Die historischen Fahrzeuge der IG-HSB VI Güterwagen

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Für eine Eisenbahn, die eigentlich hauptsächlich für den Transport von Gütern gedacht war und die zudem auch noch eine andere Spurweite als die „große“ Bahn hat, ist es natürlich existenziell wichtig, einen großen Wagenpark von Güterwagen vor zuhalten.
Einige für die Harzschmalspurbahnen charakteristische Wagentypen konnten in den Bestand der IG-HSB übernommen werden und stehen somit bei Sonder-fahrten zur Verfügung, um entweder mit den Personenwagen in einem Zug oder als „reine“ Güterzüge eingesetzt zu werden.
1906-1912 wurde durch die NWE(Nordhausen Wernigeroder Eisenbahn) eine Serie von 29 gedeckten Güterwagen in 3 Lieferungen.
Unser zweiachsiger Güterwagen 99-02-25 ex. NWE 317 gehört zur Görlitzer Lieferung mit insgesamt 6 Fahrzeugen aus 1912 und gehört der Gattung Gw an. Seine Länge über Puffer beträgt 7,5 m, sein Ladegewicht 10 t.

Die Bestimmung der gedeckten Güterwagen war der Transport nässe- empfindlicher Güter und Stückgut, das an den früher an allen Bahnhöfen vorhandenen Güterschuppen ein-oder ausgeladen und von dort verteilt wurde.

Hier steht er am 25.05.22017 vor dem Nordhäuser Lokschuppen, wo er in monatelanger Aufarbeitungszeit von den Mitgliedern der Nordhäuser Gruppe in den derzeitigen Zustand versetzt wurde.
Interessant ist der Bremsersitz zum Bedienen der Handbremse, obwohl im Zugbetrieb von Anfang an die durchgehende Vakuumbremse, dann die Druckluftbremse benutzt wurde und wird.
Aber bei bestimmten Rangierarbeiten macht sich dieser Bremsersitz sehr gut, kann doch bei geschobenen Rangierabteilungen der Zugführer dort Platz nehmen, um die Strecke zu beobachten.
Auf keinen Fall hat dieser Sitz etwas mit dem Platz des Kutschers zutun, obwohl er dort entlehnt scheint!

Von dieser Serie sind noch ein weiteres Exemplar in Nordhausen, der Gw 99-09-76 ex. NWE 339. Er wurde 1983 zu einem Steuerwagen für die Schotterpendel-züge beim Streckenneuaufbau Stiege –Straßberg umgebaut. Er besaß ein Fenster in der hinteren Stirnwand sowie vorn und hinten die komplette vorgeschriebene Beleuchtung sowie ein Notbremsventil, um den geschobenen Zug im Notfall anhalten zu können. Über Funk war der Zugführer mit dem Lokführer verbunden.

Ein weiterer NWE-Wagen mit der alten Nummer254, heute 99-04-73 gehört der Gattung SS m an.
Über Anschriften an unseren Fahrzeugen werde ich mich gesondert auslassen, nur so viel, diese Gattungsbezeichnung ist keine politische Äußerung, sondern bedeutet so viel wie Schienenwagen (zum Transport von…) oder Flachwagen, zweimal die Hauptgattung bezeichnet ein vierachsiges Fahrzeug, das „m“ das Ladegewicht von über 20 t.

Wie man gut erkennen kann, ist er mit abnehmbaren Rungen versehen, um das Ladegut zu sichern bzw. um auch kleinere Fahrzeuge transportieren zu können.
Gebaut wurde er bei der Firma Herbrand in Köln 1909.

Dass man lange Güter auch anders transportieren kann, wenn die Länge des Flachwagens nicht reicht, beweisen diese sogenannten Drehschemelwagen der Gattung Hw (Lang Holzwagen) mit je 10 t Ladegewicht. Sie tragen die DR-Nummern 99-04-08 und -19 (ex. NWE 810 und 824).

Unser Hw-Paar in Elend abgestellt.

Gebaut wurden beide Exemplare bei Hoffmann 1900 in einer Serie von 28 Stück, um den starken Holztransport zu gewährleisten. Sie konnten als kurze offene Wagen mit Bordwänden oder als Drehschemelwagen eingesetzt werden. Das Ladegut lagerte dabei auf einer drehbar in Wagenmitte angebrachten waagrechten Auflage mit seitlich hochstehenden Rungen. Die Ladung wird durch Zähne auf der Auflage sowie durch Ketten an den oberen Rungenenden gesichert. Die Wagen wurden paarweise mit einer entsprechend langen Kuppelstange gekuppelt, die auch die Vakuum-bzw. Druckluftleitung für die Bremsen trug.

Für diese Wagen gab es besondere Beförderungsvorschriften.

Ein Blick auf die Kupplung zwischen den beiden Wagen
Im folgendem Teil geht es mit Wagen der beiden anderen Schmalspurbahnen weiter sowie mit Sonderfahrzeugen.

Quellen: Die Triebfahrzeuge und Wagen der IG- HSB, Steimecke und Holzborn 2015
Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen: Bethke, Finke, Schweers 2003

text und fotos: ws

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