Wortmeldung einer 86 jährigen Dampflok.

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Nachdem sich meine ältere Schwester 99 5901 hier präsentieren durfte, möchte ich nun diese Gelegenheit nutzen, mich zu Wort zu melden.
Gestatten, 99 222, so ist meine offizielle Bezeichnung bei meiner Inbetriebnahme 1931. Da ich auch heute noch Dienst tue, drängele ich mich ein wenig vor, denn vom Baujahr bin ich doch noch nicht an der Reihe, aber dafür bin ich größer als die Vorgängerinnen.
Auch ich habe eine bewegte Geschichte zu erzählen, aber ich will mich mit den wichtigsten Stationen begnügen.
Nach dem ersten Weltkrieg versuchte die damalige Deutsche Reichsbahn Gesellschaft (DRG) ihren Fahrzeugpark zu vereinheitlichen. Gerade bei Nebenbahn-und Schmalspurloks gab es viele unterschiedliche Bauarten, die die Unterhaltung verteuerten und vor technische Probleme stellte.
Für die sächsischen Schmalspurbahnen mit 750 mm Spurweiten wurden sogenannte Einheitsloks entwickelt und gebaut.
Für ihre in Thüringen gelegene 1000-mm-Strecke von Eisfeld nach Schönbrunn , die einen starken Güterverkehr hatte, entwickelte und baute man nach den gleichen Grundsätzen eine kleine Serie von 3 Lokomotiven, die als 99 221-223 eingereiht wurden.
Wir hatte und haben die Achsfolge 1’E 1‘, was bedeutet, dass wir 11,6 m langen und 65 t schweren Loks auf einem Fahrgestell fahren, das vorn und hinten eine sogenannte bewegliche Laufachse (1‘) besitzen, die zur Kurvenführung und Lastverteilung dient. Das E steht für 5 (mit Stangen) gekuppelte Achsen, wobei die Kraft der beiden Dampfzylinder (etwa 700 PS) an der mittleren Achse, der Treibachse angreift..
Diese Achsfolge erfordert natürlich bei den engen Kurvenradien eine spezielle Konstruktion, die mir eine entgleisungsfreie Kurvenfahrt ermöglicht, die sogenannte Bisselachse. Dabei wird jeweils die Vorlaufachse in einem Gestell geführt, das mit seinem Drehzapfen seitenbeweglich im Lokrahmen befestigt wird und somit ein Ausschwenken nach den Seiten ermöglicht.
Die DRG verlangte von den Konstrukteuren der Firma Schwartzkopf in Berlin die Beförderung von 1000 t Anhängelast in der Waagrechten und noch 145 t bei 2,5 % Steigung. Mein Kessel, der dem einer Normalspurlok (Baureihe 81) gleicht, liefert für diese Leistung genug Dampf!
Mit meinen beiden Schwestern übernahm ich die Gesamtleistungen auf unserer Heimatstrecke und machte die schwächeren Schwestern überflüssig.
Während des zweiten Weltkrieges besetzte die deutsche Wehrmacht in Südnorwegen eine elektrische Grubenbahn samt Bergwerk, die die Erze zum Hafen brachte. Immer wieder durch Widerstandskämpfer zerstört, brauchte man meine Schwestern 221 und 223 dort als Ersatz für die E-Loks. In den fünfziger Jahren wurden sie dort abgestellt und verschrottet.
In der Nachkriegszeit halfen mir im Zugdienst etliche kleinere und schwächere Loks, den wieder ansteigenden Güterzugverkehr zu bewältigen. Ab 1955 erhielt ich Unterstützung durch meine moderneren Nachfolger, den sogenannten Neubauloks, die sich sicher auch noch zu Wort melden werden.

Frontansicht der 99 222 in Alexisbad 05. 08. 2011

Ich blieb in Thüringen und kam erst 1966 in den Harz. In Görlitz wurde meine Druckluftbremse gegen die Vakuumbremse und meine automatische Mittelpufferkupplung Bauart Janney gegen die hier gebräuchliche beidseitige Schraubenkupplung ausgetauscht.
Seit 1967 bin ich nun im Harz im Einsatz, heute vornehmlich im Brockendienst und natürlich im Sonderzugeinsatz. Ich könnte natürlich noch viel mehr erzählen, aber…
Und dieser Punkt ist auch der Grund für meine Vorstellung, denn laut Planung soll ich den Sonderzug der IG-HSB am 25.05.17 von Nordhausen Nord nach Hasselfelde und zurück nach Nordhausen Nord ziehen, worauf ich mich natürlich schon sehr freue. Zwischen den Brockendiensten darf auch mal ein längerer Auslauf sein.

So etwa könnte es am 25.05. auch aussehen, allerdings mit den grünen Wagen der IG-HSB. 05.07.2014

Also bitte, die Werbung zum Himmelfahrtssonderzug der IG-HSB beachten, Karte erstehen (wenns geht mit Familie, wir sorgen schon für Ablenkung für die feierbedürftigen Väter) und pünktlich am Zug erscheinen! Es wird für Jeden/Jede etwas geboten.

Bei Sophienhof 05.08.2011

ausgefragt, aufgeschrieben und fotografiert: Winfried Schwarzbach 15.4.17

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