Waldbesitzer können in Zeiten von Dürre und Klimaaufheizung etwas tun

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NABU Thüringen fordert mehr Sensibilität im Umgang mit dem Wald

Jena – In den zurückliegenden Jahren geraten unsere Wälder immer mehr unter Druck. Einerseits ist die Nachfrage am Rohstoff Holz ungebrochen groß, andererseits belasten Dürre und Klimaaufheizung den Wald. Selbst intakte FFH- und Naturschutzwälder sind von ungerechtfertigten Einschlagmaßnahmen betroffen, wie zum Beispiel der große Holzeinschlag von einem Privatwaldbesitzer an der Hohen Schrecke. Ein weiteres von Naturzerstörung geprägtes Beispiel, ist der Kahlschlag eines Pappelwäldchens, mit Rotmilan- und Bussardhorsten, bei Pferdingsleben im Landkreis Gotha – genehmigt vom zuständigen Forstamt. „Wir erleben aktuell, dass großflächig Holz aus unseren Wäldern geholt wird und man kann nur drauf warten, wo die nächste Katastrophe passiert. Selbst Kahlschläge sind in Thüringens Wäldern wieder an der Tagesordnung“, sagt Forstwissenschaftler Dirk Hofmann, der stellvertretende Vorsitzende des NABU Thüringen. Als Argumente für diese gravierenden Eingriffe, werden oft Trockenheit, Sturmschäden und die Bekämpfung des Borkenkäfers genannt. Diese Argumente sind für den Naturschützer nicht nachzuvollziehen: „Durch solche großflächigen Maßnahmen verschwinden noch mehr Bäume aus dem Wald. Weniger Bäume bedeuten wiederum, mehr Aufheizung und Trockenheit für die restlichen Baumbestände. Dazu wird der Wasserspeicherhaushalt für die zukünftige Verjüngung unserer Wälder empfindlich gestört. Das Ergebnis: wir verlieren unsere Wälder aufgrund einer verfehlten und politisch einseitig gedachten Forstpolitik“, so Dirk Hofmann vom NABU Thüringen. „Insbesondere stören uns die massiven Einschläge von wertvollen Altersbeständen in geschützten Laub- und Laubmischwäldern. Wir erleben gerade, dass die altersstarken Schirmbestände, die dem Wald und der darunter stehenden Verjüngung viel Schatten, Feuchtigkeit und kühle Temperaturen bieten, auch der Holzindustrie zum Opfer fallen.“ Laut NABU Thüringen müssen sich die Verantwortlichen unter anderem aus Politik und von Thüringen Forst bewusstwerden, dass totes und absterbendes Holz Wasser in den Wäldern speichert und der voranschreitenden Trockenheit entgegenwirken kann. Baumstümpfe oder umgefallene Bäume spenden dem Waldboden Schatten und durch deren Zersetzung wiederum werden neue Nährstoffe gebildet. Samen können unter diesen Strukturen geschützt keimen und so zu einer klimaangepassten Waldverjüngung beitragen. Ebenso müssen jetzt die starken Altbestände stehen bleiben. Sie sind nicht nur einzigartige Relikte intakter Lebensräume, sondern auch die letzte Hoffnung für das Fortbestehen unserer Wälder.

Der NABU Thüringen appelliert mit seiner Aktion LuchsWald an Waldbesitzer*innen und Politiker*innen, sich für deutlich mehr nachhaltiges Denken im Umgang mit dem Wald einzusetzen. Wald ist nicht nur Holz, sondern auch letzter Lebensraum für seltene und teils bedrohte Arten. Auch der Luchs braucht schattenspendende Bäume und Versteckmöglichkeiten im Wald, um zum Beispiel seinen Nachwuchs erfolgreich aufziehen zu können. Was dem Luchs hilft, nützt auch ganz vielen anderen Tieren und Pflanzen sowie dem Klimaschutz. Ebenso erfreut sich der Mensch an heißen Sommertagen an einer intakten Waldnatur mit kühlen Temperaturen.

Mit der Aktion LuchsWald möchte der Verband ausgewählte Wälder in Thüringen symbolisch auszeichnen, in denen sich Waldbesitzer*innen in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz sowie die Lebensraumvernetzung in ihren Wäldern einsetzen. „Solche Waldgebiete können Luchsen zum Beispiel als potentielle Rückzugsräume, Wurfplätze und sichere Wanderwege dienen“, berichtet der Koordinator des Luchsprojektes, Silvester Tamás. Waldbesitzer*innen, die sich für eine Auszeichnung ihres Waldes interessieren oder dafür bewerben möchten, können sich gerne beim NABU Thüringen melden. Infos unter: www.NABU-Thueringen.de/luchswald

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