Im Archiv gestöbert – Die Merwigslinde

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„In Nordhausens waldiger Umgebung befindet sich oberhalb des Geheges auf dem Geiersberge die Merwigslinde, ein im 14. Jahrhundert gepflanzter Baum, der einen Umfang von 7,5 Meter aufweist. Die Sage erzählt folgendes: Im 14. Jahrhundert lebte hier in Nordhausen in seinem Schloss auf dem Königshofe der vom Volke erwählte König Merwig: Sein Vater soll ein ehrsamer Schuhmachermeister gewesen sein und auch er hatte die Kunst, die Ahle zu gebrauchen, erlernt.

Seinen Untertanen war er ein gerechter und guter Fürst, und Arme und Notleidende fanden stets Gehör bei ihm, während die Wucherer, seine Feinde, ihrer Strafe nicht entgingen. Als Feind aller Schmeicheleien war ihm auch aller Hochmut unbekannt und gern erzählte er von seinem Herkommen, ohne sich dessen zu schämen. Besonders waren ihm die Genossen der Schuhmacherkunst willkommen und mit diesen zog er alle sieben Jahre nach einem Hügel außerhalb der Stadt, woselbst er den Genossen einen fröhlichen Schmaus gab und inmitten derselben bei Speise und Trank sich mit ihnen erfreute und wohl auch manchen heiteren Scherz zum besten gab. Der Hügel, auf dem dieser Schmaus alle sieben Jahre stattfand, war vollständig kahl, kein Baum und Strauch spendete Schatten. Um nun für künftigen Schatten zu sorgen, pflanzte König Merwig eine Linde. Dieser Baum steht heute noch und ist unter dem Namen „Merwigslinde“ bekannt. Die alle sieben Jahre stattfindenden Umzüge sollen sich bis zum Jahre 1736 erhalten haben, woran sich später die gesamte Schuhmacherzunft mit Weib und Kind beteiligte. Musik und Tanz fanden statt, sowie Bretzel-, Kuchen- und Bratwurstessen, woran sich Zechgelage von Bier und Schnaps anschlossen.“

(Quelltext: „Der Harz – Monatsschrift des Harzklubs“ vom Mai 1927)
(Bildquelle: Archiv – Sebastian Rühle)

Anmerkung der Redaktion: Im Jahr 1972 wurde eine neue Linde nachgepflanzt.

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2 Kommentare

  1. Andrea Breite

    Die Sage war mir nicht bekannt. Ich muss gestehen, dass ich jetzt nicht einmal sicher wusste, ob sie (die alte Linde) überhaupt noch steht. Aber vom erzählen aus der Kindheit sagte mir die Bezeichnung noch was. Wurde sie nicht mal mit Zement (??) ausgegossen, weil sie schon so hohl war?

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