Projekt für die Katz

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NABU beginnt im Mittleren Saaletal die aktuelle Untersuchungssaison zur Wildkatze, dem Wildtier des Jahres 2018

Jena – Kurz nachdem die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) von der Deutschen Wildtier Stiftung zum „Tier des Jahres 2018“ ernannt wurde, startet der NABU in die aktuelle Untersuchungssaison im Mittleren Saaletal. „Schon seit 2011 sind wir auf der Suche nach dem scheuen Waldtiger in der waldreichen Region des Mittleren Saaletals. Im Winter 2014 gelang uns dann endlich der erste fotografische und genetische Nachweis eines weiblichen Tieres in einem Waldgebiet östlich von Jena“, berichtet Silvester Tamás, der das Wildkatzenprojekt für den NABU Saale-Holzland-Kreis koordiniert.

Weitere Nachweise folgten aus einem Waldgebiet westlich der Stadt. 2015 gelang sogar der erste spektakuläre Reproduktionsnachweis für das östliche Thüringen, in einem nahe des städtischen Ballungsgebietes von Jena gelegenen Schutzgebiet. Damit war für uns klar: das Mittlere Saaletal ist für Wildkatzen nicht ohne Bedeutung. Seit 2016 werden die Untersuchungen in der Region dank großzügiger finanzieller Unterstützung des NABU Bundesverbandes verstärkt. Gemeinsam mit Studentinnen und Förstern, sowie Jägern und Naturfreunden sollen mit Hilfe von Wildtierkamerafallen und sogenannten Lockstöcken belastbare Erkenntnisse über die Anwesenheit und die Lebensweise der scheuen Samtpfote gewonnen werden. „Aktuell werden wir im Zeitraum von Dezember 2017 bis März 2018 etwa 40 mit Baldrian präparierte Lockstöcke in den Wäldern aufstellen und in Abständen von sieben bis zehn Tagen auf zurückgelassene Fellhaare untersuchen“, erklärt der Experte. „Wildkatzen reiben sich insbesondere in ihrer Verpaarungszeit, der sogenannten Ranz, gerne an diesen Stöcken und hinterlassen dabei Fellhaare. Die Haare können wir dann anschließend zur genetischen Untersuchung weitergeben.“ Aus den Ergebnissen der Untersuchungen erlangen Naturschützer Hinweise über die Anzahl von Wildkatzen in der Region und können die Geschlechter identifizieren.

„Wichtig für uns ist dabei herauszufinden, wie und wo Wildkatzen leben, ob sie sich wohlfühlen und vermehren, oder auch ungehindert umherwandern oder sogar gefahrlos weiterziehen können.“, sagt Silvester Tamás. Das Mittlere Saaletal fungiert mit dem relativ natürlichen Verlauf der Saale und seinen schönen waldreichen Seitentälern gewissermaßen als natürlicher Korridor, gleichsam als Nadelöhr in einer sonst nach Osten und Westen weithin durch Landwirtschaft und Äcker ausgeräumten Landschaft. Die streng geschützte Wildkatze ist dringend auf unseren Schutz angewiesen. Noch immer sind die Tiere in Deutschland gefährdet, insbesondere aufgrund der starken Zerschneidung ihrer Lebensräume und unserer Landschaft. Straßen und Verkehr stellen die hauptsächliche unnatürliche Todesursache für Wildtiere dar. Auch intensive forstwirtschaftliche Maßnahmen in den Waldgebieten können die sensiblen Waldtiger nachhaltig stören. „Seit 2016 konnten wir offenbar auch deshalb keine Reproduktion mehr im Mittleren Saaletal belegen. In den Waldgebieten östlich der Saale haben wir in den letzten beiden Jahren gar keine Nachweise für Wildkatzen erbringen können“, sagt Tamás. Zukünftig braucht es mehr Sensibilität für die Belange des Artenschutzes in der Landnutzung. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass die Wildkatze hierzulande immer noch in der Liste jagdbarer Arten verortet ist. Deshalb setzt sich der NABU für eine Reformierung des Jagdrechtes auf Landesebene ein und fordert eine deutliche Reduzierung der Liste jagdbarer Arten. Jagd ist zuerst Nutzung und nicht Naturschutz mit der Waffe.

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