Biber vermutlich durch Menschen getötet

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Wiederholt kommen in Thüringen Biber zu Schaden – Der NABU verurteilt derartige Straftaten

Jena – Erneut gibt es in Thüringen einen Biber, der vermutlich durch Menschen getötet wurde. In einem Mühlgraben nahe der Saale im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurde das Tier von einem Naturschutzbeauftragten des Landkreises, Wilfried Matz, gefunden und dokumentiert. Herr Matz wurde zudem von Bürgern informiert, dass vor einigen Wochen im Revier des toten Bibers ein weiteres Tier tot aufgefunden worden war.

Presseberichten zu Folge ist dies kein Einzelfall mehr im Freistaat. Schon im April 2016 kam es bei Adelhausen zu einem illegalen Abschuss eines Bibers mit einer Kleinkaliberwaffe. „Wir sind sehr bestürzt über diese Vorfälle und fordern die zuständigen Behörden auf, entschlossen gegen illegale Bibertötungen vorzugehen und die Täter entsprechend strafrechtlich zu verfolgen“, sagt Martin Schmidt, der stellvertretende Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Dies ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“.

Nach Aussage der Naturschützer sind nicht nur die Biber selbst in Gefahr, sondern auch ihre Burgen und Dämme. An manchen Orten werden diese einfach zerstört oder ohne Genehmigung abgetragen. „Dies darf nicht zugelassen werden. Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Tierart und steht im Anhang II und IV der FFH-Richtlinie. Dieser Schutzstatus schließt auch seine Dämme und Wohnstätten mit ein“, berichtet Martin Schmidt.

Von einigen Menschen wird der Biber sehr einseitig als Störenfried in der Landschaft gesehen. „Hier gilt es, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukommen“, fordert Marcus Orlamünder, der beim NABU das Projekt Bibermanagement in Thüringen koordiniert. In erster Linie erbringt der Biber großartige Leistungen für das Ökosystem und die Gesellschaft. „Wenn die großen Nager genügend Raum in der Aue und am Gewässer bekommen, gestalten sie Lebensräume, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten direkt profitieren. Zum Beispiel nutzen Libellen, Fledermäuse und Spechte die Gehölzstrukturen, die sich durch die Biber im Gewässer und an den Ufern herausbilden. Biber leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz“, berichtet Marcus Orlamünder.

Durch seine Dammbau- und Nageaktivitäten können Biber bei Landnutzern für Aufregung sorgen. „Meist können die auftretenden Probleme aber unkompliziert gelöst werden. Bezüglich der Fällaktivitäten des Bibers kann man die meisten Bäume mit wenigen Handgriffen zur Seite räumen. Wertvolle Gehölze sind leicht mit Drahtmanschetten zu schützen. Wird durch den Bau von Biberdämmen eine landwirtschaftlich genutzte Fläche leicht unter Wasser gesetzt, kann notfalls eine Biberdammdrainage eingebaut werden, die den Wasserstand auf einem tragbaren Niveau hält“, sagt Orlamünder. „Die positiven Leistungen des Bibers sind von unschätzbarem Wert. Wer dem Biber schadet, schadet auch unserer Gesellschaft.“

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