Die historischen Güterwagen der IG-HSB VI-2

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Aus der Abteilung „Nachbarbahnen“ haben es weitere zwei Wagen in den IG-Bestand geschafft.
Da wäre der Wagen 99-01-98(ex. GEHE 502) der Gattung Zw. Die Kenner wissen, es handelt sich um einen Kesselwagen (Zisterne) mit 10 t Ladegewicht. Die Gernroder Harzgeroder Eisenbahn GEH beschaffte für ihren Privatanschluß Fluor einen Kilometer hinter Straßberg einen neuen Kesselwagen, der von der Firma Lindner Ammendorf 1915 geliefert wurde.

Hier ist er am Zugschluss in Eisfelder Talmühle zu sehen.
Er wurde in der Flusssäurefabrik zum Transport von Fluss-und Schwefelsäure verwendet. Nach dem Abbau der Strecke Gernrode –Stiege und dem Abtransport von Gleisen und Fahrzeugen als Reparationsleistung 1946 verblieb

er im Harz und wurde 1957 zum Wasserwagen für den alten Feuerlöschzug umfunktioniert. Seit 1999 gehört er zum Bestand der IG-HSB und wurde in Blankenburg betriebsfähig aufgearbeitet und steht für Sonderzüge zur Verfügung.
Ein weiteres Exemplar der 1963 endgültig stillgelegten Südharz Eisenbahn (SHE) verblieb nach der Grenzziehung 1945 bei der NWE im Ostharz.
Er gehörte ursprünglich zu einer Lieferung an die SHE von 16 Selbstend-ladewagen für den Schottertransport vom Steinbruch Wurmberg oberhalb Braunlages zum Brecherwerk in Walkenried. Ebenso waren sie vom Steinbruch bei Sorge und Brunnenbachsmühle unterwegs.

Die Firma Orenstein& Koppel baute sie 1903 als Gattung Kt (Kübel-bzw. Klappdeckelwagen mit Trichter, Boden-klappen zur Selbstentladung).Unser wagen trug die Nummer SHE 274 und erhielt bei der DR die Nummer 99-72-02.
Als der Schotterverkehr wegen Unrentabilität zum Erliegen kam, wurden die Wagen in hochbordige offene Wagen umgebaut, mit denen u.a. Sägespäne der großen Sägewerke transportiert wurden.
Acht Wagen verblieben 1945 im Ostharz und wurden ab 1969 als Schlackewagen mit stählernem Aufbau in Nordhausen eingesetzt.
1992 wurde er aufgearbeitet und befindet sich im Bestand der IG-HSB.

Zum Güterverkehr auf der Schmalspur gehörte anfangs das Umladen per Hand, in seltenen Fällen mit Kränen. In Nordhausen gab es u.a. ein Schmalspurgleis, das in der Höhe so angepasst war, das ein direktes Umladen mittels Sackkarre von Wagenboden zu Wagenboden möglich war.

Blick von der Zeppelinbrücke am 10.04.1983 auf die Viehrampe mit SSm, ex. PwPosti (Werkstattwagen) und SHE-Ow

Schüttgüter konnten an der sogenannten Viehrampe am Lokschuppen Nordhausen in niedriger stehende Normalspurwagen gekippt werden, wie auf dem Foto sichtbar.
Das war aber alles sehr Personal-und Kostenintensiv. Man suchte nach technischen Möglichkeiten, diesen Nachteil der Schmalspur auszugleichen.
1880 wurden in der Schweiz Rollwagen gebaut, die aber auf Grund des hohen Eigengewichtes kein Grund zur Freude für den Buchhalter der Bahn darstellte. Ein Jahr später konstruierte und baute der Esslinger Direktor E. Langbein einen nach ihm benannten Rollbock, der von anderen Maschinenfabriken nachgebaut wurde.
Im Harz bei der NWE waren Fahrzeuge verschiedener Hersteller im Einsatz, so aus Weimar, Wismar und Görlitz, teils mit und meist ohne Bremseinrichtung.

.Görlitzer Rollbock in der Umspuranlage in Nordhausen 25.05.2017

Diese Fahrzeuge besteht aus einen zweiachsigen Fahrgestell, in dessen Mitte drehbar eine Quertraverse angeordnet ist, die an ihren Enden in der Spurweite von 1435 mm die Achsen, stehend auf den Spurkränzen, der Regelspurwagen aufnimmt. Klappbare Gabeln dienen zur Festlegung der Achse.

Rollbockanlage in Nordhausen Nord mit Bremswagen 25.05.2017

Auf zum Aufbocken werden die Regelspurwagen langsam über die in einer Grube liegenden Rollböcke auf ihrem Schmalspurgleis geschoben. Die Rangierer müssen dann unter die Regelspurwagen klettern und per Hand die Rollböcke (etwa 1,2 t Eigengewicht) unter den Achsen positionieren und dann die Gabeln um die Achsen hochklappen und mit einem Rundeisen, das an den Enden abgewinkelte Enden hat, gegen Umfallen sichern.
Sind alle Regelspurwagen entsprechend mit Rollböcken versehen, kann die Schmalspurlok mit dem Bremswagen, der auch zum Kupplungsausgleich dient, die ganze Wagengruppe aus der Grube ziehen. Da das Schmalspurgleis ansteigt, greifen je Achse die Enden der Traverse unter die Spurkränze und heben die Achse und somit den Wagen vom Normalspurgleis ab.

Somit können nun die aufgeschemelten Güterwagen zum Anschließer gefahren und be-bzw. entladen werden.
Da die Rollböccke ohne Bremsanlage waren, konnten sie nur mit den Zwischenwagen gebremst werden. Auf Grund der Streckenverhältnisse kamen sie im Südharz nur von Nordhausen Nord bis Ilfeld zum Einsatz und dabei durften 15 km/h nicht überschritten werden, ebenso in Wernigerode, wo bis Steinerne Renne zum Granitwerk gefahren werden durfte.
Nach Einführung der Rollwagen um 1966 wurden sie in Nordhausen nur noch zum Bedienen der im Bahnhofsbereich befindlichen Anschlüsse Minol 1 und 2 sowie Baustoff Tölle genutzt, wogegen bis zur Wende und kurz danach in Wernigerode bis Hasserode gefahren wurde.

Blick auf den Güterbahnhof Nordhausen Nord 10.04.1983

Im Bestand der IG befinden sich die Rollböcke 99-01-11 und 01-22, sie befinden sich in Hasselfelde neben dem Lokschuppenmuseum .
Rollwagen waren im Harz 4-achsige flache Fahrzeuge, deren Längsträger als Fahrschienen ausgebildet sind. In einer Grube, deren Kopfende das heranführende Normalspurgleis bildet, werden sie hintereinander mit Klammern kurzgekuppelt und bilden somit eine Fortsetzung der Regelspurgleise. Sie sind mit einer kompletten Bremsanlage ausgerüstet und etwa 10 t schwer.

Ein Blick auf die Rollwagengrube in Nordhausen, der Regelspurwagen steht auf Rollwagen, Radvorleger, die den Rädern Halt geben und verstellbar sind, sind rechts und links außen abgeklappt, mit Ketten wurden zusätzlich die Achsen gesichert. Die Kupplung ist eine einfache Trichterkupplung, bei der die Kuppelstange mit einem Bolzen gesichert ist. Rechts liegt eine kleine Kuppelstange mit etwa 1,5 m Länge.

Diese Fahrzeuge können zweiachsige Regelspurwagen komplett transportieren und haben ein Ladegewicht von 40 t.
Um 1943 wurden von der NWE Versuche gefahren, um die gesamte Strecke mit Regelspurwagen befahren zu können. Nicht nur die Kriegsereignisse machten einen Strich durch die Rechnung, auch die Loks waren nicht in der Lage, die Lasten durch den Harz zu befördern.
Die ab 1955 zur Verfügung stehenden Neubaulokomotiven hatten mit ihren etwa 700 PS genügend Leistung, Rollwagenzüge über die Berge zu befördern.
Nachdem sie im Betriebseinsatz gezeigt hatten, was sie konnten, wurde daran gegangen, die Strecke zu ertüchtigen. So wurden Bögen erweitert, Einschnitte dem größerem Profil angepasst und dann auch die Brücke der SHE in Sorge an der Bahnhofseinfahrt aus Elend abgerissen. Daher war es möglich, ab 1963 von Wernigerode bis Benneckenstein bzw. Brocken mit Rollwagen zu fahren. Ein Jahr später war das auch ab Nordhausen Nord möglich bis Hasselfelde.

In dieser Zeit wurden viele Schmalspurgüterwagen überflüssig und bis zur Verschrottung auf Bahnhöfen der Strecke abgestellt.
Dazu wurden ab 1962 im RAW (Reichsbahnausbesserungswerk ) Jena Rollwagen gebaut. Bei einer Gesamtlänge von 9 m war es möglich, Regelspurwagen bis 8,5 m Achsstand aufzurollen. Da die Rollwagen und nicht die Regelspurwagen untereinander gekuppelt waren, wurden verschieden lange Kuppelstangen benutzt, die auch mit Bremsleitungen zur Verbindung versehen waren. So kamen Stangen mit 4,5 m Länge zum Einsatz, sehr zur „Freude“ der Personale.
Von den stillgelegten Strecken Eisfeld-Schönbrunn in Thüringen und der Spreewaldbahn kamen weitere Rollwagen in den Harz, bei denen aber erst die Bremsanlagen angepasst werden mussten.
Der Wagen 99-20-39 stammt aus Thüringen und steht in Hasselfelde.

67092 hat hier gerade Stiege erreicht, diesmal eine recht leichte Fuhre, da viele Leerwagen eingereiht waren, um in Hasselfelde und Silberhütte mit Holz und in Straßberg mit Fluor beladen zu werden. Die beiden ersten Wagen gehen auch nach Hasselfelde, sie bringen sicher Bauholz zur BHG neben dem Lokschuppen.
Quellen: Die Triebfahrzeuge und Wagen der IG- HSB, Steimecke und Holzborn 2015
Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen: Bethke, Finke, Schweers 2003
text und fotos: ws

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