Fettercairn Destillerie – der Whisky mit dem weißen Einhorn

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Die Fettercairn Destillerie liegt am Ortsrand des gleichnamigen Orts etwa auf der halben Strecke zwischen Dundee und Aberdeen. Bekannt ist die Destillerie nicht nur für das Einhorn auf dem Label, sondern auch dafür, dass sie eine der ersten Destillerien war, welche nach dem Excise Act von 1823 eine Brennlizenz erwarb. Sir Alexander Ramsay gilt als Gründer der Destillerie.
Ursprünglich trug sie den Namen „Nethermill“ wie die gleichnamige Farm, benannt nach der Mühle, in der alles begann. Ramsay war nicht der Mann, der mit Leidenschaft Whisky herstellen wollte, sondern ein Adliger, dem die Ländereien gehörten und vermutlich eine Nebeneinkunft suchte.
Der erste Pächter war ein James Steward. Dieser schrieb im März 1827 entrüstet an die zuständige Steuerbehörde und beschwerte sich über die Missstände, aufgrund der Schwarzbrenner und -schmuggler in der Gegend. Ironischerweise nahm auch er es nicht so ganz genau mit der Steuer und bekam daraufhin im Frühjahr 1828 ebenfalls Ärger mit der zuständigen Steuerbehörde. Er wurde zu einer Geldstrafe von zwei GBP verurteilt, was zu dieser Zeit einer gesamten Jahrespacht entsprach.
Ende der 1820er Jahre bekam Ramsay – vermutlich ausgelöst durch unlautere Machenschaften seines Pächters – finanzielle Probleme. 1830 beschloss er das Landgut inkl. der Brennerei an Sir John Gladstone zu verkaufen. Dieser war Kaufmann, Abgeordneter des House of Commons und Sklavenhalter in Afrika. Sein Menschenbesitz war derart groß, dass er nach Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1833 von der britischen Regierung die höchste Entschädigungszahlung aller britischen Sklavenhalter erhielt. Aus heutiger Sicht eine absurde Anerkennung seiner Arbeit. Zudem war er auch Vater des viermaligen britischen Premierministers William Ewart Gladstone.
Auch Sir John betrieb die Destillerie nicht selbst. Bis zu seinem Tod 1833 blieb James Steward der Pächter. Danach übernahm Gibb, Durie & Co. – unter Federführung von James Durie – die Pacht. Dieser hatte einen besseren Geschäftssinn, es gelang ihm die Destillerie wieder wirtschaftlich zu betreiben. 1851 übergab James das Management an seinen erst 22-jährigen Sohn David Durie. Bereits 1861 beschäftigte dieser dreizehn Männer und drei Frauen. 1861 werden die Glasgower Robertson & Baxter die Handelsvertretung für den Whisky von Fettercairn.
1881 wird James Wallace zum Destillerie Manager ernannt. 1886 empfing David Durie persönlich den Whiskyjournalist Alfred Barnard, der über Fettercairn folgendes sagte: „Ursprünglich wurde sie zwei Meilen höher in den Bergen, im Herzen des Schmugglerbezirks an den Hängen des Cain o`Mount erbaut, … 1824 wurde dann eine deutlich größere Brennerei in Fettercairn gebaut und die alten Gebäude aufgegeben. Diese liegt nahe dem Esk, einem Fluss, der bekannt für seine wundervolle Umgebung und seinen üppigen Lachbestand ist. …“
1888 schied David Durie aus dem Unternehmen aus und setzte sich in Edinburgh zur Ruhe. Als er 1899 starb hinterließ für die damalige Zeit ein stattliches Vermögen von 47.355 GBP. Insgesamt gibt es aber nur wenige Aufzeichnungen während seiner 28-jährigen Pacht. Es ist jedoch belegt, dass Durie für anspruchsvolle Kunden bereits in dieser Zeit seinen Whiskys in Sherryfässern reifen ließ.
Kurz nach dem Ausscheiden Durie`s zerstörte ein Brand die Hälfte der Produktion und die Gebäude derart, dass das Management gezwungen war, dass Unternehmer bis 1890 zu schließen. Der Whiskycrash, ausgelöst durch die Pattison-Pleite, ging auch an Fettercairn nicht spurlos vorbei. So stand es zum Beginn des 20. Jahrhunderts nicht gut um Fettercairn. Zwar hielt man die Produktion am Laufen, nur an Wachstum war nicht zu denken.
Damit die Brennerei überhaut von Pächtern irgendwie wirtschaftlich betrieben werden konnte, behielt die Familie Gladstone diese noch bis 1923. 1926 musste die Destillerie schließen. Dies blieb so, bis zum Jahr 1939, als es von der Associated Scottish Distillers Ltd., einer Tochter der amerikanischen Gesellschaft Train & McIntyre, Tochter des National Distillers of America, erworben wurde. Manager wurde Joseph Hobbs. Das Unternehmen besaß zu dieser Zeit bereits Bruichladdich, Glenury Royal, Glen Esk, Glenlochy, Benromach und Strathdee. Offensichtlich blieb dies auch in der Zeit des Zweiten Weltkrieses so.
1954 stellte die Associated Scottish Distillers Ltd. den Betrieb ein. Neuer Eigentümer wurde Tom Scott Sutherland welcher 1971 die Destillerie an Tomintoul-Glenlivet verkaufte und landete etwa ein Jahr später über den neuen Besitzer Scottish & Universal Investment bei Whyte & Mackay. Die meisten Quellen sprechen davon, dass Fettercairn seit 1973 zu diesem gehörte. Dessen Blendmaster, Richard „The Nose“ Paterson, verstand es durchaus den eigenwilligen Malt in den hauseigenen Blends einzusetzen.
Fettercairn wurde im Jahr 2007 für 595 Millionen GBP an United Spirits Limited, einer Tochter der indischen The UB Group, verkauft. Ende Oktober 2014 ging Whyte & Mackay für 430 Millionen GBP an Emperador International Limited.
Der Whisky von Fettercairn ist prinzipiell sehr gut ausbalanciert. Die drastische Kritik von Jim Murray aus den 1990er Jahren: „Dieser Malt ist wie Gummi und hat einen Nachgeschmack, den ich nur mit Zahnpasta wieder wegbekomme.“, ist heute nicht mehr gerechtfertigt.
Seit 2010 wurde der Fettercairn Fasque und Fior veröffentlicht. Besonders Fettercairn Fior sprach durch das viktorianisch anmutende Design an. Im August 2018 gaben Whyte & Mackay den Relaunch der Abfüllungen bekannt. Bemerkenswert ist, dass sowohl das Alter, als auch die Preise der Abfüllungen deutlich anstiegen. Die Basis bildet eine erschwingliche 12-jährige Abfüllung für etwa 48 GBP, darüber eine 28-jährige für etwa 500 GBP, eine 40-jährige für etwa 3.000 GBP. Die Krönung der Reihe bildet eine 50-jährige Abfüllung für heftige 10.000 GBP. Aktuell ergänzt eine limitierte 16-jährige die Range.
L. E.

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