Einweihung der Gedenktafel zur Erinnerung an den Botaniker und Heimatforscher Klaus-Jörg Barthel

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Auf Initiative der Thüringischen Botanischen Gesellschaft wurde am Donnerstag, dem 17.08.2017, um 16.30 Uhr am Wohnhaus von Klaus Jörg Barthel-Am Frauenberg 13-eine Gedenktafel eingeweiht. Dazu laden die Stadt Nordhausen, die Bürgermeisterin Jutta Krauth und die Botanische Gesellschaft alle Interessierten, Freunde und Weggefährten herzlich ein! Die Gedenktafel ist eine Würdigung seines beispielhaften Wirkens für die Erforschung der Flora der Region.

Über Klaus-Jörg Barthel von Dr. Jürgen Pusch, Freund und Wegbegleiter

Voller Zuversicht und mit Plänen für weitere botanische Vorhaben begingen wir mit Klaus-Jörg Barthel in Nordhausen seinen 70. Geburtstag. Die Nachricht von seinem plötzlichen Ableben erreichte uns einige Tage später daher ganz unerwartet, denn wir glaubten ihn gesundheitlich auf dem Weg der Besserung.

Er sollte an dieser Stelle zu Lebzeiten als einer der besten Kenner der Flora Nordthüringens, einschließlich des Kyffhäusergebietes und der Geschichte der floristischen Erforschung ganz Thüringens gewürdigt werden, nun ist dies sowohl Ehrung als auch Erinnerung.

Als Sohn des Drogisten Max Erich Ernst Barthel und der Kontoristin Rosa Käthe (geborene Barthel) wurde er inmitten des 2. Weltkrieges in Dresden geboren. Nach den Bomben-angriffen auf Dresden kurz vor Kriegsende zog die Familie nach Lohmen bei Pirna, wo er von 1946 bis 1954 die Grundschule besuchte. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit der heimatlichen Pflanzenwelt und las naturwissenschaftliche Bücher. Auf Wunsch des Vaters erlernte er von 1954 bis 1957 den Beruf eines Zierpflanzengärtners in Dresden, wo er u. a. viele exotische Pflanzen kennen lernte. Bis 1959 arbeitete er dann in Dresden als Gärtnergehilfe. In diesen Jahren begann er sich für Atomphysik zu interessieren, arbeitete autodidaktisch auf botanischem Gebiet. Von 1959 bis 1960 erwarb er im Rahmen eines Vorkurses am Pädagogischen Institut Dresden die Hochschulreife. Noch im Jahre 1960 begann er ein Pädagogikstudium (Fachrichtung Mathematik/Physik) am Pädagogischen Institut Dresden, das er mit dem Staatsexamen im Jahre 1964 erfolgreich abschloss. Auch in seiner Studentenzeit arbeitete er autodidaktisch auf botanisch-biologischem Gebiet. 1965 zog die Familie nach Schwedt an der Oder. Von 1964 bis 1973 war Klaus-Jörg Barthel in Lübben und Groß-Lubolz als Physik-Lehrer tätig, unterrichtete aber auch Mathematik, Chemie und Astronomie. Im Jahre 1973 heiratete er in Nordhausen die Lehrerin Ute Bykowski (geborene Praefke) und wurde Vater von 2 Söhnen. Von 1973 bis 1975 arbeitete er als Physik- und Mathematiklehrer in Wipperdorf und von 1975 bis 1981 in Nordhausen. Von 1981 bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1996 arbeitete Barthel als Studienorganisator an der Ingenieurschule für Landtechnik in Nordhausen (ab 1994 Staatliche Fachschule für Technik und Wirtschaft). Nach Monaten der Arbeitslosigkeit, die er für die Abfassung verschiedener botanischer Manuskripte nutzte, wurde er im Jahre 1998 für ein Jahr in einem Planungsbüro in Ilmenau als Botaniker angestellt, um im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Kyffhäuser“ und im Landkreis Nordhausen in verschiedenen Schutzgebieten floristische und vegetationskundliche Untersuchungen vorzunehmen. Ab August 2000 trat Klaus-Jörg Barthel dann in den offiziellen Ruhestand.

Sein Interesse an der heimatlichen Pflanzenwelt begann bereits seit seiner Schulzeit und entwickelte sich in der späteren Lehr- und Lehrerzeit. Im Jahre 1980 nahm er dann in Nordhausen zu dem bekannten Botaniker Karl Kellner Kontakt auf und führte mit ihm mehrere Wanderungen in den Südharz und in das nahe gelegene Kyffhäusergebiet durch, dabei interessierten ihn die naturnahen Binnensalzstellen um den Kyffhäuser besonders. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Herzynischer Floristen in Halle kartierte er ab 1982 die Messtischblätter 4531 (Heringen) und 4532 (Kelbra). Nach seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 1985 zu floristischen Funden im nordwestlichen Kyffhäuservorland kam es ab dem Jahre 1986 zur engen und freundschaftlichen Zusammenarbeit mit dem damals erst 24-jährigen J. Pusch aus Bad Frankenhausen. Gemeinsam mit ihm arbeitete K.-J. Barthel an verschiedenen botanischen Schwerpunkten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Ostdeutschland. So wurden u. a. Arbeiten zur Verbreitung der Sommerwurzarten in Europa, Ostdeutschland und Thüringen (1995, 1992, 1989), zur Therophytenflora (1998) und den Federgräsern (2003) des Kyffhäusergebirges, zur Segetalflora Nordthüringens (1996, 2001) und zu den Binnensalzstellen Nordthüringens (1992) herausgebracht. Wichtigster Untersuchungs-gegenstand bis zum Jahre 1999 war aber die Pflanzenwelt des Kyffhäusergebietes. In zahlreichen Vorarbeiten wurde das die Grundlage für die „Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung“ (Barthel & Pusch 1999). Diese in allen Rezensionen gelobte Flora kann mit Recht als ein Lebenswerk des Verstorbenen bezeichnet werden. Zahllose Neufunde und Bestätigungen seltener Arten hierin stammen von Klaus-Jörg Barthel dem Jubilar selbst. So fand er u. a. die Röhrige Pferdesaat (Oenanthe fistulosa) bei Auleben, die Saat-Kuhnelke (Vaccaria hispanica) bei Badra, den Quirl-Knäuel (Scleranthus verticillatus) bei Auleben und im Jahre 2004 bei Rottleben erstmals für Thüringen die Spatzenzunge (Thymelaea passerina).

Niemand hätte es Klaus-Jörg Barthel übel genommen, wenn er sich nun etwas zurück gelehnt hätte, um seinen Ruhestand zu genießen, doch das Gegenteil war der Fall. In nur 6 Jahren intensiver historischer Recherchen gab er ein zweites Buch „Die Botaniker des Kyffhäusergebietes – Ein Beitrag zur Geschichte der floristischen Erforschung Nord-Thüringens und Südwest-Sachsen-Anhalts“ (Barthel & Pusch 2005) heraus. Hierin wird die Geschichte der floristischen Erforschung des Kyffhäusergebietes dargestellt und Biographien von etwa 150 Botanikern vorgestellt. Ihm verdanken wir zahlreiche biographische Erst- bzw. Neubearbeitungen wichtiger, schon fast in Vergessenheit geratener, Thüringer Botaniker, so z. B. von Ernst Bradler (1877–1954), Franz Buddensieg (1812–1894), Gustav Oertel (1834–1908), Hugo Ilse (1835–1900) oder Adolf Vocke (1821–1901). Parallel hierzu kartierte er größere Gebiete Nordthüringens für den „Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens“ (Korsch & al. 2002) und beteiligte sich aktiv an der Erarbeitung und Korrektur der „Flora von Thüringen“ (Zündorf & al. 2006). Noch im Jahre 2005 entschloss er sich, ein weiteres Projekt in Angriff zu nehmen. Gemeinsam mit J. Pusch und W. Heinrich (Jena) war er seit 5 Jahren dabei, ein Buch zu den wichtigsten in Thüringen tätigen Botanikern zu erarbeiten. Es handelt sich dabei um ein gewaltiges Vorhaben mit Biographien von über 500 Personen, denn während sich in den „Verbreitungsatlas“ und die „Flora von Thüringen“ Hunderte von Botanikern eingebracht haben, lastete die bisherige Arbeit zu diesem Buch vor allem auf den drei Autoren und insbesondere auf Klaus-Jörg Barthel

In knapp 100 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Büchern hat Klaus-Jörg Barthel Zeugnis von seinen umfangreichen botanischen und historischen Kenntnissen zur Geschichte der Botanik und damit seiner wissenschaftlichen Arbeitsweise abgelegt. Obwohl er selber kein eigenes Herbarium angelegt hatte, befinden sich ausgewählte wichtige Belege in den Sammlungen von J. Pusch. Er war Mitglied der Thüringischen Botanischen Gesellschaft (seit 1998) und des Botanischen Vereins von Sachsen-Anhalt (seit 2003), führte sowohl kleine als auch größere öffentliche Exkursionen, hielt Vorträge und gab sein Wissen gern an Jüngere und Lernende weiter.

Es war ein herber Schlag für Klaus-Jörg Barthel und seine Familie, als ihn im Oktober 2009 plötzlich die Gesundheit verließ und er seitdem an den Rollstuhl gefesselt war. Trotzdem versuchte er, die begonnene Arbeit fortzuführen, wobei ihm vor allem seine Frau Ute sehr zur Seite stand. Es war sein großer Wunsch das in Angriff genommene Buchprojekt zu den Botanikern Thüringens zu vollenden.

Im Herbst 2015 ist das knapp 1000seitige Werk „Die Botaniker Thüringens“ (Pusch, Barthel & Heinrich 2015) in der Herausgeberschaft der Thüringischen Botanischen Gesellschaft erschienen. Mit der Kyffhäuserflora (Barthel & Pusch 1999) und diesem Nachschlagewerk über die Botaniker Thüringens hat sich Klaus-Jörg Barthel in der Geschichte der Floristik Mitteldeutschlands einen Namen gemacht und wird unvergessen bleiben.

Er reiht sich ein in die Tradition der großen Nordhäuser Botaniker, wie Johann Ludwig Fürer (um 1576–1626), Friedrich Wilhelm Wallroth (1792–1857), Friedrich Traugott Kützing (1807–1893), Adolf Vocke (1821–1901) und Kurt Wein (1883–1968).

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