1300 Jahre Frauenbergkirche in Ellrich – musikalische Andacht am 25. Oktober 2020

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Sie hätte eine würdevolle Jubiläumsfeier anlässlich ihres Alters verdient. Nun leidet auch sie unter der CORONA-Pandemie.

Die Kirche Sankt Marie auf dem Frauenberg – von den meisten Bürger Ellrichs einfach Frauenbergkirche genannt – begeht ihren 1.300. Geburtstag und dieses Datum ist mehr als nur eine kleine Anmerkung wert. Dieses Gotteshaus ist nicht nur herrlich gelegen, sondern ist vor allem historisch und touristisch ein „Pfund, mit dem die Stadt Ellrich wuchern könnte“. Die in ihrer ursprünglichen Bezeichnung BEATAEMARIAE VIRGINIS IN MONTE wurde laut manchen Quellen 723 erstmalig urkundlich erwähnt. Viele Historiker sind sich aber einig, dass das erste Gotteshaus, das eine andere Größe, Form und auch Funktion hatte, um 720 erbaut wurde. Damit ist sie nicht nur die älteste Kirche der vormaligen Provinz Sachsen, sondern auch eine der ältesten Sakral-Steinbauten aus der Zeit der Vorromanik östlich des Rheins. Diese ursprünglich einschiffige Kirche wurde vermutlich ähnlich wie viele der christlichen Gotteshäuser in dieser Zeit auf einer ehemals germanischen Kultstätte erbaut. Hier sollte den Quellen nach der heidnische Gott ‚Krodo‘ verehrt worden sein. Seine Funktion – wie wir heute sagen würden – ist nicht genau bekannt. Laut der Sachsenchronik aus dem Jahr 1492 ist Krodo der Gott der Aussaat, der Fruchtbarkeit – ähnlich dem römischen Saturnus. In alten Schriften ist er mit vier Symbolen dargestellt – dem Feuer (das Rad vielleicht die Sonne), der Erde (ein Korb mit Blumen symbolisiert die Fruchtbarkeit der Erde und die vier Jahreszeiten), der Luft (der Lebensatem der Welt soll im wehenden Rockschoß versinnbildlicht sein) und das Wasser (Fisch). In diese Kultstätte wurde die Kirche hineingebaut und erleichterte so die „Christianisierung“ der hier siedelnden Bevölkerung. Und schon ist man wieder in der Sagenwelt angekommen, denn Bonifacius – einer der bekanntesten Missionare und Kirchenreformer dieser Zeit – soll selbst die Urform dieser Kirche – wahrscheinlich einen Holzbau errichtet haben. Sicher ist, dass der Umbau in den heute bestehenden Bruchsteinbau bereits in der Romanik erfolgte. Nachträglich wurden der Chor (Alterraum der Kirche) aus der Längsachse südlich versetzt und die Sakristei in nördlicher Richtung angefügt. Die kleinen und relativ hoch sitzenden Fenster deuten auf die Funktion einer Wehrkirche hin – zur Flucht und Schutz der hier lebenden Menschen in den damals unruhigen Zeiten. Da die Stadt oder Ansiedlung Ellrich erst ca. 150 Jahre später erstmals erwähnt ist, kann diese Funktion – Kirche, Fluchtstätte und Wehrbau – gut nachvollzogen werden. In einer Urkunde als dem Jahre 876 steht Ellrich als „Alarichi“. Mit der Entwicklung der deutschen Sprache kam es zu Umformungen – in Urkunden z.B. 1229 Elreke oder 1256 Elrike. Aber eindeutig und auch erklärlich ist die Bedeutung: ‚alira‘ oder ‚elira‘ = Erle (altsächsisch) und ‚reke‘ = Reihe, Heckenzaun (mittelniederdeutsch), da es in und um Ellrich bedingt durch der Lauf der Zorge (damals nicht in ein Flußbett gezwängt) und die sumpfig, moorige Landschaft keinen Mangel an Erlen, Hecken und Gesträuch gegeben haben dürfte. Erst durch das spätere Wirken der Zisterzienser aus dem Kloster Walkenried änderte sich der Charakter dieser Landschaft. Die Bedeutung der Frauenbergkirche als ein wichtiges Zentrum der Zivilisation dürfte jedoch unbestritten sein, auch wenn sich die Entwicklung der Stadt Ellrich später weiter südlich zu ihren Füßen vollzog. Auch die missbräuchliche Nutzung zu Beginn des 19. Jahrhunderts – Napoleons Truppen stellten ihre Pferde unter – ist nur eine Fußnote der Geschichte. Wie an vielen erhaltenswerten historischen Bauten hat auch an der Frauenbergkirche der ‚Zahn der Zeit‘ genagt und es ist erst kürzlich gelungen, einen Einsturz von Teilen dieses Baues zu verhindern. Für ihre historische Bedeutung und Ausstrahlung kommt hinzu – sie besitzt eines der wenigen erhaltenen Beinhäuser in Thüringen. Dieses Beinhaus wurde zwar wie viele andere seit der Reformation nicht mehr genutzt, die eingelagerten Knochen an anderem Ort bestattet, aber es besteht noch. Durch eine Notsicherung konnte dieses wertvolle und historische Kleinod sowie das Dach des Ostteiles des Langhauses vor einem weiteren Verfall bewahrt werden. Für die zwei gefällten, das Fundament bedrohenden Bäume wurden drei Ersatzbäume auf das umgebende Areal der Frauenbergkirche gepflanzt.
Falls keine weiteren Einschränkungen CORONA-bedingt eintreten wird die Kirchgemeinde am Sonntag, den 25. Oktober um 17 Uhr in einer kleinen Andacht mit musikalischer Umrahmung dieses Jubiläums feiern.

Dres. Hannelore und Wolfgang R. Pientka Kirchgemeinde Ellrich

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