Große Resonanz auf Vorstellung multimodaler Schmerztherapie

0

Bleicherode – Jeder, egal wie jung oder alt hat eine Form von Schmerz schon irgendwann in seinem Leben kennengelernt. Doch wie viele Menschen unter chronischen Schmerzen leiden und sich für das neue Konzept der multimodalen Schmerztherapie in der HELIOS Klinik Bleicherode interessierten, überraschte die Organisatoren der Patientenakademie am Dienstagabend. Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin und schmerztherapeutischer Leiter, Dr. med. Steffen Zwanzig, empfing die rund 75 Besucherinnen und Besucher und gab einen ausführlichen Diskurs über Zahlen, Daten, Fakten, verschiedene Schmerzarten und nicht zuletzt über die multimodale Schmerztherapie in der Bleicheröder Fachklinik für Orthopädie.

Anhand des Publikums wurde deutlich: schmerzliche Beschwerden gehen alle Altersklassen an. Sei es der Schmerz, hervorgerufen durch sportliche Betätigung, Unfälle, Verspannungen oder Verschleißerkrankungen – jeder siebte Bundesbürger leidet unter Schmerzen. Anhand einer kleinen statistische Einführung gab Dr. Zwanzig einen Einblick in die Bandbreite von Schmerzerkrankungen: 15 Prozent der Arztbesuche erfolgen wegen chronischer Schmerzen und 60 Prozent der Schmerzen werden am Muskel- und Skelettsystem diagnostiziert. Allein 70 Prozent der Bundesbürger kennen Rückenschmerzen – bei 10 Prozent dieser Erkrankten wird der Rückenschmerz chronisch.

Doch was verbirgt sich hinter diesen Schmerzen? „Die Bedeutung des Phänomens Schmerz kann nur verstanden werden, wenn der Begriff Schmerz nicht nur auf die krankhaften Veränderungen am Körper reduziert wird“, erklärt Oberarzt Dr. Steffen Zwanzig. Grundsätzlich wird zwischen akutem und chronischem Schmerz unterschieden. Der akute Schmerz besitzt sowohl eine Warnfunktion, als auch eine Schutz- und Rehabilitationsfunktion. Beispielhaft für den Akutschmerz sind Zahn- oder Geburtsschmerzen sowie Schmerzen nach einer Operation. Die Dauer des Akutschmerzes ist meist kalkulierbar.

Vom chronischen Schmerz ist die Rede, wenn dieser länger als drei Monate andauert. „Bei chronischen Schmerzen fehlt meist eine klare Ursache“, erklärt Dr. Zwanzig. Diese verursacht bei Arzt und Patient eine Unsicherheit, die schnell in einen Teufelskreislauf münden kann. Aufgrund erfolgloser Behandlungsversuche wird der Patient enttäuscht und in seiner Psyche geschwächt. Die Orientierung am Akutschmerz bringt wenig bis keinen Aufschluss über die Ursache und Heilungsmöglichkeiten von chronischen Schmerzen. „Hinzu kommt, dass Fachärzte häufig Überweisungen basierend auf ihrem Fachgebiet ausschreiben, die zu neuen Misserfolgen führen können. Der Patient wird immer unsicherer und schnell aufgrund psychischer Instabilität „abgeschrieben“, erklärt Dr. Zwanzig den Teufelskreislauf bei chronischem Schmerz. Dieser Kreislauf schwächt den Gesundheitszustand eines Schmerzpatienten jedoch umso mehr, da Schmerzen in Überforderung, Stress, Muskelanspannung, Bewegungseinschränkung, Erschöpfung und stärkeren Schmerzen münden können. „Ist dieser Punkt erreicht, ist die Abkehr von Prinzipien der Akutschmerztherapie hin zu einer multimodalen Schmerztherapie notwendig“, weiß Dr. Zwanzig.

Die Idee der multimodalen Schmerztherapie ist nicht neu. Bereits in den 70er Jahren wurde „körperliche Reparatur“ mit psychotherapeutischen Verfahren verknüpft. „Die multimodale Schmerztherapie bezeichnet die gleichzeitige, inhaltliche, zeitliche und in der Vorgehensweise aufeinander abgestimmte umfassende Behandlung von Patienten mit chronifizierten Schmerzsyndromen. Sowohl Verfahren, als auch Behandlungsplan und Therapieziel werden von gleichberechtigen Teammitgliedern festgelegt“, erklärt der Schmerztherapeut. Im Gegensatz zur Rehabilitation erfolgt eine individuelle Betreuung in kleinen Gruppen mit übereinstimmenden Krankheitsmodellen und Teambesprechungen. „Der Patient wird aktiv in seine Behandlung mit einbezogen“, so Dr. Steffen Zwanzig. Die multimodale Schmerztherapie wird jedoch erst dann in Erwägung gezogen, wenn Vorbehandlungen keine Erfolge aufweisen, der Medikamentenverbrauch zu hoch oder psychosoziale Risikofaktoren und Begleiterkrankungen deutlich werden.

In der Frühphase der Schmerzkrankheit werden körperlich übende Verfahren favorisiert, die der Schmerzpatient eigenständig anwenden soll. „Diese Maßnahmen sind für den gesamten Verlauf der Schmerztherapie, aber vor allem für die Psyche der Schmerzpatienten enorm wichtig“, weiß Dr. Zwanzig. In der Spätphase wird mit der Wiederherstellung und Verbesserung der funktionellen Leistungsfähigkeit, Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination und Ausdauer begonnen. Auch die Milderung psychischer Folgen und die Erlernung von Bewältigungsstrategien spielen eine essenzielle Rolle in der Schmerztherapie. „Hierfür gibt es in der HELIOS Klinik Bleicherode ein Expertenteam aus Ärzten, Pflegenden, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen, welches sich gezielt und interdisziplinär mit den individuellen Behandlungsplänen chronischer Schmerzpatienten beschäftigt“, sagt Dr. Zwanzig. Die Behandlungsdauer beträgt dabei mindestens sieben Tage und bis zu drei Wochen. „In dieser Zeit arbeiten wir an der konsequenten Steigerung der körperlichen Aktivität, Motivation und Beratung bei Alltagsaktivitäten. Auch die Verbesserung der Fähigkeit zur Wahrnehmung von Körpersignalen zur Vermeidung von Überforderung und zum Aufbau von Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wird gestärkt.“

Für die multimodale Schmerztherapie in der HELIOS Klinik Bleicherode wird die Einweisung durch einen Haus- oder Facharzt benötigt. „Da das Konzept noch recht neu ist, verfügen wir über keine langen Wartezeiten und können chronische Schmerzpatienten zeitnah behandeln“, erklärt Dr. Steffen Zwanzig. Während der Untersuchungen werden die zu erfüllenden Patientenkriterien für eine multimodale Schmerztherapie geprüft. „Sind alle Untersuchungen abgeschlossen und der Patient kommt für eine Schmerztherapie in Frage, erhält er einen Termin zur stationären Behandlung.“

Aufgrund der großen Nachfrage zur Patientenakademie wird eine weitere Vorstellung der multimodalen Schmerztherapie in der HELIOS Klinik Bleicherode geplant, die in den kommenden Monaten stattfinden soll.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmail
Teilen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*