschmerzen.

Welche Ursachen führen zu einem engen Wirbelkanal?

Verschiedene Erkrankungen, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, knöcherner Verschleiß, Wirbelgleitprozesse, Frakturen, Tumore, Blut- oder Eiteransammlungen sind einige wichtige Faktoren, die zu einem engen Wirbelkanal und einer sehr stark eingeschränkten Lebensqualität führen können. Männer im höheren Lebensalter, also etwa ab dem 65. Lebensjahr, sind verstärkt von dieser Erkrankung betroffen.

Gibt es Faktoren, die eine solche Verengung begünstigen oder kann man dem vorbeugen?

Verschiedene Lebensgewohnheiten können die Erkrankung begünstigen, so zum Beispiel eine ungesunde Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, aber auch berufliche Aspekte bei einseitiger Belastung und schwerer körperlicher Tätigkeit. Dies sind nur einige Beispiele. Wir Menschen werden immer älter und wünschen uns auch im hohen Alter eine gute Lebensqualität. Insgesamt wird es immer wichtiger, auf sich und seinen Körper zu achten.

Welche Beschwerden verursacht eine Spinalkanalverengung?

Bei geringer Ausprägung keine, bei hochgradigen Verengungen in erster Linie eine erhebliche Gehstreckenverkürzung, Schmerzen in einem oder beiden Beinen. Wenn es die Lendenwirbelsäule betrifft, treten auch Gefühlsstörungen in den Beinen auf. Komplexer wird das Bild bei einer Stenose in der Halswirbelsäule, die bis zur inkompletten Querschnittlähmung führen kann, wobei auch die Arme betroffen wären. Es gibt also kein Frühwarnsymptom für die Entstehung einer Nervenkanalenge.

Wie wird dann solche eine Stenose festgestellt?

In erster Linie wird die bildgebende Diagnostik eingesetzt. Die Wirbelsäule wird geröntgt oder die Patienten werden im MRT, dem Magnetresonanztomografen, untersucht. Bei Patienten, die z.B. aufgrund eines Herzschrittmachers nicht ins MRT können, wird eine Computertomografie (CT) durchgeführt. Als Ausnahmeuntersuchung kommt auch eine Kontrastmitteluntersuchung des Nervenwassers (Myelografie) in Betracht.

Wie behandeln Sie Patienten mit einem verengten Wirbelkanal?

Bei leichteren Formen mit nur geringen klinischen Problemen kommen nicht-operative Verfahren zur Anwendung, so z.B. unterschiedliche physiotherapeutische Maßnahmen, Schmerzmedikamente, Spritzentechniken usw. Bei ausgeprägten Veränderungen bleibt nur eine operative Behandlung, wobei es verschiedene Verfahren von mikroskopisch mikrochirurgischen Operationen bis hin zu versteifenden Eingriffen gibt.

Bemerken Sie eine steigende Tendenz von Erkrankten mit einer Wirbelkanalverengung?

Prinzipiell ist ein Anstieg sichtbar. Dem liegt die höhere Lebensdauer unserer Menschen zu Grunde, aber auch die verbesserte Diagnostik und zunehmende Aufklärung. Heutzutage werden mehr Spinalkanalstenosen festgestellt, als früher.

Wie sehen Sie den Bedarf des Wirbelsäulenzentrums in Ihrer Klinik?
Der Bedarf für das Wirbelsäulenzentrum ist definitiv da. Das belegen ganz deutlich unsere Zahlen. In den letzten drei Jahren wurden fast 500 Patienten mit Spinalkanalstenosen operiert und weitaus mehr konnten nicht-operativ behandelt werden. Allein in diesem Jahr wurden über 100 Patienten in unserer Klinik am Wirbelkanal operiert. Wir haben damit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region und die Nachfrage ist groß.

Dr. Hertha Ratayski, die damalige ärztliche Direktorin der Helios Klinik Bleicherode, erhielt mit der Gründung des neurochirurgischen Wirbelsäulenzentrums das Bundesverdienstkreuz. Unsere Klinik genießt über die Landesgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf. Deshalb nehmen auch viele Patienten eine weitere Anfahrt auf sich, um sich in Bleicherode behandeln zu lassen.

Die Patientenakademie findet im Hörsaal in der Helios Klinik Bleicherode statt. Der Eintritt ist frei. Auch im nächsten Jahr warten wieder spannende Vorträge auf Sie. Dann geht die Patientenakademie in die vierte Runde!

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