Die historischen Fahrzeuge der IG-HSB III – Dienstwagen

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Wie die Überschrift verrät, geht es nun um Dienstwagen der IG-HSB. Stellt sich doch die Frage, was ist das?
Meine Definition wäre, es sind Fahrzeuge, die zu nicht öffentlichen bzw. nur teilweise zu öffentlichen Zwecken benutzt werden. So gehört natürlich die Unterbringung des Zugpersonals dazu, ebenso wie der Transport von Gepäck, Stückgut, Post und Dingen, die für den Bahndienst wichtig und nötig sind. Entsprechend ihres Zweckes unter-scheiden sie sich voneinander.
So waren bei der NWE bzw. bei der Deutschen Reichsbahn mehrere Gattungen und Bauarten vertreten:
2achsig mit Zugführer-,Gepäck- und Postabteil, 4achsig mit der gleichen Aufteilung eine Nummer größer, sogenannte Kombi-Packwagen und Begleitwagen für Güter(Rollwagen) Züge.
Die Ersten wurden wohl hauptsächlich auf der Brockenstrecke eingesetzt, da dort nicht mit viel Stückgut, dafür aber mit Post zu rechnen war und man außerdem nicht unnötig „tote“ Last mitschleppen musste.

Und so sieht unser Exemplar heute aus, der Wagen 905-153 NWE 156, Gattung KDwi.

Er gehört sozusagen zur Startpackung der NWE,die bei der HAWA (Hannoversche Wagonfabrik) 1899 eine kleine Serie von 6 Stück (NWE 151-156)bestellte, wovon nur 3 (NWE 154-156) als Pw/Post,also als Packwagen (umgangssprachlich für Dienstwagen) mit separatem Postabteil, ausgerüstet waren.Darin wurde die beförderte Post von einem Postbeamten bearbeitet und jeweils in Nordhausen oder Wernigerode der örtlichen Post zur weiteren Verarbeitung übergeben.

Übrigens bis zum 25.Mai 1960 wurde auf der Harzquerbahn Post befördert!

So kann man sich die originale Ausführung der Wagen 154-156 äußerlich vorstellen, wahrlich nicht mehr schön, dafür aber selten! Wagen NWE 154 oder 99-01-83
Unser Wagen wurde 1989 überflüssig und wurde an einen Eisenbahnfreund nach Darlingerode bei Wernigerode als Dauerleihgabe verbracht und dort äußerlich in Stand gesetzt . Am 17.04.2000 kam er nach Blankenburg zum Verein Brücke, wurde dort aufarbeitet und ist seit 27.06.2002 wieder in Betrieb als Dauerleihgabe an die IG.
Auf Grund seines Innenlebens(Kücheneinrichtung und Vorräte an fester und flüssiger Nahrung! ) ist er den Gästen der Sonderfahrten der IG auch als „Suppenwagen“ bekannt und erfreut sich besonders bei ganztägigen Fahrten einer gewissen Beliebtheit beim fahrenden Publikum und den Aktiven!

Für den Verkehr auf der Harzquerbahn wurden größere 4achsige Wagen eingesetzt.

Gebaut bei der Firma Herbrand in Köln wurden sie 1900 gebaut. Sie verfügten ebenfalls wie ihre kleinen Kollegen von der Plattform aus begehbar ein kleines Zugführerabteil, dann einen großen Laderaum für all das, was nichts im Personenwagen und seinen Plattformen zu suchen hatte und daran anschließend ein separates Postabteil. Auf beiden Stirnseiten bestanden ebenfalls Übergangsmöglichkeiten zum Personenzug.
Unser Wagen war der Erste der Serie PwPost 4 und erhielt die NWE- Nummer 161, bei der DR war er unter der Nummer 904-153 (Gattung KD 4 i) im Einsatz, bis 1952 noch mit dem Postabteil, das später dem Laderaum durch Ausbau der Zwischenwand angegliedert wurde.
1991 ging er an die IG-HSB über und wurde 1995 nach Aufarbeitung als Verpflegungswagen eingesetzt.
Derzeit steht er in Wernigerode-Westerntor und wartet auf seine Hauptuntersuchung. Seine anderen 3 Kollegen wurden 1989 verschrottet.
Der Vollständigkeit halber sei auch noch die andere Fahrzeugart kurz vorgestellt, da sie oft auch in unseren Sonderzügen zu sehen sind, aber nicht der IG-HSB gehören.


Wagen 902-303 in Nordhausen Nord

Von dieser Bauart, auch „Kombiwagen“ genannt, gibt es noch zwei Wagen in grüner Farbgebung, die im Traditionszug der HSB mit den Nummern 902-303 (Wagen 1 ) und 902-302 (Wagen 8 ) eingesetzt sind.
1928 wurde von der Gothaer Wagonfabrik ein 4achsiger Wagen mit Zugführer-und Gepäckabteil sowie zwei Abteilen 3.Klasse mit 31 Sitzplätzen gebaut,1929 folgte ein weiterer Wagen gleicher Bauart aus der Wagonfabrik Wismar, der 1985 modernisiert wurde und hier nicht weiter interessiert.
Er erhielt bei der NWE die Nummer 51 und hatte früher die Gattungsbezeichnung CPW 4i. Seit 1974 gehört er zum Traditionszug.Als NWE 35 wurde ein Personenwagen 1953 in der Werkstatt Wernigerode-Westerntor nach den gleichen Prinzipien umgebaut. Einer vergrößerten Fläche für das Zugführer-abteil und den Gepäckraum ist der Verlust von Sitzplätzen geschuldet, es reichte dann nur noch für 23 Plätze.
1973 wurde der Wagen in Perleberg rekonstruiert, es wurden der Wagenkasten und die Fenster verändert.

Wagen 902-302 in Gernrode
Da später keine weiteren Veränderungen mehr vorgenommen wurden, gelangte er in den Traditionswagenbestand.
Mit diesen zwei Packwagen und weiteren 6 Personenwagen im Zustand der Zeit etwa um 1975 stehen der HSB zwei „Halbzüge“ für entsprechende Sonderfahrten zur Verfügung.
Gemeinsam sind allen Wagen natürlich die durchgehende Druckluftbremse, die Dampfheizeinrichtungen sowie Verstärkeranlagen für den Einsatz eines Reiseleiters. Selbstverständlich sind in den vorher beschriebenen Personenwagen Lautsprecher vorhanden.
Im Gegensatz zu den „normalen“ Wagen besitzen die Personen-und Kombipackwagen sowie der große 4achser Gepäckwagen einen laubgrünen Anstrich entsprechend der damaligen Vorschrift zur Farbgebung in RAL 6002,der Wagen 905-153 einen rotbraunen Anstrich nach RAL 8012, wie die Dienstwagen ab etwa 1976 unterwegs waren.

Quellen: Die Triebfahrzeuge und Wagen der IG- HSB, Steimecke und Holzborn 2015
Die Fahrzeuge der Harzer Schmalspurbahnen: Bethke, Finke, Schweers 2003

text und fotos: Winfried Schwarzbach

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